Machen TV Serien süchtig?

Suchtfaktor: Das Erfolgsprinzip erfolgreicher TV Serien

Mag die Frage auch noch so skurril klingen, doch haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, ob TV Serien tatsächlich süchtig machen? Die TV-Erfolgsformate arbeiten mit einer Nähe zum Zuschauer und bauen immer wieder neue Spannung von Folge zu Folge auf. In den letzten Jahren ist eine interdisziplinäre Forschergruppe diesem Phänomen auf den Grund gegangen. Wir wollen Ihnen in diesem Beitrag die Ergebnisse der Forschungsarbeit vorstellen und die Ursache multimedialer Abhängigkeit näher erläutern.

 

Serien Sucht Störungen -Urheber: bialasiewicz / 123RF.com
Serien Sucht Störungen -Urheber: bialasiewicz / 123RF.com

Im Prinzip funktionieren Serien nach einem simplen Prinzip: Sie erzeugen beim Zuschauer den Wunsch nach Fortsetzung. Der Zuschauer selbst möchte wissen, wie es in einem zwischenmenschlichen Fall weitergeht. Dieses einfache Prinzip funktioniert im TV, im Printbereich, aber auch im Internet. Es sind letztendlich die Geschichtenschreiber, die maßgeblich zum Erfolg einer TV-Serie beitragen.

Darüber hinaus sorgen gerade TV Serien bei ihren Fans für eine Struktur im Alltag. Daniel Stein hat dieses Phänomen gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern erforscht und kam zum Beispiel im Hinblick auf den „Tatort“ zu folgendem Schluss: Für einen festen Teil der deutschen Zuschauer gehört der Tatort zum gemeinsamen Sonntagabend, sodass sich nicht die Frage stellt, was man denn anderes machen könnte.

Viele Menschen sind dafür bekannt, Rituale zu entwickeln, denn diese Rituale geben uns Sicherheit und Geborgenheit, die wir immer wieder im Leben suchen. TV Serien unterstützen diese Ritualisierung des Lebens und integrieren sich selbstverständlich in den Alltag.

Ergebnisse einer Studie zur TV-Sucht

Doch nicht nur die allgemeine Wirkung von TV Serien war für die Wissenschaftler interessant, vielen haben es sich auch zum Ziel gemacht, einzelne TV Formate zu ergründen. Aus diesen Einzelfallstudien sollte dann ein gesamtes Bild entstehen. Der Weg führte sie tatsächlich bis in das frühe 19. Jahrhundert zurück. Dies war der Anfangspunkt der Massenproduktion. Mit dem Einstieg in die Massenproduktion und in den Massenprint war es möglich, ein einzelnes Format einer sehr großen Zielgruppe zugänglich zu machen. Es war der französische Schriftsteller Eugène Sue, der als erster 1842 einen Fortsetzungsroman ins Leben rief.

Die Rede ist vom „Mystères de Paris“, was sich auch mit den Geheimnissen von Paris übersetzen lässt. Die Hauptrolle seines Romans durchlebte immer wieder verschiedene Abenteuer und avancierte über die verschiedenen Fortsetzungen und Teile zu einem wahren Helden der Pariser. Der Schriftsteller war so intelligent, immer wieder die Interaktion mit seinen Lesern zu suchen und bat sie um Anregungen und weiterführende Ideen. Auf diese Weise entwickelte er immer wieder neue Handlungsstränge und kreative Ideen, die genau ins Schwarze trafen.

 

Warum machen TV-Serien süchtig?

Mit einem ähnlichen Prinzip arbeiten TV Serien noch heute, denn sie tauschen sich nach einer Serie über deren Verlauf mit Freunden und Bekannten aus. Wir bewegen uns hier im Bereich der Serienrezeption. Sprich: Sie tauschen sich nach jeder Zeuge einer TV Serie mit anderen Fans aus, haben die Gelegenheit, der Interaktion über die sozialen Medien oder Leserbriefe. Zudem erscheinen einzelne TV Formate nochmals auf DVD oder als Video, um sich diese nochmals anzusehen.

Seit 1970 gilt die ARD-Serie der Tatort als Kassenschlager im deutschsprachigen Raum. Aus soziologischer Perspektive bewegen wir uns in dem Bereich der parasozialen Interaktion. Über die vielen Jahre hinweg haben die Zuschauer das Gefühl, ein persönliches oder sogar ein intimes Gefühl und eine Anbindung zu den TV Polizisten zu haben. Auch wenn es sich dabei um eine fiktionale Figur handelt, bauen Zuschauer mit der Zeit und über viele Jahre hinweg ein vertrautes Verhältnis zu den TV Stars auf.

 

Wann wird die TV-Sucht gefährlich?

Bei TV Serien, die jeden Tag über den Bildschirm flattern, handelt es sich um die so genannten Daily Soaps, wie zum Beispiel Gute Zeiten schlechte Zeiten, Rote Rosen oder Sturm der Liebe. Für die Macher und Entwickler der Serie handelt es sich um eine permanente Herausforderung, immer wieder neue Geschichten zu entwickeln und aneinander zu knüpfen. Hier verweisen die Wissenschaftler auf die so genannte Zopfstrategie.

Wird in diesem Fall ein großer Konflikt beendet oder abgeschlossen, dann hat der Nächste schon wieder angefangen. So nehmen die Spannungen und Konflikte niemals ein Ende, indem sie sich immer wieder überlappen. Noch immer steht die Frage im Raum: Kann eine TV Serie wirklich süchtig machen? Einige Kritiker dieser TV Formate vermuten sogar eine soziale Vereinsamung über TV Serien.

 

Daniel Stein hat dieser Vermutung einiges gegenzusetzen, denn für ihn ist immer dann eine TV Serie interessant, wenn Interaktion, Kommunikation und Rezeption auch über die Serien stattfindet. Zwangsläufig müssen Sie sich dann auch über diese Serie unterhalten und stehen in einer Interaktion mit anderen. Immer wenn die Kommunikation ein unmittelbarer Bestandteil von Serien ist, bergen diese im Prinzip keinerlei Gefahr. Im Hinblick auf die Sucht nach TV Serien kommt es nur dann zu Problemen, wenn nicht ein einzelne Serienformat tagtäglich verfolgt wird, sondern sich über mehrere Stunden hinzieht.

Hier haben wir es mit einer multimedialen Sucht, einer TV Sucht oder einer Internet Sucht zu tun, die in besonders intensiven Phasen und bei schweren Fällen einer Therapie und Behandlung durch einen Psychotherapeuten bedarf. Tatsächlich führt eine Fokussierung auf die multimedialen Medien gleichsam zu einer sozialen Vereinsamung, wenn der direkte Kontakt zu anderen fehlt und ein elektrisches Gerät zum einzigen Kommunikationspartner avanciert.

weiterführend:
Väter und Kinder https://www.netpapa.de/

Letzte Aktualisierung am

Literatur:

  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag
  • Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2009
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte
  • Deutsches Ärzteblatt, Studien und aktuelle Nachrichten
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