Untersuchung im Krankenhaus ohne Überweisung

Wann kann man in ein Krankenhaus oder Notaufnahme zur Untersuchung gehen?

Bei einem medizinischen Notfall ist ganz klar: Die nächste Krankenhaus Notaufnahme behandelt ohne Überweisung. Manchmal leiden Betroffene aber bereits über einen längeren Zeitraum unter unspezifischen Symptomen.

Der Hausarzt und manchmal sogar ein hinzugezogener Facharzt können keine Diagnose oder Ursache feststellen. Betroffene fragen sich dann, ob sie in einem Krankenhaus nicht besser aufgehoben wären.

Aufnahme im Krankenhaus
Aufnahme im Krankenhaus – Copyright: romankosolapov bigstockphoto

Welche Untersuchungen im Krankenhaus ohne Überweisung möglich?

Sind Untersuchungen im Krankenhaus ohne Überweisung vom Hausarzt oder Facharzt überhaupt möglich?

Untersuchung im Krankenhaus ohne Überweisung – Faktenblock:

  • Bei einem medizinischen Notfall ist eine Krankenhausbehandlung in einer Notaufnahme auch ohne Überweisung oder Einweisung von einem Haus- oder Facharzt möglich
  • Im deutschen Gesundheitswesen unterscheiden sich zwei Versorgungsformen für Patienten: Die ambulante Versorgung und die stationäre Krankenhausbehandlung
  • Für eine stationäre Krankenhausbehandlung ist, außer im Notfall, eine Einweisung durch einen niedergelassenen Arzt notwendig. Diese Einweisung schließt vorstationäre Untersuchungen und nachstationäre Behandlungen mit ein
  • In Außnahmefällen können Krankenhausärzte in die Behandlung von ambulant versorgten Patienten mit einbezogen werden
    Eine Alternative zu niedergelassenen Fachärzten bieten Fachambulanzen, die in viele Krankenhäuser integriert sind

Ambulante und stationäre Behandlung im Krankheitsfall

Die Versorgung von Patienten ist im deutschen Gesundheitswesen auf zwei Säulen gestützt:

1.Die ambulante ärztliche Versorgung findet ambulant in Hausarzt-, Facharztpraxen oder sogenannten medizinischen Versorgungszentren (kurz: MVZ) statt. Hier werden Patienten mit ihren Beschwerden von niedergelassenen Ärzten in eigener Praxis behandelt. Benötigt der Hausarzt zum Beispiel Unterstützung bei der Diagnosestellung oder Behandlung eines Patienten, stellt er eine Überweisung zu einem Facharzt aus. Dieser übernimmt oder ergänzt in diesem Fall die ambulante Behandlung. Meist erbittet der Hausarzt dann einen Bericht vom Facharzt, um umfassend über den Gesundheitszustand und die genaue Behandlung der Erkrankung informiert zu sein.

Fachärzte können von Patienten auch ohne eine hausärztliche Überweisung aufgesucht werden. Hierzu können Patienten selbstständig einen Termin in einer Facharztpraxis vereinbaren.

Hierbei ist zu beachten, dass einige Fachärzte eine Überweisung sehr begrüßen, da sie dann genauer wissen, was sie untersuchen sollen und welche Verdachtsdiagnose im Raum steht. Auch ist nicht jedes spezifische Symptom, wie zum Beispiel eine akute Magen-Darm-Grippe, ein Fall für den Facharzt.

2. Stationäre Krankenhausversorgung: Stellt der Haus- oder Facharzt fest, dass ein Betroffener schwer erkrankt ist, stellt er keine Überweisung sondern eine Einweisung in ein Krankenhaus aus.

Die Einweisung zur stationären Krankenhausbehandlung berechtigt die behandelnden Ärzte im Krankenhaus, alle notwendigen Untersuchungen, Eingriffe, medikamentöse Versorgung oder Operationen durchzuführen, die während des Krankenhausaufenthaltes notwendig werden.

Bei einer geplanten Operation sind im Vorfeld meist Untersuchungen notwendig, die ambulant durchgeführt werden wie Röntgen oder Laboruntersuchungen des Blutes. Diese Leistungen werden „vorstationäre Leistungen“ genannt und ebenfalls meist vom Krankenhaus selbst durchgeführt.

Auch nach einem Krankenhausaufenthalt können Untersuchungen im Krankenhaus notwendig werden, um den Behandlungserfolg sicherzustellen. Diese Untersuchungen heißen „nachstationäre Behandlungen“ und können auch amublant erfolgen. Sowohl vorstationäre Leistungen als auch nachstationäre Behandlungen gehören zur stationären Versorgung.

Als Abrechnungsgrundlage dient hier ebenfalls die vom Haus- oder Facharzt ausgestellte Krankenhauseinweisung.

Eine zusätzliche Überweisung ist in diesem Fall nicht notwendig und darf auch nicht vom Krankenhaus angefordert werden.

Krankenhäusern ist es, außer im medizinischen Notfall, nicht gestattet, Kassenpatienten ohne entsprechende Einweisung durch einen niedergelassenen Arzt zu behandeln.

Hintergrund ist, dass die Krankenkassen sicherstellen wollen, dass Versicherte so lange und spezifisch wie möglich ambulant versorgt werden. Betroffene eines Berufsunfalls (Abrechnung über die Berufsgenossenschaft) sowie privat Krankenversicherte mit freier Arztwahl sind von dieser Regelung nicht betroffen.

Außnahmen: Untersuchungen im Krankenhaus

Keine Regel ohne Außnahme: Manche Behandlungsfälle oder Krankheitsbilder machen es notwendig, dass Krankenhausärzte in die Behandlung von Patienten mit einbezogen werden, deren Behandlung ambulant erfolgt. Bestimmte Eingriffe oder Untersuchungen finden dann im Krankenhaus statt. Eine Überweisung oder gar Einweisung ist dann nicht immer notwendig.

Hierzu zählen unter anderem:

  • Aufsuchen der Notfallambulanzen zum Beispiel am Wochenende (auch ohne Überweisung)
  • notwendige Untersuchungen, die nicht oder nur teilweise ambulant angeboten werden
    ambulante Operationen
  • pädiatrische Behandlungen (Kinderpsychiatrie)
  • Behandlungen im Rahmen eines Disease-Management-Programm (Kurz: DMP) für chronisch Kranke
  • Betroffene, die im Rahmen eines integrierten Versorgungskonzeptes behandelt werden (Beispiel: Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (kurz: SAPV)

Fachambulanzen von Krankenhäusern

Viele Krankenhäuser haben sogenannte Fachambulanzen. Diese beziehen sich auf ein Spezialgebiet, welches das Krankenhaus abdeckt, zum Beispiel eine internistische oder orthopädische Fachambulanz.

Die Krankenhausärzte bieten hier eine Sprechstunde an, die Patienten besuchen können. Hier kann abgeklärt werden, ob eine weitere Krankenhausbehandlung mit stationärem Aufenthalt notwendig ist.

Ob dieser Besuch sinnvoll ist, kann am besten der Hausarzt beurteilen, der sich mit der regionalen Versorgungsstruktur am besten auskennt.

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Untersuchungen im Krankenhaus ohne Überweisung – Fazit

Untersuchungen im Krankenhaus auch ohne Überweisungen durchführen zu lassen ist in Außnahmefällen und natürlich in medizinischen Notfällen möglich. Betroffene sollten sich jedoch überlegen, ob ein Besuch in der Notaufnahme wirklich notwendig ist.

Immerhin klagen viele Notaufnahmen über Patienten, deren Symptome keinen Notfall darstellen. Ist ein Termin beim Facharzt nicht zeitnah möglich, können Fachambulanzen in Krankenhäusern eine Alternative darstellen.

Hilfreich bei der zeitnahen Versorgung mit einem Facharzttermin ist auch die Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung. Hier soll eine rasche Terminvergabe in der Region gewährleistet sein.

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