Thorakoskopie » Ablauf, Dauer und Durchführung

Was ist eine Thorakoskopie?

Ein Eingriff an Lunge, Herz, Pleura oder Mediastinum muss nicht immer direkt in einer großen, komplizierten und blutigen Operation durchgeführt werden.

Für kleinere Tumore, Resektionen oder Probebiopsien hat sich die Thorakoskopie mittlerweile fest etabliert. Es handelt sich um einen minimal-invasiven Eingriff.

Durch in den Pleuraspalt eingeführte Trokare und Videokameras kann sich der Arzt einen guten Überblick über die Verhältnisse im Brustraum schaffen.

Thorakoskopie
Thorakoskopie Ablauf und Anwendung Copyright: Chudakov_2 bigstockphoto

Thorakoskopie  – Das Wichtigste im Überblick:

  • Vor eine Thorakoskopie gehören körperliche Untersuchung und Schnittbildgebungen wie ein CT
  • Es können Eingriffe an Lunge, Thoraxwand, Pleura oder Mediastinum durchgeführt werden
  • Neben Diagnostik sind auch Biopsieentnahme oder kleine Operationen möglich
  • Der Eingriff wird unter Sedierung mit lokaler Betäubung oder unter Vollnarkose durchgeführt
  • Durch die Thorakotomie wird ein Pneumothorax erzeugt, der anschließend das Einlegen einer Thoraxdrainage erfordert

 

Vorbereitungen zur Thorakoskopie

Eine Thorakoskopie ist im Ablauf nicht der erste Untersuchungsschritt, der bei Verdacht auf eine Erkrankung der Lunge oder des Mediastinums durchgeführt wird. Zuerst wird durch Anamnese und körperliche Untersuchung geschaut, ob sich Hinweise auf eine bestimmte Erkrankung, zum Beispiel einen Tumor, ergeben. Wenn man malignomverdächtige Lymphknoten tasten kann, können diese biopsiert oder entnommen werden, um eine Histologie des Tumors zu gewinnen.

Eine Operation des Primärtumors ist bei Lymphknotenbefall ohnehin meist nicht indiziert und kann einem den Eingriff der Thorakoskopie ersparen. Anschließend werden Röntgenbilder und eine CT-Untersuchung des Thorax angefertigt, um die genaue Lage und die Zugangsmöglichkeiten eines auffälligen Herds feststellen zu können. Je nach Lage des Befunds wird eine Biopsie im Rahmen einer Bronchoskopie, CT-gesteuert oder mittels Thorakoskopie durchgeführt.

Im Brustkorb liegen viele wichtige Organe und Strukturen, die man sich im Rahmen einer Thorakoskopie anschauen kann. Recht mittig liegt das Herz, der Motor für den Blutkreislauf des Menschen. Die umgebende Schutzhülle des Herzens und die abgehenden großen Gefäße sind vom Mediastinum umgeben.

Das Mediastinum ist ein bindegewebiger Raum, der auch Luft- und Speiseröhre und die Thymus-Drüse sowie wichtige Nerven und Lymphknoten enthält. Das Mediastinum trennt auch die beiden Lungen voneinander. Die Lungen selbst sind in mehrere Lappen unterteilt, links in zwei und rechts in drei Lappen. Diese sind jeweils von zwei dünnen Häuten umgeben, Lungenfell und Rippenfell, die durch einen flüssigkeitsgefüllten Spalt voneinander getrennt sind.

Die eine Haut befindet sich direkt um die Lunge herum, die andere kleidet den Brustkorb von innen aus. Durch die kleine Menge an Flüssigkeit können diese beiden Blätter aus Bindegewebe aneinander gleiten und die Bewegung der Lunge ermöglichen. Man nennt den dazwischen liegenden Spalt Pleuraspalt.

Thorakoskopie Ablauf der Untersuchung

Bei einer Thorakoskopie wird ein Zugang ins Innere der Brusthöhle geschaffen. Es gibt zwei verschiedene Arten der Thorakoskopie, die sich im Ablauf und in der Art der Narkose und der Art der möglichen Eingriffe unterscheiden.

Man spricht von einer „internistischen“ oder einer „chirurgischen“ Thorakoskopie.

Bei der „internistischen“ Thorakoskopie bekommt man intravenös Medikamente zum Schlafen verabreicht. Zusätzlich werden Schmerzmittel und eine lokale Betäubung eingesetzt. Diese Form ist eher für rein diagnostische Zwecke geeignet. Die chirurgische Thorakoskopie findet unter Vollnarkose statt. Sie ermöglicht deutlich invasivere Eingriffe. Damit können zum Beispiel:

  •  Biopsien aus der Thoraxwand entnommen werden
  •  Biopsien aus den äußeren Abschnitten der Lunge entnommen werden
  •  Zysten oder Emphysemblasen (Bullae) abgetragen werden
  •  kleine Verletzungen an der Lunge verschlossen werden
  •  kleine Rundherde oder kleine Tumore im Mediastinum entfernt werden
  •  eine Pleurodese durchgeführt werden, bei der die Lungenoberfläche mit dem Rippenfell verbunden wird, um rezidivierende Pleuraergüsse oder einen wiederholten Pneumothorax zu verhindern

Thorakoskopie Ablauf von Anfang an

Am Beginn der Thorakoskopie steht die Narkose. Je nach Eingriff wird eine Sedierung oder eine Vollnarkose durchgeführt. Wenn der Patient schläft und ausreichend mit Schmerzmitteln versorgt ist, macht der Arzt einen kleinen Schnitt mit dem Skalpell.

Dieser verläuft von der Haut bis nach unten zwischen den Rippen hindurch zur Pleura. So verschafft man sich einen Zugang zur Brusthöhle. Anschließend wird Luft in die Thoraxhöhle eingebracht. So wird ein künstlicher Pneumothorax erzeugt, die Lunge löst sich also vom Rippenfell ab und fällt in sich zusammen.

So wird die Sicht freigegeben auf die Pleura, die Oberfläche der Lunge und das Mediastinum. Dann schiebt der Arzt über einen Trokar eine Kamera und weitere Instrumente in die Brusthöhle. Die Bilder der Kamera werden meistens auf einen größeren Bildschirm übertragen, sodass der Arzt und sein Assistent sie gut sehen können.

Anschließend wird der eigentliche Eingriff durchgeführt. Durch die Trokare können kleine Scheren, Zangen oder Elektrokauter eingeführt werden, mit denen man Proben entnehmen, Verletzungen versorgen oder Gewebe abtragen kann.
Am Ende der Untersuchung muss der künstlich erzeugte Pneumothorax wieder behoben werden, indem man eine Thoraxdrainage anlegt. So wird die Luft mittels Unterdruck wieder aus dem Pleuraspalt gesaugt.

Mögliche Komplikationen der Thorakoskopie

Wie jeder invasive Eingriff birgt auch die Thorakoskopie Risiken. Es können Verletzungen an Pleura oder Lunge verursacht werden, ebenso an Nerven oder Blutgefäßen. Trotz sauberer und vorsichtiger Arbeit können gelegentlich Blutungen oder Infektionen auftreten.

Der Eingriff selbst sowie die Narkose führen manchmal zu Atemstörungen oder einer Kreislaufdysregulation. Zusätzlich kann der Patient auf alle verwendeten Materialien mit einer Allergie oder Unverträglichkeit reagieren.

Bei Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz, schweren Herzrhythmusstörungen oder schweren Lungenerkrankungen kann keine Thorakoskopie durchgeführt werden, weil diese durch den Pneumothorax kardial oder respiratorisch dekompensieren können. Auch Patienten mit Störungen der Blutgerinnung bekommen in der Regel keine minimal-invasiven Eingriffe, weil im Fall einer Blutung diese deutlich schwerer zu beheben ist als bei einem offenen Verfahren.

Thorakoskopie Dauer und Krankenhausaufenthalt

Die Thorakoskopie wird in einer Dauer zwischen 30 und 60 Minuten durchgeführt. Zusätzlich zur Thorakoskopie ist die Dauer der OP-Vorbereitung und Narkoseeinleitung hinzuzurechnen.

Nach dem Eingriff wird man in einen Aufwachraum gebracht, indem man zunächst für eine gewisse Zeit engmaschiger überwacht wird, bevor es wieder auf Station geht. Die im Rahmen des Eingriffs gelegte Thoraxdrainage bleibt in der Regel für ein bis zwei Tage und wird dann gezogen. Wenn die Drainagen entfernt sind, die Lunge wieder gut entfaltet und der Patient sich wohl fühlt, kann das Krankenhaus verlassen werden. Die Thorakoskopie hat somit eine Dauer von wenigen Tagen Krankenhausaufenthalt.

Quellen:
Jörg Rüdiger Siewert, Hubert J. Stein: „Chirurgie“, 9. Auflage 2012, Springer Verlag

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne ( Sie dürfen als erster diesen Artikel bewerten.