Welche Leberwerte sind gefährlich? Erhöhte Werte der Leber

Alle Leberwerte im Überblick

Zu den wichtigen Blutwerten gehören die Leberwerte. Sie geben Auskunft über die Funktionsfähigkeit des wichtigen Synthese- und Entgiftungsorganes. Sind die Leberwerte verändert, deutet das auf eine Erkrankung der Leber hin.

In vielen Fällen gilt das als Warnsignal, denn die Leber hat zwar ein hohes Regenerationsvermögen, aber eine chronische und dauerhafte Schädigung, wie sie durch gefährliche Leberwerte signalisiert wird, ist unter Umständen lebensbedrohend.

Dunkler Schwarzer Fleck an der Leber - Ursachen
Ultraschall Dunkler Schwarzer Fleck an der Leber – Copyright: cucurudza bigstockphoto

Wieso sind gefährliche Leberwerte so aussagekräftig?

Die Leber ist ein wichtigstes Organ für Synthese und Abbau zahlreicher Substanzen. Über den Darm aufgenommene Stoffe gelangen über das Pfortadersystem in die Leber und werden dort weiterverarbeitet, abgebaut oder gespeichert.

Sie ist eine Schaltstelle des Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsels. Giftige Stoffwechselendprodukte bringt sie in ausscheidbare Form, sodass sie sich über Stuhl oder Urin ausleiten lassen.

Ist die Leber durch Infektionen, Vergiftungen, Krebs oder Stauungen beeinträchtigt, tauchen vermehrt Substanzen im Blut auf, die dort in wesentlich geringerer Konzentration vorliegen sollten.

Andere Stoffe erscheinen im Blut, weil geschädigte Leberzellen (Hepatozyten) zugrunde gehen und ihren Zellinhalt freisetzen. Solche für die Funktionstüchtigkeit der Leber typischen Substanzen im Blut bezeichnet man als Leberwerte.

Gefährliche Leberwerte – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Blutwerte der Leber kommen zustande, weil die Leber viele Substanzen produziert, weiterverarbeitet und/oder speichert.
  2. Die damit assoziierten Blutwerte deuten unter Umständen auf Erkrankungen hin, sodass man sie als gefährliche Leberwerte einstufen kann.
  3. Solche abweichenden Blutwerte ergeben sich durch Schädigung der Leberzellen, Störungen der Speicherfunktion, gestörte Syntheseleistung und/oder Gallenstau.
  4. Man darf niemals einen isolierten Blutwert alleine beurteilen, sondern muss ihn stets in der Zusammenschau mit den anderen relevanten Laborwerten sehen.
  5. Gefährliche Leberwerte müssen durch passende weitere diagnostische Untersuchungen abgeklärt werden.

Gefährliche Leberwerte: Schädigungen der Leberzellen

Werden Leberzellen so weit geschädigt, dass sie zugrunde gehen, platzen sie auf und ihr Inhalt erscheint im Blut. Dazu zählen insbesondere einige Enzyme, die die Hepatozyten bilden und die normalerweise im Blut nichts zu suchen haben. Hohe Blutwerte zeigen, dass mit dem Organ etwas nicht stimmt.

Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT, Aspartat-Aminotransferase ASAT, AST). Die GOT ist ein wichtiges Enzym der Energiegewinnung aus Kohlenhydraten und kommt in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, vor.

Der Blutwert ist bei Leberzirrhose, Hepatitis und Gallenstau erhöht. Erhöhungen treten auch bei Zellschädigung anderer Organe auf. Gefährliche Leberwerte von GOT findet man daher auch bei Herzinfarkt, Schlaganfällen, Lungenembolien und traumatischen Muskelverletzungen.

Referenzbereich GOT: Frauen ≤ 15 U/l, Männer ≤ 17 U/l

Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT, Alanin-Aminotransferase ALT, ALAT). GPT findet sich im Zytoplasma von Leberzellen. Sehr hohe GPT-Werte treten bei akuter Hepatitis und infolge schwerer Pilzvergiftungen auf, mittlere Erhöhungen sind die Folge von chronischer Hepatitis oder Entzündungen der Gallenwege.

Leicht erhöhte Werte findet man bei leichter Hepatitis, Fettleberund Leberzirrhose oder Leberkrebs. Auch nach Herzinfarkt steigt der Blutwert an.

Referenzbereich GPT: Frauen ≤ 19 U/l, Männer ≤ 23 U/l

Gamma-Glutamyltranspeptidase (Gamma-GT, GGT). Die GGT ist Bestandteil der Zellmembran von Leberzellen und reagiert sehr sensibel auf Schädigung der Zellen. Ist nur die GGT erhöht, ohne dass die anderen Leberwerte auffällig sind, spricht das für Alkoholismus.

Erhöhungen des GGT-Werts zusammen mit anderen Leberwerten treten bei Gallenstau, Leberkrebs und Lebermetastasen anderer Tumoren auf. Auch nach Schlaganfall ist der Blutwert erhöht.

Referenzbereich GGT: Frauen ≤ 39 U/l, Männer ≤ 66 U/l

Alkalische Phosphatase (AP). Die alkalische Phosphatase ist ein verbreitetes Enzym, das in vielen Organen vorkommt. Eine genauere Unterscheidung nimmt man im Labor normalerweise nicht vor, sondern man bestimmt den Gesamtwert.

Das Enzym katalysiert die Abspaltung von Phosphatresten aus Kohlenhydraten, Proteinen und Nukleinsäuren unter leicht alkalischen pH-Bedingungen. Gefährliche Leberwerte der Leber-AP treten im Blut in Erscheinung, wenn eine Hepatitis, Leberzirrhose oder Gallenstau vorliegen.

Referenzbereich AP: 60 – 180 U/l

Gefährliche Leberwerte: Gallenstau

Kann die Gallenflüssigkeit in der Leber nicht abfließen, spricht man von einem Gallenstau. Dieser führt zu einer Beeinträchtigung der Leberzellen, sodass er vor allem die sehr emfindlich reagierende Gamma-Glutamyltransferase GGT und die Alkalische Phosphatase AP der Leber erhöht.

Dies wurde bereits bei der Leberzellschädigung erläutert. Labordiagnostisch kommt das Bilirubin hinzu.

Bilirubin. Bilirubin ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin. An Albumin gebunden wird es im Blut transportiert (indirektes Bilirubin) und in der Leber an Glucuronsäure gekoppelt, die es wasserlöslich macht (direktes Bilirubin). So kann es über den Darm und über die Nieren ausgeschieden werden.

Der größte Teil davon landet in der Gallenflüssigkeit. Erscheint Bilirubin in großen Mengen im Blut, ist das oftmals auf einen Gallenstau durch Gallensteine zurückzuführen und verursacht eine Gelbsucht (Ikterus). Speziell hier spricht man von einer Gelbsucht nach der Leber, einem posthepatischen Ikterus.

Ein erhöhter Bilirubin-Blutwert tritt auch bei einem prähepatischen Ikterus (vor der Leber) auf, etwa infolge großer Blutergüsse oder Lungeninfarkt, oder einem intraheptischen Ikterus (in der Leber), wenn die Leberzellen kein Bilirubin aufnehmen oder an Glucuronsäure koppeln können (Leberversagen, Hepatitis, Gilbert-Meulengracht-Syndrom).

Referenzbereich Bilirubin (gesamt im Serum): ≤ 1,0 mg/dl (≤ 17,1 µmol/l)

Gefährliche Leberwerte: Störungen der Speicherung in der Leber

Viele Substanzen werden in der Leber gespeichert. Abweichende Blutwerte können darauf hindeuten, dass dieser Speicher beeinträchtigt ist.

Kupfer. Kupfer wird in der Leber in Form von Coeruloplasmin gespeichert. Erhöhte Serumwerte treten daher unter anderem bei Leberschäden etwa infolge einer Leberzirrhose auf. Niedrige Blutwerte findet man bei der erblichen Kupferspeicherkrankheit Morbus Wilson.

Referenzbereich Kupfer: Frauen 11,6 – 19,2 µmol/l, Männer 12,4 – 20,6 µmol/l

Eisen und Ferritin. Das vor allem für die Synthese des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin wichtige Eisen wird in Leber, Milz und Knochenmark in Form von Ferritin gespeichert.

Leberzirrhose, Leberkrebs und Hepatitis erhöhten die Eisenwerte, ebenso wie die erbliche Hämochromatose oder Thalassämien. Zu niedrige Werte deuten auf eine Eisen-Minderversorgung hin.

Referenzbereich Eisen im Serum: Frauen 23 – 165 µg/dl (4,0 – 29,5 µmol/l), Männer 35 – 168 µg/dl (6,3 – 30,1 µmol/l)

Referenzbereich Transferrin: Frauen 13 – 651 µg/l, Männer 4 – 665 µg/l

Gefährliche Leberwerte: Störungen der Syntheseleistung

Mit die wichtigsten Substanzen, die die Leber herstellt, sind die Gerinnungsfaktoren, Harnstoff und das Bluteiweiß Albumin. Schädigungen der Leber verändern deren Blutwerte.

Gefährliche Leberwerte: Gerinnungsfaktoren

Als Gerinnungsfaktoren bezeichnet man die Bestandteile einer komplizierten Kaskade, die zur Blutgerinnung führt und so Wunden verschließt (sekundäre Hämostase).

Funktionell bilden sie eine Untergruppe der Leberwerte, denn die daran beteiligten Eiweiße werden in der Leber synthetisiert. Als Blutwerte spielen dabei Fibrinogen und Antithrombin-III als Eiweiße eine wichtige Rolle, hinzu kommen Blutwerte, die die Geschwindigkeit der Blutgerinnungskaskade widerspiegeln.

Das erleichter die Sache ungemein – letztendlich interessiert vor allem, wie schnell die Blutgerinnung abläuft, und jeden einzelnen ihrer zahlreichen Faktoren zu bestimmen wäre viel zu aufwendig.

Bei einer schlechteren Blutgerinnung verschließen sich Wunden weniger schnell. Eine erhöhte Blutungsneigung kann innere Blutungen verursachen. Andererseits ist eine gesteigerte Blutgerinnung gefährlich, weil sich verstärkt Blutgerinnsel (Thromben und Emboli) bilden, die zu Thrombosen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen.

Daher gelten als gefährliche Leberwerte Blutwerte, die wesentlich über oder wesentlich unter dem Referenzbereich liegen.

Fibrinogen im Plasma. Fibrinogen aus der Leber ist einer der letzten Faktoren, die bei der Blutgerinnung zum Einstz kommen. Calcium und Thrombin wandeln es in Fibrinfäden um, die die Blutplättchen verkleben und so das Gefäß verschließen. Hohe Blutwerte gelten als Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall und Lungenembolie.

Referenzbereich Fibrinogen i.P.: 200 – 450 mg/dl (5,88 – 11,76 µmol/l)

Antithrombin-III (AT-3, AT-III). AT-III ist der Faktor, den das von der „Bauchspritze“ bekannte Heparin in seiner Wirkung tausendfach vestärkt. Es hemmt die Blutgerinnung.

Der Blutwert verwendet als Referenz den gemittelten Wert der Normalbevölkerung als 100 %. Als gefährlicher Leberwert ist es Indikator für Leberschäden durch Leberzirrhose oder Hepatitis und steigt bei Gallenstau (Cholestase).

Referenzbereich AT-3: 80 – 120 % (0,14 – 0,39 g/l)

Quick-Wert (Thromboplastinzeit, TPZ). Der Qick-Wert gibt die Gerinnungszeit von Blutplasma in Prozent des Durchschnittswertes der gesunden Normalbevölkerung an. Er ist Basisparameter für die Diagnostik von Blutgerinnungsstörungen. Bei Leberfunktionsstörungen durch Pilzgifte oder infolge Leberzirrhose ist der Quick-Wert erniedrigt.

Referenzbereich Quick-Wert: 70 – 120 %

Plasmathrombinzeit (PTZ). Die PTZ gibt die Zeit bis zur Gerinnung von Blutplasma nach Zugabe von Calcium und Thrombin an und dient vor allem der Diagnose eines Fibrinogenmangels. Eine geringe PTZ ist klinisch nicht relevant, hohe Werte treten bei Leberzirrhose auf.

Referenzbereich PTZ: 20 – 38 Sekunden

Gefährliche Leberwerte: Harnstoff

Harnstoff ist ein Abbauprodukt des Eiweißstoffwechsels, für dessen Synthese vor allem die Leber zuständig ist.

Über das Blut gelangt er in die Niere, wo er ausgeschieden wird. Zu niedrige Harnstoffwerte im Blut sind daher ein Indiz für Leberschäden oder akuten Eiweißmangel, zu hohe meist die Folge von chronischem oder akutem Nierenversagen.

Referenzbereich Harnstoff im Serum: 10 – 50 mg/dl (1,64 – 8,18 mmol/l)

Gefährliche Leberwerte: Albumin

Albumin ist das vorherrschende Eiweiß im Blutplasma und dient vor allem der Bindung und dem Transport wasserunlöslicher Substanzen. Erniedrigte Blutwerte treten bei Leberzirrhose und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) auf.

Referenzbereich Albumin: 56 – 68 % (3,8 – 6,0 g/dl)

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. Klaus Dörner: Taschenlehrbuch Klinische Chemie und Hämatologie. 8. Auflage. Stuttgart 2013: Georg Thieme-Verlag. ISBN-10: 3131297182.
  2. Nicolas Alexander Graf,‎ Robert Gürkov: BASICS Klinische Chemie: Laborwerte in der klinischen Praxis. 3. Auflage. München 2013: Elsevier/Urban & Fischer-Verlag. ISBN-10: 3437422588.