Schmerzen in der Brust beim Atmen

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Schmerzen beim Atmen – Notfall oder halb so wild?

Schmerzen beim Einatmen oder Schmerzen beim Ausatmen wirken auf jeden Menschen zunächst alarmierend. Das Atmen ist jeden Tag eine solche Selbstverständlichkeit, dass wir ihm erst richtige Aufmerksamkeit schenken, wenn etwas nicht stimmt. Hast Du Schmerzen in der Brust beim Atmen? Das kann auf einen harmlosen Infekt oder einen verklemmten Nerv hindeuten, ebenso aber auf schwerere Verletzungen und Notfälle.

Schmerzen beim Einatmen oder Ausatmen sind ein Symptom

Sie können stechend, drückend und vieles mehr sein: Schmerzen sind immer ein Signal des Körpers, das etwas nicht in der gesunden Balance ist. Auch wenn sie unangenehm sind, sind Schmerzen daher ein wichtiges Körpersignal und sollen Deine Aufmerksamkeit auf die betreffende Region richten.

„Falsch und gefährlich wäre es, die Beschwerden sofort mit Schmerzmitteln zu unterdrücken“

Schmerzen beim Atmen - Das Wichtigste:

  •  Schmerzen beim Einatmen und Ausatmen sind keine Krankheit, sondern ein Symptom
  •  wichtig für die Diagnose ist die Berücksichtigung von Begleitsymptomen
  •  häufig sind die Ursachen harmlos: etwa Atemwegsinfekte, verklemmte Nerven
  •  möglich sind aber auch weitreichende Ursachen wie Herzprobleme
  •  nur der Gang zum Arzt bringt Dir im Zweifelsfall Klarheit

Schmerzen in der Brust beim Atmen
Atmungsschmerzen bis zum Herz, Copyright: Nerthuz, Bigstockphoto

Schmerzen beim Ausatmen oder Einatmen gehen mit der Muskelbewegung zusammen. Der Brustkorb dehnt sich beim Einströmen der Luft in die Lunge aus und zieht sich beim Entlassen der Luft wieder zusammen. Häufig sind die Schmerzen beim Einatmen stärker, da die Atemmuskulatur sich anspannen muss.

Auch eine starke Muskelkontraktion, wie sie beim Niesen und Husten oder auch Lachen notwendig ist, verstärkt die Beschwerden. Hingegen werden die Schmerzen beim Ausatmen meist schwächer oder verschwinden ganz, da die Muskeln nun entspannen.

Schmerzen in der Brust beim Atmen können auf sehr unterschiedliche Ursachen zurückgehen, weshalb es wichtig ist, die Begleitumstände und weitere Symptomen zu berücksichtigen. Beobachte daher genau, zu welcher Tageszeit oder bei welchen Betätigungen die Schmerzen in der Brust beim Atmen auftreten und vereinbare einen Arzttermin, wenn die Beschwerden stärker werden oder längere Zeit anhalten.

„Sehr starke Schmerzen können auch den Besuch der Notaufnahme notwendig machen“

 

Welche Begleitsymptome deuten auf eine Infektion hin?

Welche Begleitsymptome deuten auf eine Infektion hin?

Hast Du Schmerzen in der Brust und das Atmen wird anstrengend, liegt in den häufigsten Fällen eine virale oder bakterielle Infektion der Atemwege vor. Dabei muss unterschieden werden in vergleichsweise harmlose Erkältungen und schwerere Infekte.

A)Ein reiner Infekt der oberen Atemwege wird im Volksmund als Erkältung bezeichnet und sucht fast jeden von uns ein- oder mehrmals im Jahr heim. Die klassischen Symptome sind:

– eine laufende und/oder verstopfte Nase
– Husten
– Halsschmerzen
– leichte Kopf- und Gliederschmerzen
– Konzentrationsschwierigkeiten und schwächelnde Kondition

Eine harmlose Erkältung kann Schmerzen in der Brust beim Atmen provozieren, wenn Du bereits seit einigen Tagen verstärkt Husten musst. In diesem Fall leidest Du schlicht an einem Muskelkater aufgrund der ungewohnten Anstrengung der Atemmuskulatur.

B)Gelingt es dem Immunsystem nicht, die Erreger in Schach zu halten, können sie aus dem oberen Nasen- und Rachenraum abwärts wandern und sich im Lungengewebe einnisten. Das führt zu lokalen Entzündungen in den Bronchien und kann Schmerzen beim Einatmen aber auch Schmerzen beim Ausatmen mit sich bringen.

„Es handelt sich in diesem Fall nicht mehr um eine kleine Erkältung, mit der Du auch arbeiten kannst. Vielmehr ist Bettruhe angesagt!“

Folgende Begleitsymptome deuten darauf hin, dass Dein Infekt keine leichte Erkältung mehr ist, sondern erst genommen werden muss:

  1.  Du bekommst Fieber
  2.  Aufrichten, Stehen und/oder Laufen führen zu Schwindel
  3.  Du leidest an Übelkeit und/oder Erbrechen

 

Die Rippen oder das Herz als Verursacher der Atembeschwerden

Schmerzen beim Einatmen oder Ausatmen müssen nicht immer auf eine Infektion der Atemwege oder infektionsbedingten Muskelkater zurückgehen. Möglich sind auch Verletzungen an den Rippen. Dazu zählen:

  •  ausgerenkte Rippen
  •  Rippenprellungen
  •  Rippenfrakturen
  •  Pleuritis (entzündetes Rippenfell)
  •  Infektion der Rippenknorpel

Ferner können die Schmerzen beim Atmen nur indirekt etwas mit der Atmung an sich zu tun haben. Durch die Muskelbewegungen des Einatmens wird beim Ausdehnen der Lunge der Raum für das Herz kurzzeitig enger. Das spielt für einen gesunden Menschen keine Rolle und ist nicht spürbar. Liegen jedoch Herzkrankheiten vor, kann es zu Schmerzen beim Einatmen kommen. Möglich ist beispielsweise eine Perikarditis, eine Herzbeutelentzündung.

Neuropathie oder psychische Probleme als mögliche Ursachen

Liegt weder eine Infektion der Atemwege noch Probleme der Rippen oder des Herzens vor, kann auch eine Neuropathie als Ursache infrage kommen. In diesem Fall sind Nerven zwischen den Rippen eingeklemmt, was bei der Atembewegung zu mittleren bis starken Schmerzen führen kann.

Schmerzen beim Einatmen oder das Gefühl, zu wenig Sauerstoff zu bekommen, können auch rein psychische Ursachen haben. Bei einer Panikattacke nehmen Betroffene das Atmen als schmerzhaft oder fast unmöglich wahr, obwohl rein körperlich keine Störungen vorliegen.

Weitere, jedoch seltene Ursachen

Die Schmerzen in der Brust beim Atmen können auch auf einen lebensbedrohlichen Notfall hindeuten.

  1.  Pneumothorax (das Kollabieren eines Lungenflügels)
  2.  Lungenembolie (Verschluss eines Blutgefäßes der Lunge)
  3.  pulmonale Hypertension (Bluthochdruck in der Lungenregion)
  4.  Pleuraerguss (aufgestaute Gewebeflüssigkeit)

Diese Fälle sind jedoch sehr selten! Meist treten bei Betroffenen derart starke Beschwerden auf, das sofort der Notarzt gerufen wird. Komplikationen wie Atemnot, Hyperventilation und Bewusstseinsstörungen alarmieren auch das unmittelbare Umfeld, einen Arzt zu holen.

Schmerzen in der Brust beim Atmen: Der Gang zum Arzt

Hast Du Schmerzen beim Einatmen oder auch Schmerzen beim Ausatmen, solltest Du bei leichten bis mittleren Beschwerden einen Arzttermin vereinbaren, wenn es Dir nach wenigen Tagen nicht besser geht. Hast Du gleichzeitig eine Erkältung oder Grippe, kannst Du davon ausgehen, dass die Schmerzen in der Brust beim Atmen mit dem Infekt zusammen verschwinden werden.

Hast Du Dich beim Sport eventuell an den Rippen verletzt oder plötzliche Schmerzen nach einer falschen Bewegung, sollte der Arztbesuch ebenfalls maximal wenige Tage auf sich warten lassen.

„Es gilt, je stärker die Schmerzen beim Atmen in der Brust, desto früher solltest Du zum Arzt gehen.“

Kannst Du die Beschwerden keiner Ursache zuordnen, ist eine Vorstellung beim Mediziner aus Sicherheitsgründen ebenfalls sinnvoll. Und zögere nicht, bei starken Schmerzen den Notarzt zu rufen.

Welche Untersuchungen nimmt der Arzt bei Schmerzen in der Brust beim Atmen vor?

Da Schmerzen in der Brust beim Atmen auf viele Ursachen hindeuten können, wird der Mediziner verschiedene Methoden der Diagnostik nutzen, um Dir eine zuverlässige Diagnose zu stellen.

1. An erster Stelle steht immer die Anamnese
–> Der Mediziner wird Dich nach Deiner Krankheitsgeschichte befragen, um weitere Anhaltspunkte zu bekommen. Auch Informationen zur Familiengeschichte, zu neuen Haustieren etc. sind in diesem Zusammenhang wichtig.

2. Es folgt eine körperliche Untersuchung
–> Um den Zustand Deiner Lunge zu erkennen, wirst Du mit einem Stethoskop abgehört. Bei dieser sogenannten Auskultation kann der Arzt ungewöhnliche Atemgeräusche identifizieren, die beispielsweise auf Flüssigkeiten in der Lunge hindeuten. Mittels Perkussion, einem sanften Abklopfen, wird außerdem die Position und Unversehrtheit der Rippen überprüft.

3. Zur Sicherheit wird ein Lungenfunktionstest durchgeführt
–> Bei diesem Test musst Du in verschiedenen Geschwindigkeiten und Stärken sowohl Ein- als auch Ausatmen. Der Mediziner überprüft das Volumen der Lunge und kann Hinweise auf Asthma oder COPD finden.

4. Bei Infektionsverdacht erfolgt ein Abstrich
–> Steht die Möglichkeit einer Infektion mit Viren oder Bakterien im Raum, wird ein Abstrich genommen. Hast Du Auswurf, kann auch eine solche, frische Probe benutzt werden.

5. Zur weiteren Klärung folgt ein Blick in die Tiefe
–> Bleiben die Schmerzen in der Brust beim Atmen ungeklärt, kann ein bildgebendes Verfahren genutzt werden. Je nach Arzt und Verdacht kommen dafür verschiedene Methoden infrage:

  •  Röntgen
  •  Computertomographie
  •  Ultraschall
  •  Magnetresonanztomographie

Mit der Diagnose wird der Arzt Dir eine passende Therapie verschreiben. Medikamente zur Schmerzbekämpfung kommen dabei nur vorübergehen zum Einsatz, da es immer das Ziel ist, die Grunderkrankung und nicht das Symptom zu behandeln.

 

 

Seit 2010 schreibt der erfahrene Medizinredakteur Artikel und Nachrichten über verschiedene Gesundheitsthemen auf vitaloo.de. Er ist freier Publizist und Herausgeber des Magazins.