Bluthochdruck und Wutausbrüche, wenn Wut Druck macht

In schnelllebigen und stressigen Zeiten neigen Menschen dazu, immer schneller gereizt zu sein.  Die vielen Anforderungen, die unterschiedliche Rollen an einen Menschen stellen, setzen nicht wenige Menschen massiv unter Druck.

Diesen Druck kann man in vielen Fällen sogar messbar anzeigen: Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit geworden und die Medikamente, die den Blutdruck wieder senken sollen, gehören zu den am meisten verordneten Präparaten in Deutschen Arztpraxen.

diastolische Blutdruck
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Leiden Menschen unter Bluthochdruck, sind sie schnell gereizt. Doch welchen Zusammenhang gibt es zwischen Bluthochdruck und Wutausbrüchen? Macht Bluthochdruck aggressiv?

Bluthochdruck – Faktenblock

  1. Der Blutdruck beschreibt anhand von zwei Werten, mit welchem Druck unser Herz das Blut durch unseren Körper pumpt
  2. Dauerhafte Blutdruckwerte von „140 zu 90“ und höher zeigen eine behandlungsbedürftige arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) an
  3. bei einer sogenannten hypertensiven Krise schnellt der Blutdruck innerhalb kurzer Zeit dramatisch in die Höhe. Werte von „230 zu 130“ sind dann messbar. Hier sollte umgehend ein Notarzt verständigt werden (Telefon: 112)
  4. Wie jüngste Forschungsergebnisse bestätigen sorgen starke Emotionen wie Wut, Angst und Aggression zu einer Steigerung des Blutdrucks und können einen Herzinfarkt oder Schlaganfall begünstigen
  5. Entspannungstechniken können erlernt werden und bei regelmäßiger Anwendung nachweislich den Blutdruck senken

Was genau ist Bluthochdruck?

Bluthochdruck der Gefäße nennen Mediziner arterielle Hypertonie. Unter der Volkskrankheit leiden in Deutschland rund 20 bis 30 Millionen Menschen.

Das tückische am Bluthochdruck ist, dass Betroffene diese gefährliche Krankheit meist gar nicht merken. Schnelle Reizbarkeit, Aggressivität und Wutausbrüche können auch auf Stress in Job, Partnerschaft und Familie geschoben werden. Vielleicht ist man auch einfach ein Choleriker?

Unbehandelt und auf Dauer ist Bluthochdruck jedoch schädigend für Herz und Gefäße. Folgeerkrankungen wie Schlaganfälle und Herzinfarkt sind dann die Folge.

Bei einem Bluthochdruck sind die Werte des Blutdrucks dauerhaft zu hoch – auch in Ruhe und Schlaf. Blutdruck entsteht, da bei jedem Herzschlag das Herz Blut in die Gefäße pumpt. Bei diesem Vorgang sorgt der Herzschlag für einen gewissen Druck, der dann auf die Gefäßwände drückt. Hierbei werden zwei Blutdruckwerte unterschieden:

– Systolischer Blutdruck:

Systolischer Blutdruck beschreibt die Phase, in der sich der Herzmuskel zusammenzieht. Mediziner sprechen von Systole. Hierbei wird das Blut in die Hauptschlagader, die Aorta, gepumpt. Der dabei entstehende Druck wird über die Gefäßwände weitergegeben. Dies macht zum Beispiel den Puls auch in den Armen oder Beinen messbar.

– Diastolischer Blutdruck:

Diastolischer Blutdruck beschreibt die Phase, in der sich der Herzmuskel ausdehnt. Dies ist nötig, damit er sich erneut mit Blut füllen kann. Der Druck in den Gefäßen ist nun niedriger als beim systolischen Blutdruck.

Es ist völlig normal, dass der Blutdruck individuellen, saisonalen, und von Tageszeiten abhängigen Schwankungen unterliegt. So ist er meist im Schlaf und in der Ruhe deutlich niedriger als bei Stress oder beim Sport.

Diese Schwankungen sind wichtig, da sich der Körper der jeweiligen Situation anpasst. Beim Sport zum Beispiel benötigen die Muskeln sehr viel mehr Sauerstoff als im Schlaf. Dadurch wird das Blut schneller durch den Körper gepumpt, der Blutdruck steigt. Bei gesunden Menschen sinkt der Blutdruck nach körperlicher Anstrengung oder nach einem stressigen Arbeitstag wieder auf einen Normalwert.

Bluthochdruck ist erst dann behandlungsbedürftig, wenn er dauerhaft zu hoch ist: Also auch in Ruhe oder im Schlaf.

Ein optimaler Blutdruck ist im Ruhezustand mit Werten von unter „120 zu 80“ ausgestattet; das bedeutet, dass der systolische Blutdruck nicht höher als 120 und der diastolische Blutdruck nicht höher als 80 ist. Ab einem Wert von „140 zu 90“ sprechen Mediziner von einer arteriellen Hypertonie.

Welche Folgen kann Bluthochdruck haben

Ist der Blutdruck dauerhaft zu hoch und wird nicht behandelt, kann dies schwerwiegende Folgen für den Organismus haben.

Ein zu hoher Blutdruck schädigt das Herz und die umliegenden Gefäße sowie andere wichtige Organe unseres Körpers. Somit kann Bluthochdruck die Ursache für lebensbedrohliche Erkrankungen sein. Mögliche Folgen von Bluthochdruck sind unter anderem:

  •  Arteriosklerose (Gefäßverkalkung)
  •  Herzschwäche
  •  Herzrythmusstörungen
  •  Herzinfarkt
  •  Schlaganfall
  •  chronische Niereninsuffizienz bis hin zum Nierenversagen
  •  periphere arterielle Verschlusskrankheit (kurz: pAVK)
  •  Schädigungen der Netzhaut (hypertensive Retinopathie)
  •  Bildung von Aussackungen der Gefäßwand (Aneurysma)

Manchmal kann es auch zu einer sogenannten hypertensiven Krise kommen. Blutdruckwerte von „230 zu 130“ sind dann messbar. In diesem Zustand sollte umgehend ein Notarzt verständigt werden (Telefon 112), da solche Blutdruckwerte einen lebensbedrohlichen Zustand darstellen können und unbedingt behandelt werden müssen.

In den meisten Fällen leiden Betroffene dann bereits seit längerer Zeit an einem chronischen Bluthochdruck. Menschen mit gesunden Blutdruckwerten kommen seltener in eine solche hypertensive Krise.

Welche Symptome macht Bluthochdruck?

Das tückische am Bluthochdruck ist, dass Betroffene diesen nicht direkt merken. Eine Vielzahl von unspezifischen Symptomen, die einzeln oder gemeinsam auftreten und auch auf eine andere Krankheit hindeuten können, können Anzeichen für eine arterielle Hypertonie sein. Hierzu gehören körperliche Symptome wie:

  • Kopfschmerzen (vor allem morgens nach dem Aufstehen)
  • Schwindel
  • Ohrensausen
  • Müdigkeit
  • Nasenbluten
  • Kurzatmigkeit
  • Übelkeit
  • ein rotes Gesicht

Aber auch psychische Symptome können auf einen Bluthochdruck hinweisen, wie:

  1.  Aggressivität
  2.  schnelle Reizbarkeit
  3.  Nervosität
  4.  Schlafstörungen
  5.  Neigung zu Wutausbrüchen

Macht Bluthochdruck aggressiv?

Die Frage, ob Bluthochdruck einen Menschen aggressiver macht, ist so einfach zu beantworten wie die Frage nach dem Ei und dem Huhn, denn: Natürlich hat ein wütender Mensch einen höheren Blutdruck als ein ausgeglichener Mensch, der mit sich im Frieden ist.

Aber: Emotionale Stresszustände, ganz gleich welcher Ursache, sorgen dafür, dass Stresshormone in großen Mengen ausgeschüttet werden, der Blutdruck steigt.

Daherhaft gestresste Menschen können daher einen stressbedingten Bluthochdruck haben, der nicht weniger gefährlich ist. Wie jüngste Forschungsergebnisse zeigen, kommen Schlaganfälle und Herzinfarkte nach Wutausbrüchen deutlich häufiger vor, als bisher angenommen.

Um zu diesem Ergebnis zu gelangen fragten australische Kardiologen insgesamt 313 Patienten nach ihren Emotionen, die sie 48 Stunden vor dem lebensbedrohlichen Ereignis verspürt haben.

Das Ergebnis: Starke Emotionen wie Wut, Angst und Aggression schlagen auf den Blutdruck und in Folge dessen auch auf das Herz. Ob nun der Bluthochdruck Ursache für Wutausbrüche ist oder umgekehrt ist schwer zu beurteilen. Fakt ist, dass weder extreme Emotionsbewältigung noch Bluthochdruck auf Dauer gesund sind und schwerwiegende Folgen haben können.

Was kann man tun, wenn man zu Wutausbrüchen und Bluthochdruck neigt?

Das Wichtigste zuerst: Ein hoher Blutdruck gehört in jedem Fall medizinisch abgeklärt und medikamentös behandelt. Gemeinsam mit dem Arzt können betroffene besprechen, welche Lebensgewohnheiten den Bluthochdruck begünstigen und wie man diese verändern kann.

Leiden Betroffene unter viel Stress, sind schnell gereizt und aggressiv, wird dies einen Bluthochdruck sprichwörtlich „füttern“. Hier können das Erlernen von Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Meditation helfen.

In Extremfällen kann auch ein guter Psychotherapeut behilflich sein, einen besseren Umgang mit starken Emotionen wie Wut, Angst oder Aggression zu finden. Diese Verfahren sind jedoch langwierig und erfordern eine gewisse Disziplin sowie den Willen, etwas an den Lebensgewohnheiten ändern zu wollen.

Erst wenn diese Änderung eingetreten ist, was Jahre dauern kann, kann man nachprüfen, ob auch der Bluthochdruck gesunken oder im Idealfall ganz verschwunden ist.

Methodisch Entspannen, geht das?

Methoden zu erlernen, die Entspannung und Ruhe fördern, ist aber nachweislich gesundheitsfördernd. Gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit, die in vielen Bereichen enorme Leistungen abverlangt ist der Stresshormonspiegel bei vielen Menschen höher. Leiden diese Menschen dann noch zusätzlich an Bluthochdruck, sind sie schnell gereizt.

Dann macht Bluthochdruck tatsächlich aggressiv und man kann sagen, dass Bluthochdruck Wutausbrüche begünstigt. Die Folgen können dann für den Betroffene schwerwiegend sein.
Methoden, die Entspannung und Ruhe fördern sind unter anderem:

  • Autogenes Training
  • Meditation
  • progressive Muskelentspannung nach Jakobsen
  • Hypnose und Selbsthypnose
  • Entspannung durch Bewegung, wie:
  • Yoga
  • Qigong

Ziel aller Entspannungsverfahren ist eine Entspannungsreaktion, von der zuerst das Gehirn profitiert. In Folge dessen werden weniger Stresshormone produziert. Körperlich merkt das der Betroffene durch eine verringerte Muskelanspannung, eine Verminderung der Reflextätigkeit und eine Verlangsamung der Herzfrequenz und des Atems.

Der Sauerstoffverbrauch wird gesenkt und für Betroffene von Bluthochdruck kann wichtig: Der arterielle Blutdruck wird gesenkt.

Psychologisch betrachtet erleben Betroffene durch Entspannungstechniken Gelassenheit, Wohlbefinden und Zufriedenheit – im Prinzip das Gegenteil von Aggressivität und Wutausbrüchen.

Hat man gelernt auch in Stresssituationen gelassener zu reagieren, wird dies auch einen positiven Nebeneffekt auf unsere sozialen Kontakte haben.

Die Angst, man könnte schnell gereizt sein, aggressiv werden oder gar Opfer eines Wutausbruches werden sinkt bei Betroffenen und deren Angehörigen und Freunden gleichermaßen.

Auch im Arbeitsprozess helfen Entspannungszustände zu einer konstruktiveren und produktiveren Arbeitsweise. In Stresssituationen können Betroffene so jederzeit „Herr (oder Frau) der Lage“ sein und durch Gelassenheit ein souveränes Auftreten sicher stellen, anstatt gereizt und aggressiv weitere Kollegen zu stressen.