Ursachen von steifen Finger am Morgen

Hattest Du schon einmal steife Finger nach dem Aufwachen? Das kann harmlos sein, etwa durch das ungünstige Liegen auf der Hand und tritt dann zumeist sehr selten auf. Wiederholt es sich jedoch, dass Du steife Finger am Morgen hast, könnte dies das erste Symptom beginnenden Rheumas sein. Was das bedeutet und wie Du Dich verhalten solltest, erklären wir Dir hier.

 

Versteifung der Gelenke – Ein unaufhaltsamer Prozess?

Zu Beginn der Menschheitsgeschichte wurden unsere Vorfahren vermutlich selten älter als 30 Jahre. Heute leben wir zwar dank besserer Hygiene und moderner Medizin viel länger, dennoch gibt es deutliche Signale, dass ab 30 die Kräfte insgesamt zurückgehen. Hierzu zählt auch der langsame Verschleiß der Gelenke.

Das Wichtigste im Überblick

  1. steife Finger am Morgen sind häufig ein Symptom beginnenden Rheumas
  2. bereits mit 30 Jahren können steife Finger bei ansonsten gesunden Menschen auftreten
  3. der frühe Gang zum Hausarzt ist empfehlenswert
  4. eine Behandlung mit Antirheumatika ist oft sinnvoll
  5. alternative Behandlungen sind die Kälte- und Wärmetherapie sowie eine Elektrotherapie

 

 

Durch die tägliche Bewegung des Körpers sind die Gelenke einer kontinuierlichen Beanspruchung ausgesetzt. Das führt ab Anfang bis Mitte 30 zu den ersten Abnutzungserscheinungen. Neben den Knien, die mit dem Körpergewicht arbeiten müssen, sind die Gelenke in den Händen aufgrund der täglich gefragten Feinmotorik die ersten Kandidaten für Abnutzung.

„Die Abnutzung der Gelenke wird als Arthrose bezeichnet und Arthrosen wiederum gehören in die Gruppe des Rheumatismus.“

Rheumatismus versteht sich dabei als Überbegriff und ist nicht mit Rheuma gleichzusetzen! Das führt jedoch oft zu Missverständnissen, denn während eine Arthrose als reine Abnutzung etwas mechanisches ist und mit dem Alterungsprozess unaufhörlich einher geht, kommen bei „echtem“ Rheuma, der sogenannten Arthritis, zusätzlich Entzündungsprozesse hinzu. Das verursacht mit der Zeit steife Finger. Da Rheuma aber durchaus die Folge einer starken Arthrose werden kann, wird im Volksmund gern beides synonym verwendet, obwohl ein klarer Unterschied besteht.

Eine Arthrose entsteht durch Abnutzung, eine Arthritis (Rheuma) durch Entzündungsprozesse.

 

Warum sind steife Finger ein Frühsymptom für Rheuma?

Steife Finger am Morgen werden vom Arzt auch als Morgensteifigkeit bezeichnet und können sich über wenige Minuten bis hin zu Stunden ziehen. Je länger Du steife Finger spürst, umso gravierender ist es bereits. Doch warum verschwinden die Beschwerden als Frühsymptom im Laufe des Tages komplett?

Steife Finger treten zunächst nur auf, wenn die Gelenke eine lange Ruhephase hatten. Das ist in der Nacht der Fall, wenn Du viele Stunden ruhig gelegen hast und die Finger sich entsprechend wenig bis gar nicht bewegt haben. Durch diese Ruhe wird weniger Gelenkflüssigkeit produziert, was für gesunde Gelenke kein Problem ist. Liegt jedoch eine starke Abnutzung der Gelenke vor, sorgt der Mangel an Gelenkschmiere für eine Verstärkung der sonst noch kaum wahrnehmbaren Beschwerden. Es kommt zu temporärer Steifheit und Schmerzen bei mühsam erzwungenen Bewegungen, bis genug Gelenkflüssigkeit vorhanden ist.

„Rheuma zählt zu den Autoimmunkrankheiten.“

Neben mangelnder Gelenkschmiere ist auch das nächtlich aktive Immunsystem ein Problem. Während der Nachtruhe liegt der Körper nicht einfach nur da, es werden viele Regenerationsprozesse durchgeführt. Das Gehirn strukturiert das am Tag erlebte und das Immunsystem kümmert sich im gesamten Organismus um „Baustellen“. Aus diesem Grund ist bei einer Erkältung viel Schlaf so wichtig. Doch bei beginnenden Rheuma werden die Entzündungsprozesse in den Gelenken in der Nacht angefacht und das Immunsystem richtet sich gegen das eigene Gewebe.

Steife Finger am Morgen als Teil eines Symptom-Kleeblattes

Das beschriebene Frühsymptom tritt sehr häufig nicht allein auf, sondern fällt im Alltag mit drei weiteren Beschwerden zusammen:

1. Du bemerkst im Alltag immer wieder Momente der Kraftlosigkeit in den Händen. Möchtest Du zum Beispiel eine Tasse hochheben, erscheint sie Dir unverhältnismäßig schwer. Viele Betroffene müssen volle Gläser oder Teller sogar schnell abstellen, bevor diese fallen gelassen werden. Auch Drehverschlüsse an Getränken oder das Führen eines mechanischen Dosenöffners werden im Alltag zum Problem.

2. Obwohl Du nicht direkt Schmerzen in den Händen verspürst, fällt Dir auch am Tag auf, dass steife Finger die Alltagsbewegungen stören. Diese Bewegungseinschränkungen gehen auf den Umstand zurück, dass die beeinträchtigten Gelenke nicht mehr das volle Bewegungsspektrum abdecken können.

3. Das vierte Symptom im Kleeblatt ist der sogenannten „Begrüßungsschmerz“. Im Volksmund hat sich diese Bezeichnung eingeprägt und wird auch von vielen Ärzten benutzt, um ihren Patienten das Problem gut verständlich zu machen. Du kannst zwar den Großteil des Alltags schmerzfrei verbringen, doch schüttelt Dir ein andere Mensch kräftig die Hand zur Begrüßung, spürst Du einen Druckschmerz. Er entsteht, da durch das beginnende Rheuma die Finger-und Handgelenke bereits leicht geschwollen sind und der Händedruck ein Reiben erzeugt.

Andere, jedoch seltene Ursachen für steife Finger am Morgen

Eine schwere Arthrose kann durch die Gelenkabnutzung steife Finger am Morgen mit sich bringen, fällt jedoch eher durch Bewegungsschmerzen auf. Wirklich steife Finger sind hingegen bei der Mehrzahl der Betroffenen ein Symptom für beginnendes Rheuma, also für eine Autoimmunkrankheit, die das Gelenkgewebe durch Entzündungen verändert.
Daneben gibt es im Praxisalltag auch andere Ursachen, die jedoch vergleichsweise selten der Grund für steife Finger am Morgen sind. Wir nennen Sie dir für Deinen bestmöglichen Überblick zum Thema dennoch:

1. Steife Finger am Morgen oder auch mitten in der Nacht können auftreten, wenn Wirbelsäulenprobleme vorliegen. Entweder ist eine Bandscheibe verletzt oder es kam beim Drehen und Liegen zu einer ungünstigen Körperhaltung. Manche Menschen schlafen auch so ungünstig auf einem Arm, dass sie die Blutbahnen und Nerven vorübergehend abdrücken. Steife Finger am Morgen gehen dann meist mit einem Kribbeln einher, sobald sich die Durchblutung wieder normalisiert.

2. In selten Fällen ist auch Osteoporose der Grund für steife Finger. Allerdings treten die Beschwerden hier selten nur nachts auf und bringen steife Finger am Morgen mit sich. Steifheit und Schmerzen begleiten die Betroffenen durch den Tag. Grund für Osteoporose ist eine gestörte Balance im Auf- und Abbau der Knochensubstanz, wodurch der Mineralsalzgehalt in den Knochen sowie ihre Knochendichte zu gering ist.

3. Bei einigen Frauen in den Wechseljahren können auch hormonelle Änderungen steife Finger als Symptom mit sich bringen. In der Menopause verändert sich der Organismus so, dass er die Fruchtbarkeit einstellt und daher weniger Östrogen und Progesteron produziert wird. Beide Geschlechtshormone spielen aber nicht nur eine Rolle für die Fruchtbarkeit, sondern haben einen schützenden Effekt für Muskeln und Gelenke. Erlebt eine Frau sehr starke Hormonschwankungen und ist bereits von Arthrose oder beginnenden Rheuma betroffen, verstärken sich die Beschwerden.

Wann solltest Du zum Arzt und was passiert dort?

Steife Finger am Morgen sind beunruhigend, doch wenn sie im Laufe des Tages verschwinden, schieben viele Betroffene den Arztbesuch auf die lange Bank. Das solltest Du im Interesse Deiner Gesundheit nicht tun.

Ein zeitnaher Arztbesuch ist ratsam und bringt Klarheit.

Beim Hausarzt kannst Du die Beschwerden beschreiben und wirst von ihm näher untersucht. Nicht immer ist sofortiges Handeln notwendig, da beispielsweise auch starker Stress zu einigen schlechten Nächten führen kann und steife Finger durch Fehlhaltungen mit sich bringt. Auch Kälte in der Nacht kann ein harmloser Grund sein.

Stellt der Arzt jedoch Gelenkprobleme fest, kann er durch die gezielte Therapie dafür sorgen, dass eine Verschlechterung ausbleibt.

Behandlung von steifen Fingern und Gelenken

Folgende Therapieoptionen stehen im Raum und werden je nach individueller Patientensituation erwogen:

1. Die Vergabe von Antirheumatika

–> Die Medikamente stoppen die Entzündungsprozesse, sodass Du seltener steife Finger hast und der Gelenkabbau gebremst wird.

2. Eine Kälte- und Wärmetherapie

–> Liegen akute Entzündungen vor, kann gezielte Kälte dafür sorgen, dass Schmerzen und Entzündungen gelindert werden. In Phasen ohne Rheuma-Schub soll hingegen Wärme helfen, die Durchblutung zu regulieren und steife Finger zu bekämpfen.

3. Die Elektrotherapie

–> Bei dieser Behandlung werden leichte Elektroimpulse über die Haut abgegeben und gelangen bis zu den Gelenken. Die Stimulation lässt steife Finger wieder beweglicher werden.

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