Starkes Schwitzen nachts – Ursachen – Was hilft?

Schwitzen Sie nachts stark?

Schwitzen während des Schlafes kann bei manchen Patienten dazu führen, dass morgens die gesamte Bettwäsche durchnässt ist.

Besser macht das den Schlaf nicht und nicht immer ist Nachtschweiß harmlos. Hyperhidrose, so der Fachausdruck, kann die Folge ernsthafter Erkrankungen bis hin zu Krebs sein.

Schwitzen nachts
Ständiges starkes Schwitzen nachts – Copyright: AndreyPopov bigstockphoto

Nächtliches Schwitzen: Die harmloseren Ursachen

Eine ganze Reihe von Gründen, die Nachtschweiß verursachen, sind absolut harmloser Natur. Am wenigsten bedenklich ist eine Überwärmung des Körpers im Sommer, bei übermäßigem Zudecken und bei schlecht gelüftetem Schlafzimmer.

Oft wachen Menschen nach Alpträumen oder in privaten und beruflichen Stresssituationen nachts schweißgebadet auf, ohne dass eine organische Ursache dahinter steckt. Ebenso harmlos ist Nachtschweiss, nachdem man abends zuvor dem Alkohol zu reichlich zugesprochen oder ungewohnt scharfes Essen zu sich genommen hat.

Bisweilen darf man auch einfach gratulieren: So etwas tritt auch häufig in der Schwangerschaft durch die hormonelle Umstellung auf. Ebenso schwitzen viele Frauen in der Menopause nachts stärker als gewohnt, ebenso aber auch Männer in ihren Wechseljahren (Andropause).

Starkes Schwitzen nachts – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Nachtschweiß oder nächtliche Hyperhidrose lässt sich auf eine ganze Reihe von harmlosen oder weniger harmlosen Ursachen zurückführen.
  2. Ursächlich sind unter anderem hormonelle Veränderungen in den Keimdrüsen, der Schilddrüse oder der Nebenniere.
  3. Häufig ist nächtliches Schwitzen die Folge von Infektionen.
  4. Ebenso können Krebserkrankungen und Autoimmunkrankheiten nächtliches Schwitzen erzeugen.
  5. Tritt Nachtschweiß zusammen mit Fieber und Gewichtsabnahme über einen längeren Zeitraum auf, sollte man unbedingt einen Arzt konsultieren!

 

Nachtschweiß: Weitere hormonelle Gründe

Hormone beeinflussen Stoffwechsel und Energiehaushalt nachhaltig. Daher kann starkes Schwitzen nachts auf eine Vielzahl von Störungen des Hormonstoffwechsels zurückzuführen sein, die pathologischer sind als Klimakterium oder Schwangerschaft.

  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ist dabei eine der häufigsten Ursachen. Die Schilddrüsenhormone regeln den Energiehaushalt, und ein Zuviel davon kurbelt den Stoffwechsel so an, dass auch nachts die Körpertemperatur leicht erhöht ist.
  • Substitutionstherapie mit Schilddrüsenhormonen. Aus den gleichen Gründen kann sich der Beginn einer Behandlung mit L-Thyroxin durch erhöhten Stoffwechsel und starkes Schwitzen nachts äußern.
  • Tumoren der Nebennieren (Phäochromozytom). Ähnliches gilt für Tumoren des Nebennierenmarks, in dem die Stresshormone Arenalin und Noradrenalin gebildet werden. Die mehrheitlich gutartigen Adenome sorgen so quasi für eine künstliche Stresssituation und Schwitzen in der Nacht.
  • Diabetes mellitus. Nachtschweiss ist in etlichen Fällen eines der ersten Symptome der Zuckerkrankheit. Ähnlich wie Schilddrüsenhormone und Stresshormone ist auch das Insulin eine der Stellschrauben des Energiestoffwechsels. Fällt durch den Diabetes der Blutzuckerspiegel in der Nacht stark ab (Unterzuckerung, Hypoglykämie), erhöht sich als Reaktion darauf der Adrenalinspiegel und man beginnt verstärkt zu schwitzen.
  • Ovarialinsuffizienz (premature ovarian failure, POF-Syndrom). Störungen in den Regelkreisen der Geschlechtshormone durch Operationen oder Chemotherapien können eine Art vorzeitiger Menopause verursachen. Ebenso wie bei dieser tritt starkes Schwitzen nachts als Symptom auf.
  • Kastration und Orchidektomie. Gleiches gilt für eine einseitige oder beidseitige (Kastration) Entfernung der Hoden, wie sie bei Hodentumoren oft unumgänglich ist oder bei Geschlechtsumwandlungen durchgeführt wird.
  • Hormonblocker setzt man bei Tumoren ein, die für ihr Wachstum männliche oder weibliche Geschlechtshormone benötigen. Das gilt für einige Formen des Prostatakarzinoms oder von Brustkrebs und Eierstockkrebs.

Nachtschweiß durch Infektionen

Infektionen mit Viren, Bakterien, Pilzen, Würmern oder Einzellern sind klassische Auslöser für starkes Schwitzen nachts. Fieber ist eine Reaktion des Körpers, mit der er viele wärmeempfindliche Viren auszuschalten vermag. Bei anderen Infektionen führt die Reaktion des Immunsystems zu einem Anstieg der Körpertemperatur.

  • Virusinfektionen
    • Grippe
    • Pfeiffersches Drüsenfieber (Mononucleosis infectiosa)
    • HIV-Infektion und AIDS
  • Bakterielle Infektionen
    • Tuberkulose
    • rheumatisches Fieber und
    • rheumatische Endokarditis
  • Pilzinfektionen
    • Coccidiomykose durch Einatmen von Sporen des Pilzes Coccidioides
    • Histoplasmose durch Histoplasma, übertragen etwa über Fledermauskot
  • Infektionen mit Einzellern
    • Malaria – der Klassiker für Nachtschweiss
    • Toxoplasmose – durch Fleisch oder Katzenkot übertragen
  • Infektionen mit Würmern
    • Bandwürmer
    • Fadenwürmer
    • Madenwürmer
    • Spulwürmer
    • Hakenwürmer

Nachtschweiß als Nebenwirkung von Medikamenten

Leidet man an nächtlichen Schwitzattacken, kann das auf die Nebenwirkung von Medikamenten zurückzuführen sein.

  • Hormonersatzpräparate wie künstliches Schilddrüsenhormon hatten wir bereits besprochen.
  • Psychopharmaka können ebenfalls starkes Schwitzen nachts auslösen. Das gilt für
    • Antidepressiva gegen Depressionen und Stimmungsschwankungen und
    • Neuroleptika, Medikamente gegen Psychosen, Halluzinationen und Unruhezustände.
  • Fiebersenkende Mittel (Antipyretika) erniedrigen die Körpertemperatur durch vermehrte Schweißabgabe. Das gilt für bekannte Medikamente wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen.

Starkes Schwitzen nachts: Neurologische Erkrankungen

Einige neurologische Erkrankungen äußern sich ebenfalls mit erhöhter Schweißbildung in der Nacht. Hierzu zählen

  • Epilepsie
  • Morbus Parkinson – oft als eines der ersten Symptome überhaupt
  • Schlaganfall (Apoplex)

Nachtschweiß: Autoimmunerkrankungen

Richtet sich die Immunabwehr gegen körpereigene Strukturen, kommt es zu Entzündungsreaktionen durch die Beseitigung der angegriffenen Zellen. Auch das kann eine Ursache für starkes Schwitzen nachts sein. Entsprechende Autoimmunerkrankungen sind beispielsweise

  • rheumatoide Arthritis
  • systemischer Lupus erythematodes
  • Sjögren-Syndrom
  • Sklerodermie
  • Polymyositis
  • Dermatomyositis
  • Buschke-Ollendorf-Syndrom (Dermatofibrose)
  • Thiberge-Weissenbach-Syndrom (CREST-Syndrom)
  • Gefäßentzündungen (Vaskulitiden)
    • Takayasu-Arteriitis
    • Morbus Horton
    • Morbus Wegener
    • Polymyalgia

Nachtschweiß durch Lungenerkrankungen

Einige Erkrankungen der Lunge können starkes Schwitzen nachts verursachen. Dazu gehört bereits eine einfache Bronchitis, mehr noch

  • Asthma bronchiale und
  • chronisch-obstruktive Lungenerkrankunge (COPD).

Starkes Schwitzen nachts: B-Symptomatik bei Krebs

Bei Krebserkrankungen tritt vielfach eine B-Symptomatik auf. Darunter versteht man die Trias aus starkem Schwitzen nachts, Gewichtsverlust und Fieber. In ähnlicher Form kann diese auch bei einigen der bereits aufgeführten Infektionskrankheiten auftreten.

Warnhinweis:

Treten die drei Beschwerden der sogenannten B-Symptomatik Nachtschweiss, Gewichtsverlust und Fieber gemeinsam über einen längeren Zeitraum auf, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen! Neben Infektionen kann eine Krebserkrankung die Ursache dafür sein!

Das gilt insbesondere für Erkrankungen des Blutes und blutbildenden Knochenmarks wie

  • Lymphome (Morbus Hodgkin, Non-Hodgkin-Lymphome),
  • Leukämien und
  • myeloproliferative Neoplasien des Knochenmarks, da sich diese unmittelbar systemisch auf den ganzen Körper auswirken.

Nachtschweiß: Keine Ursache feststellbar?

Auch das gibt es. Findet man keine organische Ursache für die nächtlichen Schweißausbrüche, spricht man vom idiopathischen Nachtschweiß.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Fritz. H. Kayser, Erik C. Böttger, Otto Haller, Peter Deplazes, Axel Roers:: Taschenlehrbuch Medizinische Mikrobiologie. 14. Auflage. Stuttgart 2014: Thieme-Verlag. ISBN-10: 3134448130.
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. ISBN-10: 3110339978.
  • Helga Donath: Innere Medizin. Lehrbuch für Krankenpflege und Studium. 7. Auflage. Stuttgart 1993: Schattauer-Verlag. ISBN-10: 3794514963.
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