Stachelannone bei Krebs
Stachelannone Wirkung in der Krebstherapie Copyright: Altinosmanaj bigstockphoto

Graviola bei Krebserkrankungen

Eine Tumorerkrankung ist für Betroffene und Angehörige eine Diagnose, die das gesamte Leben verändert und nicht wenige verzweifeln lässt. Um der Krankheit den Kampf anzusagen, sind Lebensmut und ein gutes, medizinisches Konzept jedoch sehr wichtig. Ergänzend zur Schulmedizin setzen viele Menschen auch auf Hilfe aus der Natur. Ob Stachelannone bei Krebs eine Wirkung erzielen kann, haben sich bislang erst wenige Studien angesehen.

Stachelannone in der Krebstherapie im Überblick

  • Stachelannone ist als Frucht auch unter der Bezeichnung Graviola bekannt
  • die Pflanzenwirkstoffe haben sich in Laborversuchen tatsächlich gegen Krebszellen gewandt
  • die sogenannten Acetogenine richten sich vermutlich nur gegen Krebs- nicht gegen Körperzellen
  • schwerwiegende Nebenwirkungen sind aber mangels Studien noch nicht auszuschließen
  • von einer marktreifen Therapie kann daher auf keinen Fall gesprochen werden

 

Die Idee hinter dem Konzept „Stachelannone gegen Krebs“

Eine Wirkung der Frucht im Kampf gegen Krebszellen ist mehr als bloßes Wunschdenken. Anders als bei fragwürdigen Versprechungen, die Verzweifelten viel Geld für angebliche Allheilmittel aus der Tasche ziehen, wurde die Stachelannone in Laborversuchen von Wissenschaftlern auf der ganzen Welt unter die Lupe genommen.

Dabei zeigte sich, dass die Frucht, auch bekannt als Graviola, offenbar zwischen normalen Körperzellen und Krebszellen unterscheiden kann. Doch es bleibt nicht bei einer Erkennung. Die Graviola schlägt sich mit ihren Pflanzenwirkstoffen auf die Seite des Immunsystems und greift diesem unter die Arme.

„Das bedeutet: Die Inhaltsstoffe der Stachelannone greifen bösartig mutierte Zellen gezielt an.“

Stachelannone Vorteil gegenüber der konventionellen Behandlungen

Muss ein Krebsleiden therapiert werden, stehen neben der chirurgischen Entfernung des Tumorgewebes zwei Optionen im Raum: eine Chemotherapie und eine Bestrahlung. Beide Methoden sind vergleichsweise aggressiv und greifen nicht nur Krebszellen an, sondern töten auch gesunde Zellen ab. Das ist der große Nachteil der derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten der Schulmedizin.

„Die Graviola zeigt in Laborversuchen hingegen ein gezieltes Vorgehen gegen Krebs und zugleich eine Schonung des gesunden Gewebes. Da gesunde Zellen nicht angegriffen werden, wird der Organismus insgesamt weniger stark belastet.“

Bereits im Jahr 2002 veröffentlichten Forscher aus Japan ihre Ergebnisse zu den sogenannten Acetogeninen. Acetogenine ist der Fachbegriff für eine bestimmte Stoffklasse in Pflanzen, speziellen langkettigen Polyketiden. Sie kommen unter anderem in der Stachelannone vor und wurden im Labor eingehend untersucht.

Acetogenine sind auf gewisse Weise ein Zellgift, denn sie greifen Zellen direkt an und führen zu deren Untergang. Da aber nur bösartige Zellen ins Visier genommen werden, ist es für die Krebsbehandlung ein willkommenes Zellgift. Die japanischen Wissenschaftler konnten zeigen, dass ab einer Dosis von zehn Milligramm je einem Kilo Körpergewicht selbst aggressive Tumoren zurückgehen.

Wer es genau wissen möchte

Krebszellen werden angegriffen, Körperzellen nicht – das klingt im ersten Moment zu schön, um wahr zu sein. Wie die Stachelannone gegen Krebs diese Wirkung zeigen kann, ist mit einem tieferen Blick in die Biochemie möglich.

Acetogenine sind in der Lage, eine bestimmte oxidative Kette zu blockieren, die in den Krebszellen ATP bildet. ATP steht als Kürzel für Adenosintriphosphat und liefert einer Zelle Energie. Diese Energie ist lebensnotwendig, um die Prozesse innerhalb der Zelle aufrecht zu erhalten. Der Krebszelle wird also durch Acetogenine die sprichwörtliche Lebensenergie vorenthalten.

Hinzu kommt, dass Krebszellen auf ein ganz bestimmtes Enzym angewiesen sind, die Ubichinon-Oxidase. Es kommt in der Plasmamembran der bösartigen Zellen vor. Acetogenine richten sich auch gegen dieses Enzym und schaden Krebszellen damit empfindlich.

Warum wird Stachelannone noch nicht bei Krebs eingesetzt?

Viele Menschen haben nach dem Lesen über die aktuelle Studienlage natürlich eine Frage: Wenn die Stachelannone gegen Krebs eine Wirkung erzielt, weshalb ist sie nicht längst eine offizielle Therapieoption? Um das zu verstehen, muss an zwei entscheidende Punkte gedacht werden:

1. Von „in vitro“ zu „in vivo“

Auch wen sich die Inhaltsstoffe der Graviola als vielversprechend herausgestellt haben, handelt es sich bislang vor allem um Versuche im Reagenzglas, also „in vitro“-Versuche. Gemäß den Bestimmungen der Humanmedizin ist es daher noch ein langer Weg bis zur anerkannten Therapie. Zuerst müssten eingehende Tierversuche, also „in vivo“-Experimente, durchgeführt werden. So wird überprüft, ob sich Versuche aus der Petrischale auch auf einen lebenden Organismus übertragen lassen. Es gibt zwar bereits wenige Experimente mit Ratten, doch die sind bislang nicht ausreichend.

2. Nebenwirkungen müssen erforscht sein

Neben der Tatsache, dass die Wirksamkeit bei Lebewesen noch nicht ausreichend belegt ist, muss auch die Möglichkeit von Nebenwirkungen eingehend untersucht werden. Dafür müsste die Stachelannone gegen Krebs eine Wirkung ohne Gefahr für die restliche Gesundheit unter Beweis stellen. Dafür wiederum sind klinische Studien mit Freiwilligen nötig.

Der heute Stand der Stachelannone Anwendung bei Krebserkrankungen

Die bisherige Datenlage basiert vor allem auf Versuchen in der Petrischale. Das bedeutet, dass die Wirksamkeit der Frucht „in vitro“ belegt wurde. Wichtig für die weitere Erforschung ist aber die Wirkung samt potenzieller Nebenwirkungen auf den menschlichen Organismus. Die untersuchten Acetogenine sind ein Toxin und als Gift stellen sie prinzipiell eine potenzielle Gefahr für den Körper da.

Es kann bislang nicht ausgeschlossen werden, dass Acetogenine sich nicht doch gegen gesunde Körperzellen im lebenden Menschen wenden. Darauf deutet zumindest der Fakt in, dass es eine Hirnerkrankung gibt, die in dieser Form nur auf Guadeloupe (einer Insel der Karibik) auftritt.

Dort verzehren die Menschen die Stachelannone sehr häufig. Bei Betroffenen kommt es zu vermehrten Ablagerungen im Gehirn, wie man sie auch bei Alzheimer kennt. Der starke Verzehr der Pflanze könnte also zu einer neurodegenerativen Krankheit führen.

weiterlesen:

Quellen:

  • Cochrane, Curtis Bruce, et al. „Anticancer effects of Annona glabra plant extracts in human leukemia cell lines.“ Anticancer Research 28.2A (2008)
  • Pettit, George R., et al. „Isolation and structure of rolliniastatin 1 from the South American tree Rollinia mucosa.“ Canadian journal of chemistry 65.6 (1987)
  • Shi, Guoen, et al. „Muconin and mucoxin: additional nonclassical bioactive acetogenins from Rollinia mucosa.“ The Journal of organic chemistry 61.23 (1996)

 

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