Psychische Krisen überwinden

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Lerne, deine psychischen Krisen zu überwinden

Doch wie können wir diese psychischen Krisen überwinden? Ist eine psychische Krise „normal“ oder fürchtest Du, psychisch krank zu sein, weil Du eine Krise hast?

Ist es überhaupt möglich, aus einer Krise gewachsen herauszutreten? Kannst Du bei psychischen Krisen etwas über Dich lernen? Was kann Dir helfen, eine psychische Krise zu überwinden?

„Ich hab ne‘ Krise!“ Dies ist ein Satz, der bei uns Alarmglocken lauter läuten lässt. Dabei ist es ganz gleich ob ein uns lieb gewonnener Mensch diesen Satz ausspricht oder wir ihn uns selbst in Gedanken eingestehen.

Psychische Krisen überwinden
Psychische Krisen überwinden Copyright: fizkes bigstockphoto

Stecke ich in einer psychischen Krise?

Schnell kommt der Gedanke, dass man so zeitig wie möglich, diese psychische Krise überwinden muss. Das Wort „Krise“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Trennen“, „(unter)scheiden“ und wird umgangssprachlich eingesetzt, wenn wir an einem entscheidenden Wendepunkt in unserem Leben angelangt sind.

Diese Definition implementiert nahezu, dass wir psychische Krisen überwinden können. Wenn wir uns eingestehen, dass es so nicht weitergeht, dann stecken wir wahrlich in einer (oft psychischen) Krise, die es zu überwinden gilt.

Auch wenn der Ursprung unserer Krise vielleicht ein anderer ist (bei einer finanziellen Krise zum Beispiel), so löst der Wendepunkt in uns diverse Emotionen aus, weshalb man oft auch von einer psychischen Krise sprechen kann. Dieser Zustand raubt uns meist klare Gedanken und macht Angst, Trauer und Wut.

Faktenblock:

  • Psychische Krisen zu überwinden gehören zum Leben dazu
  • Es ist normal, dass psychische Krisen negative Gefühle auslösen
  • Scheint die Krise unüberwindbar, ist es ratsam, sich Hilfe zu holen
  • Das Überwinden psychischer Krisen bietet das Potenzial, sich persönlich weiterzuentwickeln

 

1. Lass die Krise kommen!

Am Anfang wird eine Krise oft als Katastrophe wahrgenommen. Dass es danach irgendwie weitergehen soll, kann man sich kaum vorstellen. Noch ferner liegt der Gedanke, diese psychische Krise zu überwinden.

Die eigenen Emotionen sind so belastend, dass man nicht weiß, wie man diese psychische Krise überwinden kann. Du hast Dich wieder erkannt? Sei genau jetzt mutig. Erlaube Dir, all diese Emotionen zuzulassen. Es ist völlig ok, traurig zu sein. Vielleicht zwingt Dich die Krise dazu, etwas lieb Gewonnenes loszulassen, einen Menschen zu verlassen oder einen vermeintlich guten Freund auszusortieren.

Häufig sind es viele Kleinigkeiten, die jetzt schief laufen und das macht Dich wütend – lass die Wut zu, es ist völlig ok auf Dich oder auf was auch immer wütend zu sein. Du hast Angst, weil die psychische Krise Dich so sehr gepackt hat, dass Du nicht weißt, wie und ob es überhaupt weitergehen kann. Horche in Dich hinein, welche Gedanken diese Emotionen in Dir auslösen.

An was denkst Du in Bezug auf Deine Emotionen in der Vergangenheit? Was wünscht Du Dir für Deine Zukunft, wenn Du die psychische Krise überwinden konntest? Vielleicht überlegst Du auch, Dir professionelle Hilfe zu holen, um diese psychische Krise zu überwinden. Gebe diesem Gedanken nach, mit einem ersten Anruf hast Du bereits den ersten Schritt aus der Krise getan. Sei Dir selbst so viel wert und lasse Hilfe zu. Verabschiede Dich von dem Gedanken, dass es unmöglich ist, eine psychische Krise zu überwinden.

2. Stell Dich den Fakten!

Nehmen wir an, Du hast Schulden. Diese Schulden belasten Dich so sehr, dass es keine finanzielle Krise mehr ist, sondern obendrein eine psychische Krise, die es zu überwinden gilt. Steck jetzt nicht den Kopf in den Sand, sondern in den frontalen Gegenwind. Überlege, wie es soweit kommen konnte.

Wann hat die Krise ihren Ursprung gefunden? Bleiben wir bei der im Ursprung finanziellen Krise: Notiere Dir auf einem Blatt Papier alle Fakten: Wie viele Schulden hast Du? Wie viel Geld hast Du monatlich zu Verfügung?

Welche Rechnung muss als erstes bezahlt werden? Was genau belastet Dich an der angespannten finanziellen Situation am meisten?

Gleiches gilt bei einer Beziehungskrise:

Überlege, wann genau Du das erste Mal gespürt hast, dass in Deiner Beziehung etwas im Argen liegt. Was war der Auslöser? Wie hast Du selbst reagiert? Was hast Du gedacht, was gefühlt? Wie hast Du Dich eingebracht, um die Situation positiv zu verbessern? Welche Eskalationsstufen folgten, wenn auch leise und schleichend?

Es kann hilfreich sein, wenn Du Dir an diesem Punkt Hilfe von einem wirklich guten Freund holst. Ein Mensch, der Dich lang und gut kennt und Deine Verhaltensmuster (gerade in Bezug auf Konfliktvermeidung) vielleicht besser beschreiben kann, als Du selbst. Habe hier Vertrauen und höre hin. Welche neuen Fakten kann er zu Deiner persönlichen Krisenbewältigung beitragen?

Falls Du Dich in psychologischer Behandlung befindest, um Deine psychische Krise zu überwinden, kannst Du auch Deinen Psychotherapeuten bitten, mit Dir Deine Faktensammlung anzusehen.

Falls Du noch zögerst, Dir Hilfe von einem Freund zu holen, oder mit Deinem Psychologen die Fakten Deiner Krise anzugehen, mache Dir bewusst, dass Du Dich an einem Wendepunkt in Deinem Leben befindest, der Dich einlädt, eine Verbesserung herbeizuführen.

3. Nimm die Herausforderung an!

Hast Du alle Fakten gesammelt, sei nicht müde, Dich damit auseinanderzusetzen. Du steckst jetzt auch inhaltlich mitten in Deiner psychischen Krise, die es zu überwinden gilt. Sie hier in erster Linie achtsam mit Dir.

Wie die Faktensammlung sicher aufzeigt, ist Deine psychische Krise nicht urplötzlich über Dich hereingebrochen, auch wenn es sich am Anfang so angefühlt hat. Sicher erkennst Du jetzt, dass es viele kleine vermeintliche Fehler waren, die zu diesem Wendepunkt geführt haben. Erlaube Dir selbst, Fehler machen zu dürfen.

Vielleicht hilft Dir der Gedanke dabei, dass viele Entdeckungen, die die Menschheit weiter gebracht haben, allein durch Fehler möglich wurden. Wenn Du Deine psychische Krise also aus diesem Blickwinkel betrachtest, wird es Dir helfen, sie zu überwinden, indem Du Dich den Herausforderungen stellst, die mit Deiner Krise einhergehen.

Der erste Schritt klingt erstmal banal: Hör auf zu Jammern! Jammern ist wie ein Energieleck, das sich in Deinem Verstand ausbreitet und immer größer wird. Du müsstest keine psychische Krise überwinden, wenn Dich Jammern je vorwärts gebracht oder Dir eine Lösung präsentiert hätte.

Du hast jetzt alle Fakten auf dem Tisch, weißt, wie sich Deine Krise anfühlt und welche Fehler Dich an diesen Wendepunkt gebracht haben. Pack es an! Löffel die Suppe aus! Spüre die Konsequenzen und sei Dir bewusst, dass Du es jetzt wieder selbst in der Hand hast. Und lobe Dich für kleine Schritte.

In dem Moment, wo Du einen Freund um Hilfe gebeten hast oder den Termin bei Deinem Psychologen wahrnimmst, hast Du bereits den nächsten Löffel der Krisensuppe geschluckt. Der Krisenteller wird leere, der Krisenherd kühlt ab. Denk bei jedem Schritt an die Zukunft und das morgen viel besser ist als gestern.

4. Wachse!

Du hast begonnen, Deine psychische Krise zu überwinden. Die Emotionen, die Du am Anfang gelernt hast zuzulassen sind zwar immer noch deutlich zu spüren aber ganz hinten merkst Du vielleicht so etwas wie Stolz oder Mut.

Etwas, was Dir sagt, wie toll es ist, dass Du nicht den Kopf in den Sand gesteckt hast, dass Du nicht weggerannt bist sondern Dich gnadenlos den Fakten Deiner Krise gestellt hast. Und da ist sie wieder: Die Energie, die das Gefühl des Ausgeliefertseins verdrängt. Auch wenn es noch lange nicht einfach ist, Deine psychische Krise zu überwinden, so merkst Du, dass Du in Deinem Selbst wirksam bist! Du bist es, der/die die Veränderung herbeiführt. Du hast es in der Hand, dass sich nun alles zum Guten wendet. Halte inne, sei stolz und wachse.

Fazit

Psychische Krisen zu überwinden ist sicher einfacher gesagt als getan. Doch gehören sie auch zum Leben dazu und bieten eine gute Plattform, um sich weiterzuentwickeln. Es ist keine Schande, sich einzugestehen, Hilfe zu benötigen.

Vielmehr ist dies der erste Schritt, die psychische Krise zu überwinden. Wenn Du gerade mitten in einer solchen psychischen Krise steckst, mache Dir keine Sorgen, an diesen Punkt kommt nahezu jeder Mensch in seinem Leben ein- oder mehrmals.

 

Wiebke Machel ist staatlich anerkannte Sozialpädagogin und Fachautorin. Sie recherchiert und schreibt für vitaloo.de und lebt mit ihrem Mann und zwei Hunden mitten im Grünen.