Depression in der Partnerschaft
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Wie geht man mit einem depressiven Partner um

Die Depression ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen mit weltweit steigender Tendenz. Sie stellt nicht nur für den Betroffenen eine große Belastung dar, auch die Angehörigen leiden unter der Krankheit. Besonders eine Depression in der Partnerschaft ist eine große Herausforderung.

Plötzlich ist nichts mehr wie vorher: Der Mensch, der eins so lebensfroh war, ist nun gefangen in einer Spirale aus Traurigkeit und Verzweiflung. Doch die psychische Krankheit muss nicht automatisch in eine Trennung münden.

Depression
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Depression in der Partnerschaft

  • Laut der Psychotherapeutenkammer leiden 8,3 Prozent der Bevölkerung an einer depressiven Erkrankung.
  • Die Krankheit tritt in jedem Lebensalter auf. Das weibliche Geschlecht ist doppelt so häufig betroffen, wie das Männliche.
  • Eine Depression betrifft nicht nur den Patienten selbst, sondern auch sein soziales Umfeld.
  • Die Depression ist eine Krankheit, die sich auf die Stimmung auswirkt. Sie zählt deshalb zu den affektiven Störungen. Persönlichkeitsstörungen beispielsweise betreffen, wie es der Name schon verrät, die Persönlichkeit eines Menschen. Daher zählen sie zu den Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen.
  • Eine Depression ist eine ernst zu nehmende psychische Erkrankung, deren Behandlung unbedingt in fachliche Hände gehört.

Die Anzeichen einer Depression in der Partnerschaft erkennen

Bei einer Depression handelt es sich um eine der am häufigsten auftretenden psychischen Erkrankungen. Sie zählt zu den affektiven Störungen, was bedeutet, dass sie sich durch die Veränderung der Stimmungslage auszeichnet.

Es ist für Laien nicht immer leicht eine Despression zu erkennen, da sie sich von einer nicht krankhaften depressiven Phase nur schwer abgrenzen lässt. Traurig, hoffnungslos, niedergeschlagen oder antriebslos fühlen wir uns alle mal. Dennoch gibt es Anzeichen und Symptome, welche dir signalisieren, dass dein Partner an einer Depression leidet. Diese sind im internationalen Klassifikationssystem ICD-10 nach Haupt- und Nebensymptomen aufgelistet.

Die Symptome von Depressionen

  • depressive Grundstimmung
  • Niedergeschlagenheit
  • Interessenlosigkeit
  • Apathie und Antriebslosigkeit
  • häufige Erschöpfung oder Müdigkeit

Die Nebensymptome (auszugsweise)

In Kombination mit den Hauptsymptomen treten bei einer Depression noch unterschiedliche Nebensymptome auf.

  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten
  • vermindertes Selbstwertgefühl
  • Schuldgefühle
  • Wertlosigkeit
  • Perspektivlosigkeit
  • Zukunftsängste
  • Schlafstörungen
  • Appetitlosigkeit
  • suizidale Gedanken oder Handlungen

Professionelle Hilfe für den Partner

Leidet dein Partner unter einer Depression, solltest du ihn dringend ermutigen einen Arzt auszusuchen. In den meisten Fällen tun sich die Betroffenen damit schwer. Sie wollen sich nicht eingestehen, dass sie psychisch krank sind, oder schämen sich gar dafür. Hier solltest du deinem Partner unbedingt dazu ermutigen, den Hausarzt aufzusuchen und diesem von seinen Beschwerden zu berichten. Er wird alles Weitere in die Wege leiten.

Der Hausarzt kann auch körperliche Ursachen für die anhaltend depressive Stimmung, beispielsweise Probleme mit der Schilddrüse, ausschließen. Liegt eine psychische Erkrankung vor, wird sich ein Psychotherapeut oder Psychiater um deinen Partner kümmern. Zunächst einmal kommen eine ausführliche Anamnese und eine Diagnoseerstellung auf ihn zu.

Eine Depression ist in drei verschiedene Schweregrade aufgeschlüsselt, zudem wird vermerkt, ob sie das erste Mal oder wiederkehrend (rezidivierend) auftritt. Je nachdem zu welchem Entschluss der Arzt kommt, werden verschiedene Behandlungsansätze miteinander kombiniert. Dein Partner wird sich in jedem Fall einer Psychotherapie unterziehen und gegebenenfalls auch einer medikamentösen Behandlung.

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Für den depressiven Partner da sein

Am besten kannst du deinen Partner in dieser schwierigen Zeit beistehen, indem du einfach für ihn da bist. Es ist wichtig, dass er nicht das Gefühl hat, mit seiner Traurigkeit alleine zu sein und einen Partner an seiner Seite weiß, auf den er sich verlassen kann.

Familiärer beziehungsweise partnerschaftlicher Rückhalt geben ihm das Gefühl, dass er einen festen Anker in seinem Leben hat. Auch wenn dein Partner sich in stationärer Behandlung befindet und dort bestens versorgt wird, solltest du stets Kontakt halten. Bleibe mit ihm in Gespräch, auch wenn das nicht immer einfach ist und er womöglich mit Ablehnung reagiert.

Auf keinen Fall darfst du den Leidensdruck deines Partners herunterspielen. Sätze wie, „Nun reiß dich mal zusammen“; „Sehe nicht immer alles so schwarz“ oder „Lach doch mal wieder“ sind absolut tabu. Verständlicherweise kannst du seine Empfindungen nicht nachvollziehen, aber du bist schließlich auch nicht krank.

Depressionen in der Partnerschaft – Co-Abhängigkeit

Die eigenen Grenzen wahren

Dem Partner zu signalisieren, dass du seine Hoffnungslosigkeit verstehst, heißt nicht, dass du dich dieser annehmen musst. Es ist wichtig, dass du dein Leben auch jenseits der Depression in der Partnerschaft führst. Grenzt du dich nicht ab, setzt du dich einer enormen Belastung aus.

Am Ende kannst du dem Druck, den du dir selbst machst, nicht mehr standhalten und deinem Partner nicht mehr helfen. Versuche also bei allem Verständnis deinen Partner gegenüber auch auf dich selbst zu achten. Das heißt, haushalte mit deinen Ressourcen und wahre deine Grenzen.

Begleite deinen Partner aber begebe dich nicht vollkommen in seine Welt. Auch wenn er eine sehr schwere Zeit durchmacht, ist ihm nicht geholfen, wenn du deine Lebensfreude komplett herunterfährst. Hobbys, Freunde, Arbeit, Entspannung – all das darfst und musst du dir erlauben, damit du deinem kranken Partner eine hilfreiche Stütze sein kannst.

Es gibt auch die Möglichkeit eines Angehörigengesprächs mit dem behandelnden Arzt oder Therapeuten des Patienten. Dieses kann nicht nur deinem Partner, sondern auch dir helfen. Versuche dich auch von den negativen Zukunftsvorstellungen und der Hoffnungslosigkeit deines Partners zu distanzieren. Selbst wenn er es wollte, er kann im Moment nicht anders denken. Nehme seine Aussagen wahr, nehme sie dir aber nicht an. Erinnere in stattdessen an schöne gemeinsame Zeiten.

Eine Depression muss nicht das Ende einer Partnerschaft bedeuten

Natürlich lässt es sich nicht pauschal sagen, ob eine Beziehung eine psychische Erkrankung übersteht. In den meisten Fällen kristallisiert sich eine Depression als extreme Belastungsprobe heraus.

Man sieht sich der Erkrankung des Partners meist hilflos ausgeliefert. Unterstützungsversuche und gut gemeinte Gesten werden oftmals nicht als solche erkannt. Umso wichtiger ist es sich rechtzeitig ärztliche Hilfe zu suchen. Der Depressive ist gefangen in einer Welt aus Traurigkeit und Kummer. Es klingt hart, aber du bekommst ihn da alleine nicht wieder heraus!

Auch wenn es eine erhöhte Rückfallstatistik gibt, ist eine Depression gut behandelbar. Nach einer erfolgreichen Therapie ist eine glückliche Partnerschaft wieder denkbar. Viele betroffene Paare beschreiben die Zeit nach der Krankheit als einer der schönsten ihrer Partnerschaft. Gemeinsam wieder ins Leben zurück finden, den Partner das erste Mal lachen sehen und die schönen Seiten des Lebens wieder genießen können …

Depression in der Partnerschaft – alle wichtigen Schritte auf einen Blick

1. Sprich deinen Partner auf seinen Zustand direkt an. Teil ihm möglichst sensibel mit, wie er sich in deinen Augen verändert hat.

2. Eine Depression ist kein vorübergehender Zustand, sondern eine psychische Erkrankung. Wendet euch unbedingt an einen Arzt!

3. Heutzutage muss sich kein Mensch mehr wegen einer psychischen Erkrankung verstecken. Leugne die Depression nicht, sondern trage zur Enttabuisierung bei. Je mehr Menschen von deiner schwierigen Situation wissen, desto höher kann der Rückhalt sein.

4. Bleibe mit deinem depressiven Partner ununterbrochen in Kontakt. Spreche mit ihm über seine Ängste und Fortschritte. Unterzieht er sich in einer stationären Therapie, besuche ihn regelmäßig.

5. Zeige deinem Partner gegenüber Empathie, aber lebe auch dein eigenes Leben weiter. Hilflose und überlastete Angehörige nutzen dem Depressiven nichts.

6. Wenn du es für notwendig hältst, dann scheue nicht, selbst professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine Depression in der Partnerschaft ist nichts, was du mit dir alleine ausmachen solltest.

7. Dein Partner wird im Zuge seiner Therapie verschiedene therapeutische Empfehlungen bekommen, die er zu Hause umsetzen soll. Zum Beispiel ist es wichtig, dass ein strukturierter Tagesablauf eingehalten wird. Unterstütze ihn dabei und helfe ihm dabei in sein Leben zurückzufinden.

Quellen:

  • Blaß, Sandra: Depression stellt Partnerschaft auf harte Probe. Verfügbar unter: https://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article118549074/Depression-stellt-Partnerschaft-auf-harte-Probe.html. Stand: 10.10.2018.
  • Dilling, Horst; Mombour, Werner; Schmidt & Martin H.: Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V (F) – Klinisch-diagnostische Leitlinien. 10. Auflage. Göttingen: Hogrefe AG, 2015.
  • Hautzinger, Martin & Thies, Elisabeth: Klinische Psychologie: Psychische Störungen kompakt. Weinheim-Basel: Beltz, 2009.
  • Renneberg, Babette; Heidenreich, Thomas & Noyon, Alexander: Einführung Klinische Psychologie. Stuttgart: UTB GmbH, 2009.
    Wittchen, Hans-Ulrich & Hoyer, Jürgen: Klinische Psychologie & Psychotherapie. Berlin-Heidelberg: Springer, 2011.
  • www.fu-berlin.de/presse/publikationen/tsp/2012/..
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