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Naturheilmittel gegen Harnwegsinfekte

Was sind natürliche Behandlungen bei Harnwegsinfekten?

Ein Harnwegsinfekt – auch Blasenentzündung (medizinisch: Zystitis) genannt – ist eine meist durch Bakterien bedingte Entzündung der ableitenden Harnwege, d.h. der Harnleiter, der Harnblase oder Harnröhre.

Welche Ursachen gibt es für Harnwegsinfekte?

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Cranberry – Urheber: 13smile / 123RF

Bei den sogenannten komplizierten Harnwegsinfekten liegt meistens eine organische Ursache vor, die einen Harnstau und/oder eine dauerhafte Entzündung auslöst. Die in Krankenhäusern oder Altersheimen vorkommenden „nosokomialen“ Infektionen sind etwa zu 90% durch Blasendauerkatheter ausgelöst.

Die unkomplizierten Blasenentzündungen kommen überwiegend bei Frauen vor, da sie eine viel kürzere Harnröhre haben als Männer. Häufig geht es um eine Schmierinfektion, bei der die Erreger – in der Regel Bakterien – durch die Harnröhre in die Blase aufsteigen und dort eine Entzündung auslösen: in 85% der Fälle sind Darmbakterien, z.B. Escherichia coli verantwortlich. Es können aber auch Viren oder Parasiten sein. Folgende Auslöser sind häufig:

  • Geschlechtsverkehr (Honeymoon Cystitis)
  • Mangelnde hygienische Sorgfalt beim Waschen des Intimbereiches
  • Störung des Harnabflusses (Katheter, Protataschwellung)
  • Unterkühlung (z.B. Sitzen auf kalten Steinen) und Nässe

Begünstigend wirken können eine Schwäche des Immunsystems z.B. durch bestimmte Medikamente (Immunsuppressiva) oder Veränderungen des Scheidenmilieus wie bei Diabetes oder während einer Schwangerschaft.

Welche Symptome weisen auf einen Harnwegsinfekt hin?

Die klassischen Anzeichen einer Blasenentzündung sind brennende Schmerzen beim Urinieren (Dysurie), häufiges Wasserlassen oder auch lang anhaltender Harndrang ohne Entleerung des Urins. Manchmal kann auch ein Druck-, Schmerz- oder Völlegefühl im Unterbauch auf einen Harnwegsinfekt hinweisen. Die Bezeichnung einer „asymptomatischen Blasenentzündung“ ist umstritten, da zwar eine bakterielle Besiedelung festgestellt werden kann, die aber nicht zu einer Entzündung führen muss.

Wenn jedoch Fieber, deutliche Abgeschlagenheit oder Schmerzen im Rücken oder Bereich der Nieren (sog. Klopfschmerz) hinzukommen, hat man es vermutlich mit einer Nierenbeckenentzündung zu tun: diese schwerwiegende Komplikation sollte unbedingt von einem Arzt mit Antibiotika behandelt werden, da sie sich im schlimmsten Fall sogar zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung (Sepsis) entwickeln kann.

Wie wird ein Harnwegsinfekt schulmedizinisch diagnostiziert und behandelt?

Neben den Symptomen wird das Vorliegen eines Harnwegsinfektes durch den Nachweis von Nitrit (Ausscheidungsprodukt der Bakterien) und Leukozyten (als Entzündungszeichen) in standardisierten Teststreifen bestimmt. Die schulmedizinisch übliche Behandlung besteht in der Gabe von Antibiotika – idealerweise sollte vorher ein Antibiogramm erstellt werden, um die Erreger gezielt anzugehen. Häufige Antibiotikagaben können über die damit verbundene Schwächung des Immunsystems jedoch zu wiederkehrenden (rezidivierenden) Blasenentzündungen führen.

Eine rechtzeitige Behandlung eines Harnwegsinfektes ist jedoch notwendig, um kritische Komplikationen wie Nierenbeckenentzündungen oder eine Chronifizierung zu vermeiden.

Grundsätzlich ist bereits eine Erhöhung der Trinkmenge oder die Einnahme harntreibender Mittel (Diuretika) hilfreich, da die Bakterien gerade im Restharn der Blase ideale Bedingungen finden und allein vermittels dieser verstärkten Durchspülung schon reduziert werden können. Auch kann eine Ansäuerung des Urins durch Vitamin C die Bakterienlast verringern.

Naturheilmittel gegen Harnwegsinfekte

Welche homöopathischen Mittel können bei einer Blasenentzündung eingesetzt werden?

Apis bei häufigem schmerzhaftem Harndrang und brennend-stechenden Schmerzen während des Wasserlassens. Der Urin wird als heiß empfunden, kommt nur in einzelnen Tropfen. Charakteristisch ist die Verschlimmerung durch Wärme, während lokale Kälteanwendungen die Beschwerden bessern.

Bei Cantharis liegt der Schwerpunkt bei dem schneidenden, brennenden, krampfartigen Schmerz. Die kleinste Urinmenge in der Blase löst starken Harndrang aus, jeder Tropfen brennt in der Harnröhre wie Feuer.

Dulcamara kann angezeigt sein, wenn jeder Unterkühlung oder Erkältung eine Blasenentzündung mit deutlichem Harndrang folgt.

Ein deutliches Gefühl von Schwere oder Druck in der Blase kann auf Lycopodium hinweisen. Es dauert oft lange, bis der Urinfluss beginnt, dieser ist teilweise übelriechend und rötlich, außerdem häufig begleitet von Blähungen.

Pulsatilla ist geprägt durch schnell zunehmenden Schmerz in der Blase, wenn nicht sofort Wasser gelassen werden kann. Die Blase scheint zu voll zu sein: ohne starke Konzentration bzw. beim Husten, Niesen oder Lachen kann es zu unwillkürlichem Urinabgang (Inkontinenz) kommen.

Bei Sepia haben die Betroffenen unwillkürlichen Urinabgang, wenn sie nicht rechtzeitig zur Toilette gelangen. Bei Frauen ist es schlimmer während der Menstruation, es kann ein Druckgefühl im Unterleib aufkommen, „als ob die Gebärmutter nach außen drängen würde“.

Staphisagria eignet sich besonders für Blasenentzündungen, die v.a. bei jüngeren Frauen nach Geschlechtsverkehr auftreten. Es dominiert das Gefühl, nach dem Wasserlassen nicht fertig zu sein, obwohl nichts mehr fließt.

(https://www.dzvhae.de/homoeopathie-fuer-patienten/dossiers/blasenbeschwerden/-1-479.html)

 

Welche Naturheilmittel können bei einem akuten Harnwegsinfekt helfen?

Cranberry (oder z.B. die einheimischen Preiselbeeren) dienen vor allem der Ansäuerung des Urins, was zu einer Reduktion der Bakterienbesiedelung führt, aber manchmal auch zu reizend wirken kann.

Birkenblätter sind in der Volksheilkunde ein klassisches Durchspülungsmittel. Sie werden häufig mit den belebenden Kräften des Frühlings in Verbindung gebracht und haben sich besonders bei Blasenentzündungen junger Frauen bewährt.

Die Goldrute ist eine milde, antibakteriell wirkende Pflanze zur Nierenanregung, deren alter Name „Heidnisch Wundkraut“ auch auf ihre heilungsfördernden Wirkungen hinweist.

Die Brennnessel ist nicht nur ein klassisches Diuretikum, sondern kräftigt und entgiftet den ganzen Organismus. Eine hervorragende Ergänzung erfährt die Brennnessel übrigens durch die Kombination mit Löwenzahn, der neben der Niere auch auf Leber, Bauchspeicheldrüse und den Darm wirkt.

Schachtelhalm wird am besten zusammen mit anderen Pflanzen zur Anregung der Nieren eingesetzt. Er ist eine der besten Quellen für Kieselsäure und wirkt damit auf das gesamte Bindegewebe.

Bärentraubenblätter sind stark antibakteriell, jedoch nicht harntreibend, so dass auf eine zusätzliche Erhöhung der Trinkmenge geachtet werden muss. Außerdem wirken sie bei basischem Harn besser.

Kapuzzinerkresse und Meerrettich sind beides stark antibakterielle und abwehrsteigernde Pflanzen (nicht nur im Bereich der Harnwege). Sie lassen sich gut als Tee einnehmen, finden sich aber auch in dem Standardpräparat Angocin®.

(vgl. Bühring, Ursel 2011. Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde)

Prophylaktische Maßnahmen zur Verhinderung eines Harnwegsinfektes

Eine ausreichende Trinkmenge ist grundsätzlich zu befürworten, so lange keine schweren Herz- oder Nierenerkrankungen vorliegen.

Eine Unterkühlung des Unterleibes reduziert neben der Durchblutung der Harnorgane auch das Immunsystem, daher sind erwärmende Maßnahmen wie Bürsten des Unterleibes, heiß-kalte Duschen oder Fußbäder hilfreich.

Zusammenfassung

Harnwegsinfekte sind vor allem bei Frauen weit verbreitet und wurden früher häufig mit Antibiotika behandelt. Das kann notwendig sein, erhöht aber auch die Gefahr eines erneuten Infektes (Rezidiv). Die naturheilkundliche Alternativ- oder Begleitbehandlung bietet daher verschiedene Methoden zur Erwärmung des Unterleibes, Erhöhung der Wasserausscheidung, Stärkung des Immunsystems und direkte Abwehr gegenüber den Erregern.

Redaktion: M.Zwiesele /Heilpraktiker

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