Schlafmangel kann Schmerzen verstärken (Studie)

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(Berkeley) Laut einer aktuellen humanexperimentellen Studie von Matthew Walker im Journal of Neurosciense (2019; doi: 10.1523/JNEUROSCI.2408-18.2018) soll Schlafmangel die allgemeine Schmerzschwelle heruntersetzen. Ursachen dafür lassen sich in einer gehemmten Aktivität in den Gehirnzentren finden, die für die Regulierung der Schmerzen zuständig sind.

Schlafmangel kann Schmerzen fördern. Copyright: auremar bigstockphoto

Niedrige Schmerzschwelle nach schlaflosen Nächten

Wer unter Schmerzen leidet, findet des Nachts keine Ruhe. Gerade chronische Schmerzpatienten haben Probleme durchzuschlafen und ihrem Körper ein ausreichendes Maß an Tiefschlaf zukommen zu lassen. Das dürfte für die meisten nichts Neues sein. Eine aktuelle Studie bringt eine neue Seite zum Vorschein.

Demnach soll das Schmerzempfinden nach einer ruhelosen Nacht höher sein. Zu diesen Erkenntnissen ist der Neuropsychiater Matthew Walker gekommen, der an der Universität von Kalifornien mit 25 Erwachsenen ein Experiment machte. Über zwei Tage hatte er mithilfe von Temperatursonden die Schmerzschwelle der Probanden gemessen. An einem ausgeschlafenen Tag bewegte sich die Schmerzschwelle bei 111 °F, was ca. 44 °C entspricht. Hatten die Probanden nicht richtig geschlafen, sank der Temperaturspiegel auf 107 °F.

Woher kommt die verstärkte Reaktion auf Schmerzen?

Durch die funktionelle Magnetresonanz-Tomographie war es den Forschern möglich, die Hirnregionen zu messen, die der Schmerzreiz aktiviert. Nach einer schlaflosen Nacht stellten die Forscher eine Steigerung der Aktivität im somatosensorischen Cortex fest. Das ist die erste Umschaltstation, an der die Signale im Gehirn eintreffen. Zum gleichen Zeitpunkt sank die Aktivität in der Inselrinde und im Nukleus accumbens. Letzteres ist ein Bestandteil im menschlichen Belohnungssystem. Zu den wichtigen  Rezeptoren in diesem Bereich gehört Dopamin. Durch die Inselrinde gelangt der Schmerz vermutlich in das menschliche Bewusstsein. Demnach sind diese beiden Zentren eine wichtige Steuereinheit für die Reaktion auf Schmerzen.

Unklar blieb bis zu diesem Zeitpunkt, warum nach einer ruhelosen Nacht, eine reduzierte Aktivität in diesen Regionen eintrat. Ein klares Ergebnis der Studie ist hingegen eine verstärkte Reaktion auf Schmerzen, wenn die Probanden unter Schlafmangel litten. Diese Erkenntnisse konnten nicht zuletzt durch eine Umfrage auf einer Crowdfunding-Plattform durch 230 Teilnehmer untermauert werden. In der Befragung lag das Hauptaugenmerk auf dem nächtlichen Schlaf in Stunden und den Schmerzen am Tag. Nach dieser Umfrage stand fest, dass selbst geringfügigere Veränderungen im Schlafverhalten zu einer Veränderung der Schmerzempfindlichkeit führen könnte.

Auch die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. sieht den Schlaf als ein wichtiges biologisches Grundbedürfnis, das sich mit Durst und Hunger vergleichen lässt. Der Mensch verbringt ein Drittel seines Lebens im Schlaf. Schmerzen stören einen ungestörten Schlaf, sodass der überwiegende Teil der Schmerzpatienten auch unter Schlafstörungen leidet.

Die meisten Probleme ergeben sich beim Ein- und Durchschlafen. Je schlechter die Patienten schlafen, desto stärker und intensiver empfinden sie wohl auch ihre Schmerzen. Zudem können Begleitsymptome wie Ängste und Depressionen dazukommen. Nicht zuletzt die eingeschränkte Leistungsfähigkeit aufgrund von Schlafmangel kann das Leben der Patienten beeinträchtigen und einschränken.

Störung der Nachtruhe im Krankenhaus

Interessante Erkenntnisse ergeben sich nach Walkers Studie für viele Krankenhäuser. Schon in vorhergehenden Studien ist deutlich geworden, dass die Arbeitsabläufe im Krankenhaus des Nachts oftmals die Nachtruhe der Patienten stören. Laut der aktuellen Ergebnisse der Studie könnten die Patienten, die zu wenig schlafen, am Tag auch mehr Schmerzmittel benötigen.

So bringt die Wissenschaft eine der natürlichsten Komponenten in die Schmerzregulierung und Therapie zurück ins Spiel. Menschen, die einen gesunden und ausgewogenen Schlaf haben, profitieren auch im Hinblick auf das Schmerzempfinden. Gerade wenn Sie unter einer Infektion oder wiederkehrenden Schmerzen leiden, sollten Sie versuchen, über regelmäßigen und ausreichenden Schlaf gegenzusteuern.

Quellen und Links

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