Schilddrüsenunterfunktion

Die Schilddrüse ist an den Stoffwechselvorgängen des Körpers beteiligt. Dazu stellt sie zwei Hormone her: Thyroxin oder Tetrajodthyronin und Trijodthyronin. Ist das Organ aufgrund einer Schilddrüsenunterfunktion an der Herstellung dieser Hormone gehindert, arbeitet der Stoffwechsel langsamer. Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Kälteempfindlichkeit und Gewichtszunahme sind die Symptome, die auf eine Schilddrüsenunterfunktion hinweisen.

schilddruesenunterfunktion

Mediziner unterscheiden zwischen einer angeborenen und einer erworbenen Schilddrüsenunterfunktion. Die sogenannte Hypothyreose liegt entweder latent oder manifest vor.

Eine angeborene Unterfunktion behindert die Entwicklung von Geist und Körper bei Neugeborenen. Dank der vorgeschriebenen Neugeborenenscreenings stellen Ärzte heutzutage eine Hypothyreose in kurzer Zeit fest und behandeln sie schnell und effektiv. Die häufigste Ursache für eine erworbene Schilddrüsenunterfunktion ist eine Autoimmunerkrankung, wobei Abwehrzellen die Schilddrüse angreifen. Es kommt zur Zerstörung oder zum Verlust des Schilddrüsengewebes.

Anatomie und Funktion der Schilddrüse

Der medizinische Fachbegriff für die Schilddrüse lautet Glandula thyroidea. Sie befindet sich unterhalb des Kehlkopfes im vorderen Bereich des Halses. Ihr Aufbau ist schmetterlingsförmig. Die größte Hormondrüse im menschlichen Körper hat durchschnittlich ein Gewicht von 25 bis 30 Gramm.

Die zwei Seitenlappen der Schilddrüse liegen neben der Luftröhre und sind durch den Schilddrüsenmittellappen verbunden. Ihre Funktion besteht darin, aus der körpereigenen Aminosäure Tyrosin und dem mit der Nahrung aufgenommenen Spurenelement Jod die Schilddrüsenhormone zu bilden. Diese sind an allen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt. Sie beeinflussen die Entwicklung des Körpers, Muskulatur, Knochenwachstum und Energiestoffwechsel. Ein weiteres Schilddrüsenhormon, Calcitonin, ist für die Regulation des Kalziumstoffwechsels verantwortlich.

Zwei Dinge nehmen Einfluss auf die Schilddrüse: die eigene Jodaufnahme und die Steuerung der Hormonbildung durch das Gehirn. Der Mensch nimmt Jod über die tägliche Nahrung auf. Für den täglichen Bedarf von 200 Mikrogramm reicht eine Ernährung mit ausreichend Fisch und jodierten Speisesalzen aus. Über das Blut gelangt das Spurenelement vom Magen-Darm-Trakt zur Schilddrüse, wo es Verwendung bei der Hormonbildung findet. Die Schilddrüse gibt die Hormone dann an das Blut ab. Den anderen Einfluss steuert der Mensch nur unbewusst durch die Zentren Gehirn, Hypothalamus und Hirnanhangsdrüse. Sind zu wenig Schilddrüsenhormone im Körper, erwirkt das Gehirn die Freisetzung von die Hormone TRH und TSH, um die Bildung der Schilddrüsenhormone anzuregen.

Definition und Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion

Eine Schilddrüsenunterfunktion oder auch Hypothyreose ist eine Unterversorgung des menschlichen Körpers mit den Hormonen, die die Schilddrüse bildet. Die Produktion der Schilddrüse deckt den Bedarf des Körpers nicht. Mediziner unterscheiden die subklinische oder latente und die manifeste Form der Schilddrüsenunterfunktion.

Eine latente Schilddrüsenunterfunktion liegt vor, wenn der Basalwert für das stimulierende Hormon TSH erhöht ist, während die Konzentration der Schilddrüsenhormone nicht auffällig ist. Die manifeste Hypothyreose zeichnet sich dadurch aus, dass die Konzentration des freien Thyroxins im Blut zu niedrig und die des TSH zu hoch ist. Die Schilddrüsenunterfunktion ist eine der häufigsten Erkrankungen des Hormonsystems. Ihre Häufigkeit nimmt mit steigendem Alter zu.

Die häufigste Form der Unterfunktion ist die primäre Hypothyreose, bei der eine Störung der Funktion der Schilddrüse vorliegt. Die seltene sekundäre Hypothyreose entsteht, wenn die Hirnanhangsdrüse die stimulierenden Hormone nicht ausschüttet. Hierbei handelt es sich um eine Störung der Hypophyse, aber nicht der Schilddrüse. Als tertiäre Hypothyreose bezeichnen Mediziner die Störung des Hypothalamus, der der Hirnanhangdrüse übergeordnet ist. Die Störung hat auch zur Folge, dass die Produktion der die Schilddrüse stimulierenden Hormone gehemmt ist. Diese Form ist äußerst selten.

Ursachen für eine primäre Hypothyreose sind angeborene Fehlfunktionen der Schilddrüse oder eine Jodverwendungsstörung. Dabei hat der Körper zwar genug Jod, die Schilddrüse baut es aber nicht in ein Hormon ein. Die erworbene Schilddrüsenunterfunktion liegt jedoch deutlich häufiger vor. Dabei ist meist ein Verlust oder eine Zerstörung des Schilddrüsengewebes die Ursache. Einer Schilddrüsenunterfunktion geht häufig eine Entzündung der Schilddrüse, meist nach einer Autoimmunerkrankung, der sogenannten Hashimoto-Thyreoiditis, voraus. Weitere Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion liegen in den Methoden zur Bekämpfung einer Überfunktion der Schilddrüse. Dazu zählen Operationen, Bestrahlung, Einnahme von speziellen Medikamenten und die Radiojodtherapie. In wenigen Fällen ist die Ursache in einer Jodunterversorgung zu suchen. In manchen Regionen in Deutschland herrscht Jodmangel.

Welche Symptome deuten auf eine Schilddrüsenunterfunktion hin?

Eine Schilddrüsenunterfunktion äußert sich nach Alter der betroffenen Personen unterschiedlich. Bei Erwachsenen sind die Symptome schwieriger als solche zu identifizieren, da sie erst bei einer starken Schilddrüsenunterfunktion auftreten. Typische Symptome für einen Erwachsenen sind:

  •         Müdigkeit und ungewöhnlich hohes Schlafbedürfnis
  •         Antriebslosigkeit
  •         Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  •         empfindlichere Reaktion auf Kälte
  •         Appetitlosigkeit
  •         Gewichtszunahme
  •         Verstopfung
  •         brüchige Nägel und brüchiges Haar
  •         blassgelbe, kühle und trockene Haut
  •         langsamerer Herzschlag
  •         Zyklusstörungen
  •         sowie Störungen der Fruchtbarkeit und Libido.

Da bei älteren Menschen die Symptome für eine Schilddrüsenunterfunktion schwieriger zu identifizieren sind, weist nur ein Labortest für den TSH-Wert die Unterfunktion deutlich aus. Aufgedunsene Haut durch Einlagerungen im Unterhautfettgewebe ist außerdem ein Zeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion.

Geschieht dies bei den Stimmbändern und der Zunge, klingt die Stimme rau und undeutlich. Erfolgt keine Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion, äußert sich dies unter Umständen in einem Myxödemkoma. Dabei ist der Patient extrem schwach und reglos, weist einen zu niedrigen Blutdruck auf und atmet nur oberflächlich. Eine solche Auswirkung verlangt intensivmedizinische Behandlung.

Neugeborene haben folgende Symptome, wenn sie unter einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion leiden:

  •         Trinkfaulheit
  •         Verstopfung
  •         Trägheit und Bewegungsarmut
  •         länger gelb gefärbte Haut

Eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion führt bei Kindern zu Entwicklungsstörungen des Körpers, der Sprache und der Intelligenz.

Diagnose und Therapie einer Schilddrüsenunterfunktion

Eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion erkennen Ärzte heutzutage schon frühzeitig. Am dritten oder fünften Lebenstag entnimmt der Arzt Blut aus der Ferse, um es auf eine Hypothyreose hin zu untersuchen.

Dabei bestimmt er den TSH-Wert. Auch bei Jugendlichen und Erwachsenen gibt der TSH-Wert Aufschluss über eine Fehlfunktion der Schilddrüse. Ist dieser erhöht, erfolgt die Bestätigung für eine primäre Hypothyreose durch die Bestimmung der Konzentration des freien Thyroxins. Eine Ultraschalluntersuchung ist außerdem hilfreich, um die Beschaffenheit der Schilddrüse zu analysieren und auf Auffälligkeiten zu untersuchen.

Die Therapie einer Schilddrüsenunterfunktion erfolgt durch Medikamente, die die fehlenden Hormone Thyroxin und Trijodthyronin ersetzen. Häufig kommt der Wirkstoff Levothyroxin zum Einsatz, aus dem im Blut Trijodthyronin entsteht. Bei einer manifesten Schilddrüsenunterfunktion nehmen Kleinkinder und Erwachsene die Schilddrüsenhormone dauerhaft und täglich ein. In regelmäßigen Abständen lassen die Betroffenen zudem ihren Hormonstatus durch einen Blutlabortest überprüfen, um die Behandlung durch die Medikamente anzupassen. Sind die Medikamente richtig eingestellt, hat die Hypothyreose keine weiteren negativen Auswirkungen auf den Patienten.

Die Wirkfähigkeit der Medikamente hängt allerdings auch davon ab, ob sich bereits ein Kropf gebildet hat und wie die Struktur des Kropfes aussieht. Hat die Größe des Kropfes bereits Nebenwirkungen oder besteht für das Gewebe der Verdacht auf Krebs, ist eine Teilentfernung der Schilddrüse ratsam. Häufig belassen die Ärzte einen Teil der Schilddrüse, um die eigene Hormonbildung weiter zu ermöglichen. Durch die Gabe von Jod nach der Operation verhindern sie eine erneute Kropfbildung.

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weitere Quellen und Literatur:

  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. Onlineversion abgerufen
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag
  • Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2009
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte

Medizinischer Hinweis:

Unsere Informationen dürfen nicht als Ersatz für eine ärztliche Diagnose oder zur Eigenbehandlung genutzt werden. Bei Beschwerden und Fragen konsultieren Sie bitte immer Ihren Arzt.
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