Fieberkrampf bei Kindern, was tun?

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Befragt man Eltern, welches die schlimmsten Erfahrungen im Hinblick auf Kinderkrankheiten sind, äußern 80 % Fieberkrämpfe bei Kindern. Auch wenn ein normaler Fieberkrampf äußerst harmlos ist, erschrecken viele vor den Anzeichen und Symptomen. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin hat in Zusammenarbeit mit Kinderärzten einen Ratgeber und eine hilfreiche Broschüre herausgegeben mit den wichtigsten Tipps und Gegenmaßnahmen bei Fieberkrämpfen. Wir wollen im Folgenden für Sie die häufigsten Fragen zum Fieberkrampf beantworten und liefern bei dieser Gelegenheit eine Liste sinnvoller Notfallmaßnahmen.

Fieberkrampf: Was ist ist das?

Zunächst einmal können Sie Fieberkrämpfe bei Kindern nicht verhindern. Sie kommen scheinbar aus völlig heiterem Himmel. Es handelt sich um zerebrale Anfälle im Zusammenhang mit fieberhaften Erkrankungen. Sie überdauern ein paar Minuten und klingen zumeist von ganz allein wieder ab.

Fieberkrampf bei Kindern © Gribanov

Die Internationale Liga gegen Epilepsie: Hier gelten Mechanismen, die Infektionen in Bezug auf das zentrale Nervensystem sowie weitere und provozierte Anfälle ausschließen. Nur wenn Fieberkrämpfe nicht auf auslösende Störungen im Gehirn zurückgehen, sind diese vollkommen harmlos. So sprechen die Fachleute in dieser Definition von zerebralen Anfallsgeschehen und alternativ von Gelegenheitsanfällen.

Eines dürfte an dieser Stelle feststehen: Kaum ein Fieberkrampf bei Kindern hat etwas mit Epilepsie zu tun!

Wie entsteht ein Fieberkrampf bei Kindern?

Auch wenn wir bereits erfahren haben, das Fieberkrämpfe bei Kindern in den meisten Fällen vollkommen harmlos ablaufen und kaum vorherzusehen sind, haben Eltern das Gefühl, es geht um Leben und Tod. Meist liegt ein vollkommen banaler Infekt der oberen Luftwege vor.

In einigen Fällen ist es zu einer Mittelohrentzündung gekommen infolge von Masern oder Röteln als Auslöser. Einige Eltern berichten selbst nach einer Impfung von Fieberkrämpfen bei ihren Kindern.

Risikogruppe: In welchem Alter bekommen Kinder einen Fieberkrampf?

Um die Risikogruppe einschränken zu können, schließen wir zumeist Fieberkrämpfe bei Babys und Kleinkindern vor dem neunten Lebensmonat nahezu aus. Sie treten hier äußerst selten auf. Zudem klingt das Aufkommen der Krämpfe nach dem fünften Lebensjahr ab. Folglich leiden Kleinkinder im Alter von 14-18 Lebensmonaten am häufigsten unter Fieberkrämpfen.

Man geht also davon aus, dass das Gehirn von Kindern in diesem Altersstadium besonders empfänglich für Krampfanfälle ist. Das Risiko erhöht sich über die Geschwindigkeit der Temperaturerhöhung. So ist  nicht immer die Höhe des Fiebers ein Auslöser für den Anfall, sondern die Geschwindigkeit, in der diese Höhe erreicht wird. Tatsächlich gibt es Kinder, die bereits bei Temperaturen zwischen 38 °C und  39 °C unter Anfällen leiden.

Fieberkrampf: Wie reagieren Eltern am besten?

Häufig sind Medikamente gar nicht notwendig. Selbst Paracetamol kann vor den Fieberkrämpfen nicht schützen. Kampflösende Medikamente sollte erst der alarmierte Arzt geben oder im Krankenhaus verabreichen. In den meisten Fällen haben sich die Anfälle zu diesem Zeitpunkt schon längst wiedergegeben.

Hier eine Notfall Checkliste, wenn es einmal zu einem Fieberkrampf kommen sollte:

  • für eine Kühlung sorgen, zum Beispiel durch einen kalten Waschlappen,
  • Kind leicht schütteln,
  • keinerlei Gegenstände in den Mund stecken,
  • Kind vor scharfen Kanten und Verletzungen schützen,
  • nicht gewaltsam oder kräftig festhalten,
  • Kind auf dem Arm halten oder flach auf den Boden legen,
  • Rettungsdienst rufen.

Bei 90 % aller Fieberkrämpfe bei Kindern sind diese bereits abgeklungen, wenn der Rettungsdienst eintrifft. Dennoch ist es ratsam, die Nothilfe zurate zu ziehen, insbesondere wenn es sich um einen komplizierten Anfall handelt.

Fieberkrampf erkennen – Synonyme & Anzeichen auf einen Blick:

  • schnell ansteigende Temperaturen (in wenigen Minuten bis auf 39 °C) verweisen auf Fieberkrämpfe,
  • bei einem Krampfanfall sind zumeist alle Gliedmaßen betroffen,
  • nur in seltenen Fällen fokussieren sich die Anfälle auf vereinzelte Glieder.
  • Die Kinder können während eines Fieberkampfes eine blaue bis blasse Färbung annehmen.
  • Die Atmung erscheint gepresst.

Wie lange dauern Fieberkrämpfe?

Die Krampfanfälle sollten sich nach maximal 10 Minuten von allein einstellen. Gehen die krampfartigen Erscheinungen über diesen Zeitraum hinaus und übersteigen eine Dauer von 15 Minuten, kann man von einer Infektion oder schlimmstenfalls von Vergiftungserscheinungen ausgehen. Hier ist es lebensnotwendig, die konkreten Ursachen für die Krampfanfälle zu finden.

In den meisten Fällen dauert ein harmloser Anfall gerade einmal 2 bis 3 Minuten. Auch wenn die meisten Eltern die Auffassung haben, die Symptome würden eine Ewigkeit andauern.

Wie Fieberkrampf vorbeugen?

Leider können Eltern nichts gegen das Aufkommen der Krämpfe tun. Sie sollten im Verlauf eines Anfalls ruhig und besonnen reagieren und sich an unsere Notfall Liste halten, um ein schnellstmögliches Abklingen herbeizuführen.

Achtung: Auch wenn sich der Ratschlag hartnäckig hält, den kleinsten Fieberzäpfchen und Wirkstoffe wie Paracetamol zu verabreichen, hat dies keinerlei Einfluss auf das Auftreten von Krampfanfällen.

Fieberkrampf: Wie oft bei Kindern ist normal?

So sind Statistiken zu der Erkenntnis gekommen, dass 3-4 % der Kinder einmal in ihrem Leben unter einem Fieberkrampf gelitten haben und 50 % der Betroffenen auch mehrere Anfälle hatten. Heute gehen die meisten Statistiken davon aus, dass es sich hierbei um ein einmaliges Ereignis handelt, das nur äußerst selten ein zweites Mal wieder auftritt.

Warum EEG bei Fieberkrampf?

Die Aufgabe der Ärzte liegt darin, andere ernst zunehmende Ursachen als das Fieber auszuschließen. Zu diesen Erkrankungen gehören Hirnhautentzündungen, die sich auch in Form von Krampfanfällen zeigen. Doch können wir Sie an dieser Stelle beruhigen, denn das Risiko dieser Erkrankungen liegt bei gerade einmal unter einem Prozent.

Besteht berechtigter Zweifel und sind die Kleinen noch unter 18 Monate alt, führen die Ärzte eine Lumbalpunktion durch. Dabei wird Gehirn- und Rückenmark-Flüssigkeit entnommen. Ebenfalls in Ausnahmefällen erfolgt ein Kernspin oder ein CT. Das ist immer dann der Fall, wenn die Kinder nach einem Anfall nicht sofort wieder zu sich kommen.

Ca. zwei Wochen nach dem Auftreten des Fieberkrampfs erfolgt oftmals ein EEG. Diese Untersuchung wird bei einseitigen Anfällen unmittelbar im Krankenhaus durchgeführt.

Die wichtigsten Facts zum Fieberkrampf bei Kindern

  1.  4 % aller Kinder leiden einmal im Leben unter einem Fieberkrampf.
  2.  Fieberkrämpfe treten häufig im Alter zwischen sechs Monaten und vier Jahren auf.
  3.  Die Krampfanfälle klingen oftmals nach 2-3 Minuten ab.
  4.  Eltern sollten ihre Kinder vor Verletzungen und Stürzen schützen und die Notfallambulanz rufen.
  5.  Oftmals klingen die Krampfanfälle beim Eintreffen des Notarztes ab.
  6.  Kinderärzte und Notärzte schließen ernst zu nehmende Erkrankungen wie die Gehirnhaut-Entzündung in einer gründlichen Untersuchung aus.
  7.  Ein Fieberkrampf bei Kindern hat kaum etwas mit Epilepsie zu tun. Auch mit fiebersenkenden Mitteln können Sie nicht vorsorgen, da die Geschwindigkeit der Temperaturerhöhung einen Fieberkrampf begünstigt.
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