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Kaufsucht – was können Angehörige tun?

Ein neuer Pulli, die neuste X-Box, ein neuer Fernseher oder das neue Handy – die Möglichkeiten zum Shoppen sind riesengroß.

Die Gefahr der Kaufsucht droht. Wir zeigen in diesem Ratgeber welche Symptome auf Kaufsucht hindeuten und was Sie als Angehöriger tun können wenn Kaufsucht in Ihrem Umfeld auftritt:

Kaufsucht Symptome
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Was ist Kaufsucht?

Ob online, im Einkaufscenter, im Urlaub, an Board eines Flugzeuges oder in der City: Winterschlussverkauf, Sale, Prozente, Prime-Day – Die Verlockungen für Schnäppchen sind groß, ebenso das Angebot. Während man früher in die Stadt musste, kann man heute ganz bequem vom Sofa aus im Internet kaufen, was das Herz begehrt.

Auch Finanzierungsangebote bei größeren Anschaffungen sind online möglich – die Hemmschwelle sinkt, auch mal etwas zu kaufen, was man sich gerade nicht leisten kann. Schwups ist das nächste Paket von Amazon da und auf dem Girokonto oder der Kreditkartenabrechnung verliert man den Überblick. Doch wann sind diese Ausreißer bedenklich?

1. Kaufsucht Symptome

Faktenblock zur Kaufsucht

  • Kaufsucht Symptome kommen schleichend
  • Kaufsucht beginnt mit harmlosen Konsum, der sich steigert
  • Kaufsucht Symptome haben sowohl körperliche als auch psychische Auswirkungen
  • Kaufsucht ist noch nicht als Krankheit in Deutschland anerkannt, da sie substanzungebunden ist (Nur Glücksspielsucht ist als substanzungebundene Sucht anerkannt)
  • Kaufsucht-Symptome werden auch in der breiten Öffentlichkeit häufig bagatellisiert

 

Wie äußern sich Kaufsucht-Symptome?

Ist jeder Kaufrausch gleich ein Hinweis auf eine Kaufsucht? Und wenn dann doch der Vedacht nahe liegt: Kaufsucht – was können Angehörige tun, wenn sie vermuten, dass jemand betroffen ist?

2. Allgemein gesprochen: Definition Suchterkrankung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkennt Sucht und Abhängigkeit seit 1957 als Krankheit an. Sie definiert Abhängigkeit als Zustand, der durch den wiederkehrenden Gebrauch von natürlichen oder synthetischen Stoffen Symptome hervorruft, welche zu chronischen oder temporären Vergiftungen führen.

Die folgenden vier Kennzeichnen beschreiben laut WHO eine Sucht-Erkrankung:

  1. unbezwingbares Verlangen nach einem Rauschmittel oder Verhalten
  2. Toleranzerhöhung, das bedeutet, die Steigerung der Dosis
  3. psychische und physische Abhängigkeit nach dem Rauschmittel
  4. Selbst- und fremdgefährdendes Verhalten

Kaufsucht – was können Angehörige tun? Hinsehen statt Weggucken!

Auf Kaufsucht-Symptome angewendet können diese vier Kriterien bedeuten:

  • unwiderstehliches Verlangen, etwas zu kaufen
  • immer kleinere Abstände zwischen den Einkaufperioden
  • psychische und physische Symptome während des Kaufrausches und bei Entzug, wenn Einkaufen nicht möglich ist
  • Selbstgefährdung durch Schulden und nicht bezahlte Rechnungen; Fremdgefährdung, wenn heimlich Kreditkarten und Konten anderer Familienmitglieder verwendet werden, um der Kaufsucht nachzukommen.

3. Kaufsucht – Wie Angehörige eine Sucht erkennen!

Eine Sucht, ganz gleich ob Kaufsucht, Alkoholsucht, Rauschmittelabhängigkeit oder Spielsucht, beginnt immer schleichend. So sind auch Kaufsucht-Symptome vorerst nichts Bedenkliches.

Doch es gibt auch Symptome und Ausprägungen, die schon in einem sehr frühen Stadium darauf hindeuten können, dass ein Mensch kaufsüchtig ist. Psychologen sprechen dann von einer Anhängigkeit, wenn über einen längeren Zeitraum nicht auf das Rauschmittel verzichtet werden kann.

Wenn der Shoppingtrip am Wochenende also ein absolutes Muss wird und höchste Priorität hat, kann dies ein erstes von vielen Kaufsucht-Symptomen sein. Wichtig ist, das Angehörige sich bewusst machen, dass die Kaufsucht-Symptome auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches sind. Ein neues paar Schuhe oder eine lange Amazon-Shopping-Liste, all dies können Hinweise für eine Kaufsucht sein. Was Angehörige tun können ist, dieses Verhalten genau zu beobachten und frühzeitig anzusprechen.

4. Kaufsucht – was können Angehörige tun? Suchtmechanismen verstehen!

Das Tückische ist: Die Psyche reagiert auf ein bestimmtes Sucht-Verhalten mit Belohnung. Das Kaufsuchtverhalten aktiviert bestimmte Botenstoffe im Gehirn, zum Beispiel Dopamin.

Dies löst bei einem Betroffenen ein Wohlbefinden aus. Durch den Gewöhnungseffekt wird das Dopamin im Gehirn jedoch schneller wieder abgebaut; „Nachschub“ ist gefragt, um das Wohlbefinden erneut zu erleben oder möglichst lange beizubehalten. Klassische Kaufsucht-Symptome können Interessenverlust an anderen Tätigkeiten, Stimmungsschwankungen, Gleichgültigkeit, Beschönigung des Kaufverhaltens oder Verheimlichungstendenzen sein.

Der Sucht nachzugehen ist bei einer Kaufsucht sehr einfach und gesellschaftlich anerkannt. Der Tag war stressig? Zur Belohnung kauft sich der Betroffene eine neue Handtasche oder ein neues paar Schuhe. Es regnet und der Wochenendausflug fällt sprichwörtlich ins Wasser, hinzu kommt ein Streit mit dem Partner? Ein Onlineshop verspricht Ablenkung ein kurzzeitiges Glücksempfinden.

5. Was können Angehörige tun? Erste Schritte.

Was können Angehörige tun, wenn Sie eine Kaufsucht vermuten? Um eine Sucht anzugehen, ist es wichtig, sich selbst einzugestehen, dass man professionelle Hilfe braucht. Daher können Angehörige in einem offenen Gespräch auf die Kaufsucht-Symptome hinweisen und ihre Sorgen äußern.

Hierbei ist eine ruhige Atmosphäre und eine verständnisvolle Haltung gegenüber dem Kaufsüchtigen wichtig. Die Vermutung einer Suchterkrankung sollte aber auf jeden Fall beim Namen genannt werden.

Werden Kaufsucht-Symptome bagatellisiert oder klein geredet, wird es für den Betroffenen umso schwerer, sich einzugestehen, dass er oder sie Hilfe benötigt, um die Kaufsucht anzugehen. Wichtig für Angehörige ist es auch, sich selbst Hilfe zu holen.

Drogenberatungsstellen beraten grundsätzlich auch Angehörige und geben unterstützende Angebote und Ratschläge sowie Hinweise auf Verhaltensweisen. Ebenfalls richten sich Selbsthilfegruppen nicht nur an Betroffene sondern auch unterstützend an Angehörige. Ein Austausch mit anderen Angehörigen, die mit Kaufsucht konfrontiert sind, kann sehr hilfreich sein.

6. Kaufsucht – Therapieunterstützung!

Idealerweise werden Kaufsüchtige in kleinen Gruppen therapiert. Gute Angebote sind jedoch deutschlandweit rar, da Kaufsucht als Suchterkrankung bisher nicht anerkannt ist. Die einzige substanzungebundene anerkannte Suchterkrankung ist bisher die Glücksspielsucht.

Das führt dazu, dass Kaufsucht-Symptome gesellschaftlich bagatellisiert werden. Um die Kaufsucht anzugehen ist es daher umso wichtiger, dass Angehörige dies nicht tun. Auch dann nicht, wenn der Betroffene nicht wie „ein typischer Suchtkranker“ aussieht: Gerade von Kaufsucht Betroffene haben ein sehr gepflegtes, äußeres Erscheinungsbild und sind immer gut gekleidet.

Wie viele Menschen deutschlandweit von Kaufsucht betroffen sind, ist schwer zu sagen. In einer guten Gruppentherapie können Kaufsüchtige gegenseitig auf Kaufsucht-Symptome aufmerksam machen und sich gegenseitig unterstützen. Diese Unterstützung können auch Angehörige übernehmen, um Betroffene bei der Überwindung der Kaufsucht behilflich zu sein. Einige wenige psychosomatische Ambulanzen bieten solche Gruppentherapien an. Allerdings übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine solche Therapie nicht.

In einer Therapie finden Kaufsüchtige heraus, in welchen Situationen sie einen Impulskontrollverlust erleiden und hemmungslos einkaufen. Im späteren Verlauf wird darauf hingearbeitet, Ersatzverhalten zu finden, um sich dennoch zu belohnen. Hierbei ist es wichtig, Angehörige mit einzubeziehen, damit sie auch im Alltag unterstützen können. Weiterhin kann es hilfreich sein, nach Abschluss der Therapie eine Selbsthilfegruppe zum Thema aufzusuchen.

So können Betroffene sich weiter mit ihrem Problem auseinandersetzen: Der Kaufsucht. Was Angehörige tun können ist, Betroffene zu diesen Schritten zu ermutigen. Als Laie vermeintlich therapeutisch tätig zu werden, um die Kaufsucht zu unterbinden, ist hingegen nicht ratsam.

7. Kaufsucht – Schulden erkennen!

Viele Kaufsüchtige haben meist längere Zeit über ihren Verhältnissen gelebt. Nicht untypisch ist es für Betroffene, auch Kreditkarten oder Konten von Angehörigen zu nutzen, um ihrem Konsumrausch nachzukommen. Als Angehöriger ist es wichtig, hier Fakten zu schaffen und entstandene Schulden aufzulisten.

Auch das Sperren von Kredit- und Kontodaten für den Betroffenen ist wichtig. Sind die Schulden nicht abzahlbar, bleibt häufig nur der Gang zu einer guten Schuldnerberatung – gerade bei Kaufsucht. Was Angehörige hier tun können ist beispielsweise einen Termin zu machen und den Betroffenen zu begleiten oder zu ermutigen.

8. Kaufsucht – Ein Fazit

Nicht jedes auffällige Verhalten muss gleich auf das Extrem hindeuten: Die Kaufsucht. Was Angehörige tun können, ist hier leider sehr begrenzt. Die Unterstützungsmotivation ist nachvollziehbar und lobenswert, doch nur in seltenen Fällen zielführend. Die Kaufsucht aufhalten oder eindämmen ist wenn überhaupt nur temporär möglich.

Viel wichtiger ist es, das offene, verständnisvolle aber klare Gespräch zu suchen und auf gute Therapieangebote aufmerksam zu machen, die bei Kaufsucht helfen. Diagnose Kaufsucht: Was Angehörige tun können, ist, sich selbst Hilfe zu suchen um gestärkt den Betroffenen unterstützen zu können. Denn nur wer selbst gut für sich sorgt, kann Kräfte bündeln und anderer Menschen in seinem Umfeld unterstützen. Geht es Angehörigen selber schlecht, der die Distanz zum Betroffenen ebenfalls eine auf lange Sicht gute Hilfe sein, um selbst wieder Kraft zu tanken.

Gemeinsam kann dann der lange Weg raus aus der Kaufsucht beschritten werden.

Für alle Betroffenen wäre es wichtig, dass die Kaufsucht als substanzungebundene Suchterkrankung – wie die Glücksspielsucht – anerkannt wird. Therapieangebote könnten so ausgebaut und die Gesellschaft für diese Suchterkrankung sensibilisiert werden. Dies würde nicht nur Betroffenen, sondern auch Angehörigen helfen!

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