Krankenhaus-Infektionen

Nosokomiale Infektion –  Entstehung, Folgen und Prävention von Krankenhaus-Infektionen

Für zahlreiche Krankheiten bestehen heute gute Heilungschancen. Den Gesundheits-Einrichtungen stehen moderne Techniken und Therapie-Möglichkeiten zur Verfügung. Allerdings erkranken in Deutschland jährlich zwischen 400.000 und 600.000 Patienten an sogenannten nosokomialen Infektionen – den Krankenhaus-Infektionen. Diese führen jährlich zu etwa 10.000 bis 15.000 Todesfällen. Vor allem für ältere Menschen, deren Abwehr-Mechanismen geschwächt sind, besteht ein erhöhtes Risiko.

Salmonellen Arzt Labor

Definition der nosokomialen Infektionen

Krankenhaus-Infektionen zählen zu den häufigsten Komplikationen während des Aufenthalts und der Behandlung in einer Gesundheits-Einrichtung. Infektionen gelten als nosokomial, wenn die Ärzte sie mindestens 72 Stunden nach Aufnahme in einer Klinik feststellen. Sie dürfen nicht bereits vor dem Krankenhaus-Aufenthalt vorhanden oder in der Inkubationszeit sein.

Ärzte unterteilen die nosokomialen Infektionen in exogene und endogene Infektionen. Bei den exogenen Infektionen nehmen die Patienten die Erreger direkt aus ihrer Umwelt auf. Mögliche Übertragende sind dabei Mitarbeiter des Krankenhauses, Besucher oder Gegenstände. Die Übertragung findet über die Luft, Tröpfchen oder den Mund statt.

 

Bei endogenen Infektionen hingegen entstehen die Krankheits-Erreger aus der körpereigenen Flora des Patienten oder werden ein Teil von ihr. Mikro-Organismen bilden sich in der Flora und besiedeln Haut und Schleimhäute. Übertragungswege sind meist medizinische Geräte wie Blasen- oder Gefäßkatheter sowie Operationsbesteck.

 

Zu den häufigsten Krankenhaus-Infektionen gehören:

  • Atemwegs-Infektionen,
  • Harnwegs-Infektionen,
  • Wund-Infektionen,
  • Infektionen durch Gefäßkatheter.

 

Entstehung von nosokomialen Infektionen

Die häufigsten Erreger von nosokomialen Infektionen sind Bakterien. Deutlich weniger oft rufen Viren oder Pilze die Infektionen hervor. Viele der Erreger sind multiresistent und lassen sich nicht mit Antibiotika bekämpfen. In einigen Fällen begünstigen diese die nosokomialen Infektionen, da sie die natürliche Darmflora reduzieren und den Darm des Patienten anfälliger für Darminfektionen machen.

Verschiedene Faktoren begünstigen die Entstehung von Krankenhaus-Infektionen. Diese lassen sich einteilen in:

  • Umwelt-Faktoren,
  • Technologie,
  • Patienten-Faktoren,
  • menschliche Faktoren.

 

Die Umwelt-Faktoren stellen die Situation eines Patienten in einer Gesundheits-Einrichtung dar. Dieser ist umgeben von anderen kranken Menschen, die ein Risiko für Infektionen darstellen. Besucher und Mitarbeiter des Krankenhauses bringen Erreger für nosokomiale Infektionen von außen mit. In manchen Einrichtungen mangelt es an Hygiene. Ärzte und Pflegekräfte desinfizieren ihre Hände möglicherweise unzureichend.

Fortschrittliche Technologien und Geräte sowie moderne Therapie-Möglichkeiten sind eine wichtige und große Hilfe für die Behandlung von Patienten in Krankenhäusern. Allerdings bergen sie zusätzliche gesundheitliche Risiken. Durch Medizintechnik wie Katheter, Dialyse- und Beatmungsgeräte gelangen Krankheitserreger in den Körper und lösen gefährliche Infektionen aus.

 

Zu den Patienten-Faktoren gehören die Erkrankungen, wegen derer ein Patient sich einer Behandlung in einem Krankenhaus unterzieht. Sie schwächen das Immunsystem und machen ihn anfälliger für Krankenhaus-Infektionen. Erreger, die sich bereits im Körper befinden, haben die Möglichkeit, sich schneller zu vermehren und auszubreiten. Operationswunden bieten eine Fläche für Wund-Infektionen. Ältere Menschen und Frühgeborene sind besonders gefährdet. Weitere Faktoren wie beispielsweise eine Mangel-Ernährung begünstigen das Ausbrechen nosokomialer Krankheiten ebenfalls.

Zu den menschlichen Faktoren gehören vor allem mangelnde Hygiene-Maßnahmen vonseiten der Ärzte und des Pflegepersonals. Begründet liegen diese häufig in zu hohem Arbeits- und Zeitdruck. Die Beschäftigten haben in diesen Fällen nicht die Möglichkeit, für ausreichende Desinfektion und Hygiene zu sorgen.

 

Schwerwiegende Folgen nosokomialer Infektionen

Vor allem für den Patienten hat eine Krankenhaus-Infektion Folgen, die ihn erheblich beeinträchtigen. Sie verschlechtert den Gesundheits-Zustand des Patienten und verzögert den Heilungsprozess seiner Erkrankung. Lebensbedrohliche nosokomiale Infektionen wie eine Sepsis oder eine Lungenentzündung führen häufig zum Tode.

 

Für das Krankenhaus selbst bedeuten nosokomiale Infektionen ebenfalls Komplikationen. Explizit schlagen diese sich in den Kosten nieder. Die Aufwendungen für Behandlungen steigen aufgrund des längeren Aufenthalts des Patienten und den zusätzlich notwendigen Therapien erheblich an.

 

 

Präventions-Maßnahmen bei nosokomialen Infektionen

Krankenhaus-Infektionen vorzubeugen, ist möglich. Besonders wichtig sind dazu die Hygiene-Maßnahmen. Das Bundesministerium für Gesundheit gibt spezielle Hygiene-Richtlinien vor. Halten sich die Krankenhäuser daran, vermeiden sie nosokomiale Infektionen. Gut geschultes Hygiene-Personal ist ebenso wichtig.

Die Gesundheits-Einrichtungen sind verpflichtet, nosokomiale Infektionen zu erfassen und dem Gesundheitsamt zu melden. Auch eine Kontrolle der Vergabe von Antibiotika ist notwendig, um multiresistente Erreger zu vermeiden. Stellen Ärzte eine Krankenhaus-Infektion bei einem Patienten fest, sind Isolierungs-Maßnahmen zu treffen, um die anderen Kranken zu schützen.

Das medizinische Personal kommt am meisten mit den Patienten in Berührung. Gezielte Aus- und Weiterbildungs-Angebote bezüglich der Hygiene sind angebracht. Besonders wichtig ist hierbei die Desinfektion der Hände. Über die der Ärzte und des Pflegepersonals gelangen die Erreger nosokomialer Infektionen am häufigsten in den Organismus des Patienten.

Das gründliche Waschen der Hände vor und nach jedem Patienten-Kontakt ist unerlässlich. Ausreichende Möglichkeiten zur Desinfektion der Hände sind von den Krankenhäusern zu stellen. Vor allem für die Arbeit auf den Intensiv-Stationen ist auf eine gründliche Reinigung und Desinfektion der Hände sowie auf hygienische Schutzkleidung zu achten.

Die Krankenhäuser selbst sowie insbesondere die medizinischen Geräte sind hygienisch, sauber und steril zu halten. Die Hygiene-Vorschriften für Gesundheits-Einrichtungen geben die notwendigen Maßnahmen vor. Mit ihrer Hilfe lassen sich nosokomiale Infektionen vermeiden und eindämmen.

 

Nosokomiale Infektionen erkennen und vermeiden

Für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem besteht ein hohes Risiko für Krankenhaus-Infektionen. Diese entstehen durch die Übertragung der Erreger durch Besucher, Mitarbeiter des Krankenhauses, andere Patienten oder medizinische Geräte. Die häufigsten nosokomialen Infektionen sind Atemwegs-, Harnwegs-, Wund-Infektionen und solche durch Gefäßkatheter. Mit entsprechenden Hygiene-Maßnahmen haben die Krankenhäuser die Möglichkeit, nosokomialen Infektionen vorzubeugen.

 

Letzte Aktualisierung am

Literatur:

  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag
  • Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2009
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte
  • Deutsches Ärzteblatt, Studien und aktuelle Nachrichten
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