Infektionen in der Schwangerschaft

Infektionen in der Schwangerschaft und im Wochenbett beängstigten die Familien bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, waren sie doch die Hauptursache der Sterblichkeit von Müttern und Kindern. Der Fortschritt der Medizin nahm den Schwangeren die Furcht, dennoch gelten Infektionen noch immer als eine der Hauptgefahren in der Schwangerschaft.

Gesundheitliche Risiken für Mutter und Kind durch Infektionskrankheiten:

Stäbchen Bakterien © norman blue - Fotolia.com
Stäbchen Bakterien © norman blue – Fotolia.com

Gefährden werdende Mütter andere Infektionen als Nicht-Schwangere?

Die Erreger, welche bei den werdenden Müttern Infektionen verursachen, sind keine anderen als bei nicht-schwangeren Frauen. In der Mehrzahl sind die Bakterien und Viren für einen gesunden Erwachsenen ungefährlich und heilen ohne Folgen aus. Für Frauen in der Gravidität bedeuten sie eine Gefahr für das ungeborene Kind. Einige Infektionen, die in früheren Jahren den Tod bedeuteten, verloren ihren Schrecken. Impfungen, Antibiotika, die Schwangerschafts-Vorsorge sowie der hohe Hygiene-Standard reduzierten die Anzahl der Sterbefälle von Müttern und Kindern vor oder nach der Geburt.

Warum sind Infektionen der werdenden Mutter für das Kind gefährlich?

Gelangen Erreger in den Körper der Mutter, erkrankt diese mit einer Verzögerung. Die Zeit zwischen dem Eindringen derselben in den Körper der Frau und dem Auftreten von ersten Symptomen bezeichnen Mediziner als Inkubationszeit, die abhängig von der Art der Infektion eine unterschiedliche Zeit dauert.

Stellen die Infektionen in der Schwangerschaft für die werdende Mutter selbst keine Gefahr dar, so besteht im Fall folgender Situationen die Möglichkeit, dass sie den Fötus oder das Neugeborene gefährden:

  • Erreger überwinden die Plazenta-Schranke und infizieren den Fötus. Während der Zeit der Organ-Entwicklung bedeutet dies unter Umständen starke Schädigungen des Kindes.
  • Viren oder Bakterien steigen im Genitalbereich der Mutter auf. Die Infektion fügt der Fruchtblase mit der Folge von Fehl- und Frühgeburten Schaden zu.
  • Das Kind infiziert sich mit dem Erreger während des Austritts aus dem Geburtskanal und erkrankt.

 

Welche Erreger gefährden das Kind?

Zu den das Kind gefährdenden Krankheits-Erregern gehören:

  • Parasiten
  • Toxoplasma gondii
  • Bakterien
  • Chlamydien
  • B-Streptokokken
  • Listerien
  • Treponema pallidum
  • Gonokokken
  • Viren
  • Mumps-Virus
  • Masern-Virus
  • Coxsackie-B-Virus
  • Herpes-Virus
  • Varizella-Zoster-Virus
  • Röteln
  • Parvovirus B19
  • HIV
  • humane Papillom-Viren
  • Zytomegalie-Virus

 

Infiziert sich das Kind zwangsläufig bei einer Infektion der werdenden Mutter?

Wie sich die Infektion auf das Kind auswirkt, hängt von der Art des Keimes und vom Entwicklungs-Stadium ab, in dem sich das Ungeborene infiziert. Es existieren Erreger, die das Kind stark bei einer Übertragung unmittelbar vor oder während der Geburt schaden und solche, die in den ersten Wochen der Gravidität Unheil anrichten. Beispielsweise eine Toxoplasmose ist im ersten Drittel der Gestation für das Ungeborene nicht gefährlich. Das Risiko steigt mit den Schwangerschafts-Monaten und erreicht seinen Höhepunkt im letzten Drittel der Gravidität.

Machte die werdende Mutter vor ihrer Gestation eine Infektion mit bestimmten Krankheitskeimen, wie beispielsweise die Röteln, durch, erlangen Mutter und Kind eine Immunität. Ein erneuter Kontakt mit dem Erreger schadet weder der Frau noch gefährdet er das Ungeborene. Bei der Toxoplasmose ist ebenso nur die Erstinfektion während der Gravidität gefährlich.

 

Die Übertragungswege der Erreger auf die Schwangere

Wie sich die Krankheitskeimer übertragen, ist jeweils vom Erreger abhängig, der die Infektion in der Schwangerschaft verursacht. Chlamydien, Hepatitis-B-Viren und Treponema pallidum gelangen durch Geschlechtsverkehr in den Körper der Schwangeren. Weitere Krankheitserreger übertragen sich durch Blut oder Urin. Mit Toxoplasmen, Listerien und Hepatitis-A-Viren verunreinigte Lebensmittel stellen ebenfalls einen Risikofaktor für die Schwangere dar, da sie diese gegebenenfalls unbemerkt verzehrt. Durch Tröpfchen infizieren sich die werdenden Mütter mit Mumps-, Masern- und Röteln-Viren. Der Kontakt mit Katzen birgt die Gefahr einer Ansteckung mit Toxoplasmen.

 

An welchen Symptomen erkennt die Frau Infektionen in der Schwangerschaft?

So vielfältig wie die möglichen Infektionen sind die Symptome nach erfolgter Ansteckung. Die Frauen klagen wie bei einer Grippe über:

  • ein allgemeines Krankheitsgefühl,
  • Muskel- und Kopfschmerzen,
  • Durchfall,
  • Fieber,
  • geschwollenen

Andere Erkrankungen wie Ringelröteln, Masern oder Röteln führen zu

  • Hautausschlägen.

Pilz-Infektionen der Scheide machen sich durch

  • Jucken und
  • Brennen im Intimbereich

bemerkbar, wohingegen eine Harnwegs-Infektion mit

  • schmerzhaftem und häufigem Wasserlassen

auf sich aufmerksam macht. Erste im Genitalbereich auftretende Herpes-Infektionen während der Schwangerschaft erkennt die werdende Mutter anhand

  • starker Schmerzen und
  • Schleimhaut-Veränderungen.

 

Wie diagnostiziert der Gynäkologe eine Infektion in der Schwangerschaft und welche Therapien sind möglich?

Der Frauenarzt erhält Hinweise auf eine Infektion durch

  • die Anamnese (Befragung zur Krankheitsgeschichte und eventueller Beschwerden),
  • eine anschließende körperliche Untersuchung,
  • Abstriche vom Gebärmutterhals und Scheidenhaut,
  • Untersuchung des Mittelstrahlurins,
  • des Blutes oder
  • der Hirnflüssigkeit.

Eine Infektion des Kindes schließt der Arzt durch

  • die Untersuchung des Nabelschnurblutes (Chordozentese),
  • des Fruchtwassers (Amniozentese) und durch
  • Ultraschall-Untersuchungen

aus.

Die Therapie erfolgt in Abhängigkeit der Infektion mit Antibiotika, Immunglobulinen, Virostatika oder in Ausnahmefällen durch Schwangerschafts-Abbruch.

 

Infektionen während der Gravidität bergen insbesondere Risiken für das Kind

Kommt es während der Schwangerschaft zu Infektionen durch Parasiten, Viren oder Bakterien, gefährden diese das Leben und die Gesundheit des Ungeborenen. Eine Ansteckung führt unter Umständen zu vorzeitigen Blasensprüngen, Fehl- oder Frühgeburt, beim Kind zu Schädigungen der Organe, Behinderungen sowie zum eventuellen Tod vor oder nach der Geburt. Mütter beugen Infektionen mit Impfungen und hygienischen Maßnahmen vor.

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weitere Quellen und Literatur:

  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. Onlineversion abgerufen
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag
  • Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2009
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte

Medizinischer Hinweis:

Unsere Informationen dürfen nicht als Ersatz für eine ärztliche Diagnose oder zur Eigenbehandlung genutzt werden. Bei Beschwerden und Fragen konsultieren Sie bitte immer Ihren Arzt.
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