Infektion der unteren Atemwege

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Schnupfen und Nebenhöhlen-Entzündung in den unteren Atemwege

Krankheiten der Atemwege zählen zu den häufigsten Ursachen für Arztbesuche. Neben Erkrankungen wie Schnupfen und Nebenhöhlen-Entzündung sind Infektionen der unteren Atemwege häufig.

Die akute Bronchitis ist im Winterhalbjahr doppelt so häufig wie im Sommer. Meistens tritt sie gemeinsam mit Entzündungen der oberen Atemwege (dem Nasen-Rachen-Raum) auf. 90 Prozent der Fälle gehen auf Viren als Erreger zurück. Auf fünf bis zehn Prozent dieser Erkrankungen folgt eine bakterielle Infektion, als Erst-Erreger sind Bakterien selten.

© Kasia Bialasiewicz - Fotolia.com
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Hartnäckiger Husten deutet auf eine akute Bronchitis

Trockener Hustenreiz ist das erste Symptom der akuten Bronchitis, häufig zusammen mit Schnupfen. In etwa der Hälfte der Fälle kommen Begleit-Erscheinungen wie Halsschmerzen, Brennen in der Brust und allgemeines Unwohlsein dazu, manchmal leichtes Fieber. Nach einigen Tagen löst sich der Husten und produziert zähflüssiges, klares Sekret. Bleibt diese Infektion der unteren Atemwege ohne Auswurf, heilt sie innerhalb von acht bis zehn Tagen ab.

Bei einigen Virustypen (Adenoviren) bleibt der Husten bis zu drei Wochen bestehen. Bessern sich die Symptome nach dieser Zeit nicht, klärt der Arzt, ob andere Erkrankungen vorliegen. Verfärbt sich der Auswurf gelb oder grünlich, deutet dies auf eine zusätzliche Infektion mit Bakterien hin. Sie vermehren sich auf der vorgeschädigten Schleimhaut und lösen weitere Entzündungen aus. In diesen Fällen ist ein Arztbesuch ratsam, um schwerere Krankheiten zu vermeiden.

 

Ott fasst in seinem Aufsatz „Die Rolle von Viren bei tiefen Atemwegs-Infektionen des Erwachsenen“ die Kenntnisse über Viren bei Infektionen der unteren Atemwege zusammen (https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0029-1215197?lang=de). Obwohl Viren die akute Bronchitis auslösen, werden 52 Prozent der Patienten mit Antibiotika behandelt. Diese Behandlung ist in den meisten Fällen wirkungslos. Nur wenn eine sekundäre Infektion mit Bakterien vorliegt, sind Antibiotika sinnvoll. Bei einer rein viralen Bronchitis hilft es, sich zu schonen und die Symptome zu lindern.

 

Vorsicht bei einer chronischen Bronchitis

Bei Patienten mit chronischer Bronchitis nehmen die Beschwerden phasenweise stark zu. Lange Zeit führten Ärzte diese infektiöse Verschlechterung auf Bakterien zurück, erst in den letzten Jahren erkennen Forscher die Bedeutung der Viren. Bei 64 Prozent der Patienten zeigen sich während dieser Phase Symptome einer von Viren ausgelösten Erkältung. Ott schildert in seinem oben genannten Aufsatz eine Studie, die in 48 Prozent der Fälle Viren im Auswurf dieser Patienten nachweist.

In 25 Prozent der Proben waren Viren und Bakterien vorhanden. Ob Viren in diesen Fällen „Wegbereiter“ für bakterielle Entzündungen sind, ist nicht klar. Anscheinend verlaufen in diesen Fällen die Infektionen der unteren Atemwege schwerer. Patienten mit chronischer Bronchitis laufen Gefahr, in den akuten Phasen Komplikationen zu entwickeln. Weltweit sind sie die vierthäufigste Todesursache. Bei folgenden Symptomen raten Ärzte zum Krankenhaus-Aufenthalt:

  • schwere Atemnot,
  • schlechter Allgemeinzustand,
  • die Symptome verschlechtern sich rasch,
  • Bewusstseinstrübung,
  • Zunahme von Ödemen,
  • neu auftretende Herz-Rhythmus-Störungen,
  • schwere Begleit-Erkrankungen.

Antibiotika sind auch bei diesen Erkrankten nicht immer nötig. Die Ärzte entscheiden nach drei Symptomen: vermehrter Husten, vermehrter Auswurf, vermehrt Eiter im Sekret. Hat der Patient alle drei Symptome (Typ I), sind Antibiotika sinnvoll. Zeigt er nur zwei (Typ II) oder ein Symptom mit Fieber (Typ III), sind diese Medikamente nur bei eitrigem Auswurf nötig.

 

Lungenentzündung: Schwierigkeiten beim Atmen

Auslöser für Entzündungen der Lunge (Pneumonie) sind in der Regel Bakterien. Der häufigste Erreger dieser Infektion der unteren Atemwege sind Pneumokokken. Pneumonien treten vor allem im Winter auf und betreffen hauptsächlich ältere oder vorerkrankte Personen. Entzündungen der Lunge entwickeln sich häufig nach einem Infekt im Hals- oder Rachenraum.

Die Patienten haben hohes Fieber (über 38,5 °C) und husten nach einer Weile grünen, gelben oder braunen Schleim ab. Die Entzündung des Rippenfells erzeugt Schmerzen beim Einatmen. Typisch ist die oberflächliche Atmung, in einigen Fällen mit Atemnot. Der Sauerstoffmangel verfärbt die Fingernägel, Lippen und Nase bläulich. In diesen Fällen erhalten die Patienten eine künstliche Beatmung.

Bei der überwiegenden Anzahl der Patienten behandelt der Arzt die Lungenentzündung, bevor er den genauen Erreger kennt. Am Anfang setzt er ein Breitband-Antibiotikum ein. Nach der Bestimmung des Keims tauscht er das Medikament gegen ein gezielter wirkendes aus. Strassburg schildert in dem Artikel „Infektionsdiagnostik in der Pneumologie“, die Methoden für die Diagnostik (https://www.thieme-connect.de/DOI/DOI?10.1055/s-0029-1243917). Wichtig ist das Zusammenspiel von Klinik, Bildgebung und Mikrobiologie, um den Erreger von rein kolonisierenden Bakterien zu unterscheiden. Die Atmung des Patienten erleichtern zusätzlich eine spezielle Atemgymnastik und Klopfmassagen des Brustkorbs.

 

Die wichtigsten Informationen im Überblick

Erreger bei einer akuten Bronchitis sind meist Viren. Sie klingen in der Regel ohne Komplikationen ab. Antibiotika sind wirkungslos.

Verschlechtert sich der Zustand von Patienten mit chronischer Bronchitis, ist Vorsicht geboten. Bei ihnen verlaufen Infektionen oftmals schwer.

Bakterien sind die häufigste Ursache von Lungenentzündungen. Antibiotika und Atemgymnastik helfen bei der Heilung.

 

weiterführend:

https://www.thieme-connect.de/DOI/DOI?10.1055/s-0029-1243917

http://flexikon.doccheck.com/de/Bronchiolitis

 

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