Herzstolpern nach dem Essen

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Das Herzstolpern ist eine Herzrhythmusstörung, die sich auf unterschiedliche Art und Weise äußern kann. Unter bestimmten Umständen wird diese Störung von den Betroffenen als sehr bedrohlich empfunden. Das Herzstolpern nach dem Essen ist ein Phänomen, bei dem die Ursache am Herzen selbst, an den Folgen der Nahrungsaufnahme oder als Kombination beider Faktoren auftreten kann.

Herzstolpern nach dem Essen
Human Heart, Herzmuskel, Copyright: Eraxion, bigstockphoto

 

Was genau ist das Herzstolpern nun?

Um das Herzstolpern zu verstehen, ist im ersten Schritt ein Blick auf das Herz und seine Rhythmusbildung notwendig.

Herzstolpern nach dem Essen - Das Wichtigste

Herzstolpern nach dem Essen – Definitionen und Erläuterungen

  1. Der Herzrhythmus wird durch definierte anatomische Strukturen autonom im Herzen selbst gebildet
  2. Ein Herzstolpern kann sich in einem verlangsamten, beschleunigten oder unregelmäßigen Puls äußern
  3. Bei übermäßigem Konsum gewisser Speisen kann ein hoher Druck auf das Herz entstehen
  4. Bestimmte Krankheiten oder Anomalien können ein Herzstolpern in diesem Rahmen begünstigen
  5. Neben direkten therapeutischen Eingriffen kann bereits im Vorfeld diesem Symptom prophylaktisch begegnet werden

Unter normalen physiologischen Umständen schlägt das menschliche, ungefähr faustgroße Herz beim Erwachsenen in Ruhe sechzig bis achtzig Mal pro Minute. Bei körperlicher und/oder psychischer Anstrengung (Stress) kann Ihr Puls auf ca. einhundertsechzig Schläge ansteigen, je nach Alter und Trainingszustand können hier auch andere Werte maßgebend sein. Dieses geschieht in aller Regel in einem gleichmäßigen Rhythmus.

Der Rhythmus im menschlichen Herzen wird, vereinfacht ausgedrückt, von folgenden anatomischen Strukturen gebildet:

  • Initial gehen die elektrischen Impulse vom Sinusknoten und damit vom rechten Vorhof aus
  • Der sekundäre Schrittmacher des Herzens ist der AV (Atrioventrikular)-Knoten, der in der Wand zwischen den beiden Vorhöfen liegt
  • Ausgehend von den beiden oben genannten Strukturen sind es dann letztendlich die His-Purkinje-Fasern, welche die Erregungsüberleitung im gesamten weiteren Herzen übernehmen

Dieser Komplex erfolgt, im Gegensatz zu anderen nervlichen Übertragungen, autonom im Herzen und wird nicht zentral vom Gehirn ausgehend gesteuert. Die Impulsgeber können sich im Bedarfsfall ersetzen. Das bedeutet, dass der AV-Knoten die Rhythmusgebung mit einer geringeren Frequenz übernimmt, wenn der Sinusknoten ausfällt. Sollte auch der AV-Knoten nicht oder nur unzureichend arbeiten, können die His-Purkinje-Fasern einen sogenannten Kammerersatzrhythmus aufbauen. Auch dieser fällt dann signifikant langsamer aus.

Demzufolge sind Herzrhythmusstörungen also Vorgänge, bei denen der „Transport“ der Reize gestört ist. Als Folge schlägt das Herz unregelmäßig, zu schnell oder zu langsam und/oder es kommen Extraschläge (Extrasystolen; umgangssprachlich auch als „Stolperherz“ bekannt) in den Rhythmus. Die Medizin unterscheidet noch auf weitere vielfältige Arten und Weisen, z.B. wo und wie das Herzstolpern entsteht.

Unter welchen Umständen kann Ihr Herz aus dem Takt geraten? Was sind mögliche Gründe?

Die Ursachen für ein Herzstolpern können angeboren sein oder erworben werden. Unter angeborenen Faktoren sind beispielsweise Herzfehler einzuordnen wie Kardiomyopathien (Vergrößerungen) .

Erworbene Herzrhythmusstörungen können Schädigungen am Organ selber beinhalten wie z.B. nach einem Herzinfarkt, aufgrund Herzklappenerkrankungen oder als Folge eines Bluthochdruckes (arterielle Hypertonie).

Als weitere Gruppe für das Herzstolpern kommen Gründe in Frage, die außerhalb des Herzens liegen bzw. primär mit diesem in keiner Verbindung stehen. Diese sogenannten extrakardialen Faktoren können vom Gehirn bei einer Unterversorgung mit Sauerstoff (Hypoxie) ausgehen. Auch nach einem Stromunfall können Herzrhythmusstörungen entstehen oder als Nebenwirkung gewisser Medikamente. Eine eher ungewöhnliche Form, nichtsdestotrotz aber von einem gewissen Stellenwert und daher unbedingt erwähnenswert, ist das Herzstolpern nach dem Essen.

Herzstolpern nach dem Essen – das kann mich tatsächlich betreffen?

Wenn Sie übermäßig viel oder blähende Speisen (z.B. Hülsenfrüchte, Kohl, Zwiebeln, Paprika, Pilze, fettes Fleisch) zu sich nehmen und das auch noch in einem kurzen Zeitraum, entsteht in Ihrem Verdauungstrakt ein im wahrsten Sinne des Wortes „explosives“ Gemisch aus Gas und Luft, das sich ausdehnt und einen starken Druck auf das Zwerchfell ausüben kann. Diese Muskelplatte, welche den Bauchraum von der Brusthöhle trennt, wölbt sich als Folge nach oben und kann nun wiederum auf das Herz drücken. Diese Kompression übt einen unmittelbaren Einfluss auf den Herzrhythmus aus und kann dieses somit ins Herzstolpern bringen. Man spricht auch von reflektorischen Herzbeschwerden.

Diese machen sich u.a. bemerkbar durch:

  •  Einen spürbaren harten, unregelmäßigen, schnellen Puls (Herzklopfen)
  •  Kaltschweißigkeit
  •  Kurzatmigkeit und allgemeine verminderte Leistungsfähigkeit
  •  Luftnot (Dyspnoe) mit Angstzuständen und Panikattacken
  •  Schwindel und Bewußtseinsstörungen
  •  Sodbrennen und Schluckstörungen
  •  Engegefühl und Schmerzen im Brustraum

Dieses Geschehen wird in medizinischen Kreisen auch (nach dem Erstbeschreiber Ludwig von Roemheld) als Roemheld-Syndrom bezeichnet und ist im internationalen Verzeichnis der Krankheiten unter der Ziffer F45.37 aufgeführt. Eine weitere Titulierung ist das Magen-Herz-Syndrom. Es ist somit nicht als eigenständige Erkrankung im ursprünglichen Sinn zu werten, sondern als Summe von begünstigenden Faktoren, die letztendlich zu der oben genannten Symptomatik führen kann.

Welche begünstigenden Faktoren gibt es für das Herzstolpern nach dem Essen?

Das Roemheld-Syndrom kann durch bestehende Anomalien oder Verwachsungen im Verdauungstrakt (z.B. eine Hiatushernie) gefördert werden.

Darüber hinaus können folgende Ursachen und Risikofaktoren in Betracht kommen:

  1.  Magen-Darm-Erkrankungen (Z.B. Gastroenteritis, Reizdarmsyndrom)
  2.  Fruktose- und Laktoseintoleranz
  3.  Krankheiten der Gallenblase und der Leber
  4.  Einnahme bestimmter Medikamente (Antazida)

Welche Möglichkeiten der Diagnose kommen für mich in Betracht?

Aufgrund der Vielfalt an Symptomen und Ursachen stellt sich eine genaue Diagnose oft langwierig und kompliziert dar und setzt einige Erfahrung voraus. An erster Stelle ist eine genaue Anamneseerhebung durch den behandelnden Arzt zu nennen. Geschulte Mediziner können hier durch Schilderung von Art und Zeitpunkt der Beschwerden sowie einer Betrachtung der Lebens- und Ernährungsumstände schon einen gezielten Hinweis erhalten, der durch eine umfangreiche körperliche Untersuchung bestätigt werden kann.

Die Diagnose kann durch bestimmte apparative Untersuchungen unterstützt werden, z.B. durch:

  •  EKG-Untersuchungen (Ruhe- und Langzeit-EKG)
  •  Ultraschalluntersuchung von Herz und Magen
  •  Endoskopische Untersuchungen des Verdauungstraktes
  •  Diverse Blutuntersuchungen
  •  Bildgebende Diagnostik wie Röntgen oder Computertomografie

Eventuell kann eine Überweisung durch den Hausarzt an einen Fachmediziner (Kardiologe, Ernährungsmediziner, Internist) notwendig sein.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Ergibt die Diagnostik einen entsprechenden Befund, bei dem das Herzstolpern ein führendes Symptom ist, sollten zum Schutz von Herz und Verdauungssystem therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden.

Ist eine Hiatushernie festgestellt worden, kann ein operativer Eingriff angezeigt sein. Liegen Entzündungen im Magen-Darm-Bereich vor, ist unter Umständen eine antibiotische Behandlung notwendig. Darüber hinaus existieren weitere medikamentöse Optionen, beispielsweise gegen übermäßige Gasansammlungen.

Was kann ich selber tun, um ein Herzstolpern im Rahmen des Roemheld-Symptomes zu vermeiden oder zu verringern?

In erster Linie geht es hierbei um die Vermeidung von auslösenden Faktoren. Sind Lebensmittel bekannt, die bei Ihnen besonders blähend und belastend wirken und somit ein Herzstolpern auslösen?

Dann sollten diese zukünftig weniger oder auch gar nicht mehr auf dem Speisezettel stehen. Eine genaue Protokollierung im Rahmen eines Ernährungstagebuches kann dabei helfen, besonders belastende Lebensmittel zu identifizieren. Auch die Unterstützung durch eine Ernährungsberatung sollte in Erwägung gezogen werden. Häufig bieten die gesetzlichen Krankenkassen entsprechende Möglichkeiten an.

Eine generelle Ernährungsumstellung ist demnach generell anzuraten. Weniger Alkohol und kohlesäurehaltige Getränke sowie die Einnahme von mehreren kleineren Mahlzeiten am Tag sind Maßnahmen, die nicht nur gegen das Herzstolpern helfen können, sondern auch generell den Organismus schonen bzw. einen Heilungsprozess fördern.

Genauso verhält es sich, wenn bei Ihnen Übergewicht besteht. Eine Gewichtsreduktion wirkt sich natürlich positiv auf den Verdauungstrakt und eventuell vorhandene anatomische Verwachsungen aus. Aber auch hier profitiert der gesamte Körper vom Gewichtsverlust. Die Atmung verbessert sich, die Gelenke werden entlastet und nicht zuletzt bringt es auch eine große Zunahme an Lebensfreude und Selbstbewusstsein.

Optimalerweise verbinden Sie dieses mit zunehmender Bewegung und Sport. Diese unterstützenden Maßnahmen potenzieren sich gegenseitig und können zu dazu beitragen, dass Ihr Wohlbefinden rasch steigt. Bewegen Sie sich viel an der frischen Luft und im Tageslicht, es wird Ihnen gut tun. Gleichzeitiges Durchführen von Entspannungstechniken und Atemübungen stellen eine sinnvolle Unterstützung dar.

Quellen:
U. Stierle – Klinikleitfaden Kardiologie, Verlag Urban & Fischer, 6. Auflage 2017
www.flexikon.doccheck.com, Abfrage 02/2018
G. Herold et al – Innere Medizin, Auflage 2013
www.apotheken-umschau.de, Abfrage 02/2018
A. Ohly – Kurzlehrbuch EKG, Verlag Urban & Fischer, 2. Auflage 2015
Prof. Dr. med. H.E. Ulmer, Universitätsklinikum Heidelberg – Herzrhythmusstörungen im Kindesalter, herausgegeben von der Deutschen Herzstiftung 2003

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