Windpocken bei Erwachsenen – Symptome und Behandlung

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Infektionskrankheit: Windpocken

Windpocken werden fälschlicherweise als reine Kinderkrankheit abgetan. Dabei kann diese Viruserkrankung auch bei Erwachsenen auftreten und zudem viel schwerer verlaufen. So ist diese Krankheit mit einem erhöhten Risiko und Komplikationen verbunden. Obendrein besteht die Gefahr, dass sich das Virus gerade im fortgeschrittenen Alter zur Gürtelrose entwickelt. Wir liefern in diesem Beitrag die wichtigsten Informationen zum Thema Windpocken bei Erwachsenen. Nur diejenigen, die bereits als Kind mit dem Varizellen-Virus in Kontakt gekommen sind oder gegen diese Krankheit geimpft sind, besitzen lebenslange Immunität.

windpocken_mannWindpocken gelten als hoch ansteckende Infektionskrankheit, an der vor allem Kinder erkranken. Wobei Windpocken auch bei Erwachsenen auftreten und zu einer wirklichen Gefahr werden können. Der juckende Hautausschlag in Verbindung mit kleinen Bläschen gilt als eines der markantesten Symptome dieser Viruskrankheit. Uns geht es im folgenden Artikel um einen Überblick über die Symptome der Windpocken und um sinnvolle Therapien und Behandlungsmöglichkeiten.

Verbreitung von Windpocken in Deutschland

Windpocken werden auch als Varizellen bezeichnet. Dieses Virus geht auf das Varizella-Zoster-Virus zurück und lässt sich den Herpesviren zuordnen. Selbst nach einer Ausheilung dieser Krankheit ist es möglich, dass die Viren im Körper verbleiben. Kommt es im Verlauf des späteren Lebens zu einer Reaktivierung dieser Viren, bricht in einzelnen Fällen sogar Gürtelrose aus. Statistische Erhebungen sprechen von ca. 750.000 Neuerkrankungen jedes Jahr allein in Deutschland.

Risikobehaftet: Windpocken bei Erwachsenen

Es handelt sich bei Windpocken oder Varizellen um eine Infektionskrankheit, die hoch ansteckend ist. Zum großen Teil erkranken wir schon als Kinder an diesem Virus, der durch die Varizellen verursacht wird. Windpocken sind den Herpesviren zuzuordnen. Verbleiben diese Viren auch nach der Erkrankung im Körper, besteht immer noch die Gefahr, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt Gürtelrose herbeiführen.

 

Der Krankheitsverlauf von Windpocken bei Erwachsenen

Das Anfangsstadium dieser Erkrankung erscheint eher uncharakteristisch. Zu den typischen Symptomen gehört der typische, juckende Hautausschlag, der in Zusammenhang mit Bläschen auftritt. In der Regel ist von einem unproblematischen Krankheitsverlauf auszugehen, der bereits nach 3-5 Tagen abgeklungen ist. Sind Sie bereits an Windpocken erkrankt, kann in diesem Fall nur eine symptomatische Behandlung weiterhelfen. Erst mit einem komplizierten Verlauf und bei Problemen behandelt der Facharzt die Erreger.

Zur Risikogruppe für komplizierte Krankheitsverläufe gehören:

  •       Neugeborene,
  •       Schwangere und
  •       Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem.

Diagnose und Symptome der Windpocken

Einen wirklichen Krankheitsbefund von Windpocken bei Erwachsenen kann nur ein Facharzt aussprechen. Er analysiert und untersucht den charakteristischen Hautausschlag und wird anhand der Anamnese eine sinnvolle Behandlung initiieren. Bei einer symptomatischen Behandlung und einem unproblematischen, gutartigen Verlauf werden jeweils nur die Beschwerden und die Begleiterscheinungen behandelt.

So verschaffen Sie sich womöglich Erleichterung:

  1.       Sie sollten sich in kühler Umgebung aufhalten. Schweiß und Wärme erhöhen den Juckreiz.
  2.       Kürzen Sie Ihre Fingernägel und vermeiden es, die Bläschen aufzukratzen. In der Folge kann es zu einer bakteriellen Entzündung kommen.
  3.       Baden Sie täglich.
  4.       Verwenden Sie lokale Medikamente, wie zum Beispiel Antihistaminika.

Überblick über die häufigsten Symptome bei Windpocken

Im Hinblick auf die Symptome von Windpocken ist von allgemeinen Krankheitssymptomen auszugehen. Die Krankheit setzt zumeist in den ersten beiden Tagen mit einem Gefühl von Schlappheit, Erschöpfung und Fieber ein. Betroffen denken, es kündigt sich eine Grippe oder Erkältung an. Am dritten Tag folgt in der Regel der charakteristische Hautausschlag. Sie stellen auf der Haut kleine, rote Flecken fest, die sich innerhalb weniger Stunden zu Bläschen entwickeln. Der unangenehme Nebeneffekt: Diese Bläschen jucken und verkrusten. In den folgenden 3-5 Tagen bilden sich immer wieder neue Bläschen.

Auf diese Weise kommt es zu einem dynamischen Hautbild im Hinblick auf die Veränderungen über den Krankheitsverlauf hinweg. Dieses charakteristische Hautbild wird aufgrund der Streuung der Bläschen als Sternenhimmel bezeichnet. Zu den typischen Stellen, an denen dieser Hautausschlag anfänglich einsetzt, gehören Gesicht und Rumpf. Im Anschluss breiten sich die Bläschen auf die Beine und Arme aus. Im Endstadium dieser Krankheit befinden sich die Bläschen in den Bereichen der behaarten Kopfhaut, im Bereich der Genitalien sowie in der Mundschleimhaut.

Wie viele Bläschen bildet ein Patient aus?

Es ist unmöglich, vorab festzustellen, wie viele Bläschen ein Patient ausbilden wird. Dies ist immer vom Individualfall abhängig. In der Regel ist von 250 bis 500 Bläschen auszugehen. Selbstverständlich zeigt ein kleines Kind vergleichsweise weniger Bläschen als ein Erwachsener. In Verbindung mit dem Hautausschlag kommt es zu Fieber von bis zu 39 °C.

Symptome bei kompliziertem Krankheitsverlauf

Bei Fieber, Abgeschlagenheit und Hautausschlag ist von einem unkomplizierten Krankheitsverlauf und den damit verbundenen Anzeichen auszugehen. Diese Symptome erfahren im Hinblick auf einen komplizierten Verlauf dieser Erkrankung eine Wandlung. Neben Fieber und Hautausschlag treten weitere Symptome auf, die bis auf die Gliedmaßen ausstrahlen:

  1.        Das Gefühl der Nackensteife und eine gewisse Unsicherheit im Gang, wenn das Nervensystem angegriffen wurde.
  2.        Im Zuge einer Lungenentzündung kann es zu Atemnot kommen.
  3.        Infiziert sich eine schwangere Frau mit Windpocken, ist es möglich, dass beim ungeborenen Kind Fehlbildungen infolge der Infektion auftreten.

Gefährliche Symptome bei Erwachsenen

Nur bei ca. 5,7 % aller Erkrankungen kommt es zu leichten bis mittelschweren Komplikationen. Aufgrund der gegenwärtigen Impfprogramme kann die Rate der Neuerkrankungen mit 2,5 bis 7 von insgesamt 100.000 Deutschen auf einem relativ geringen Niveau gehalten werden. Einige der häufigsten Komplikationen, die bei 0,2 bis 0,3 % der erkrankten Erwachsenen auftreten, ist die Lungenentzündung bzw. die bakterielle Superinfektion, die zumeist von Staphylokokken hervorgerufen wird. Zu weiteren schweren Komplikationen kommt es im Hinblick auf das Reye-Syndrom. Hier ist von einer Entzündung des Gehirns auszugeben. Eine weitere, äußerst seltene, aber dennoch sehr schwere Komplikation in Verbindung mit den Windpocken ist die Veränderung der Blutgefäße. Diese kann in äußerst seltenen Fällen zu Schlaganfällen führen und wird als Angiopathie bezeichnet.

Bleiben nach der Erkrankung Narben zurück?

Auch nach der Erkrankung können Narben als Folge des Hautausschlags zurückbleiben. Zu dieser Narbenbildung kommt es erst dann, wenn eine Entzündung der Blasen auftritt. Diese Entzündung wird durch Bakterien hervorgerufen. Kratzt ein Patient die Bläschen auf, verteilt sich die Flüssigkeit und über die Bakterien kommt es in der Folge zu einer Entzündung. Es ist in jedem Fall empfehlenswert, dem Juckreiz nicht nachzugeben und die Bläschen nicht aufzukratzen. Alle anderen Symptome dieser Krankheit bleiben zumeist folgenlos.

So erkennen Sie den Windpocken-Ausschlag

Fachärzte sprechen in Verbindung mit dem Verlauf der Windpocken von einer Inkubationszeit von 10 bis 21 Tagen. Aus einigen juckenden, roten Flecken entstehen später Knötchen. Im Inneren der Knötchen entsteht ein reiskorngroßes Bläschen. Im Hinblick auf die Form lässt sich zumeist eine leicht eingedellte Form der Bläschen feststellen. Im Endeffekt platzen die Bläschen auf und es kommt zur Bildung einer hellbraunen Kruste.

Windpocken
Windpocken nicht nur bei kindern. © Dan Race – Fotolia.com

Windpocken bei Schwangeren

Bei 3 bis 4 % aller Frauen, die sich im gebärfähigen Alter befinden, können keinerlei Antikörper ausgebildet werden. So sind diese Frauen empfänglich für diese Krankheit und gehören zur Risikogruppe. Wobei Windpocken gerade in der Schwangerschaft selten auftreten. Statistische Erhebungen sprechen von 1 bis 7 Fällen auf 10.000 Schwangere. Jedoch stellen Windpocken bei Schwangeren ein erhebliches Risiko für das Ungeborene aus. So erhält diese Erkrankung im Hinblick auf die Schwangerschaft erhöhte Beachtung. Die jeweilige Ausprägungsform einer möglichen Schädigung ist von dem Zeitpunkt abhängig, an dem die Infektion übertragen wurde. Es kann in diesen Zusammenhang zu unterschiedlichen Symptomen, wie zum Beispiel Hautdefekten und folgenreiche Schädigungen des Nervensystems, kommen.

Die Gefahr der Gürtelrose

Nur wenige wissen, dass es in Verbindung mit den Windpocken bei 20 % aller Patienten später zur Gürtelrose kommen kann. Es sind die Patienten betroffen, die als Kind schon einmal die Windpocken Viren durchgemacht haben. Die verbliebenen Varizella-Zoster-Viren wandern an den Nervenfasern entlang und verbleiben dort über Jahre. Kommt es zu einer Schwächung des Immunsystems in Verbindung mit Stress, ist es möglich, dass sich diese Viren wieder reaktivieren und bei den betroffenen Nervenbahnen die Gürtelrose verursachen. Ebenso wenige wissen, dass Patienten, die unter einer Gürtelrose leiden, die Viren der Windpocken auf Ungeschützte übertragen können.

Nur bei schwereren und komplikationsreichen Verläufen behandelt der Arzt die Erreger. In diesem Fall nehmen Sie Antibiotika ein. Wobei zum größten Teil nur Menschen mit einem schwachen Immunsystem zu diesen Medikamenten greifen.

Windpocken bei Erwachsenen: komplizierte Krankheitsbilder

Im Regelfall verläuft diese Erkrankung komplikationsfrei. In diesem Fall gehört das Aufkratzen der Bläschen zu den gängigen Störfaktoren, denn dies führt unwiderruflich zu Entzündungen. Außerdem besteht die Gefahr eines schweren Verlaufs, vor allen bei Schwangeren und geschwächten Personen.

In seltenen Fällen kommt es zu den folgenden Krankheitsbildern:

  1.       bakterielle Superinfektion
  2.       Varizellenpneumonie – eine lebensgefährliche Lungenentzündung
  3.       Infektion des Nervensystems = Gehirnentzündung
  4.       Erkrankt eine Mutter in den ersten sechs Schwangerschaftsmonaten an Windpocken, besteht die Gefahr des fetalen Varizellen-Syndroms bei Ungeborenen. Hier kann es zu Hautveränderungen, aber auch zu Fehlbildungen des Nervensystems kommen. Zum Teil treten Schädigungen des Knochenapparats auf.
  5.       Bei Babys und Mütter kann es zu schwer verlaufenden, neonatalen Windpocken kommen und der Virus schlägt sich auf die Hornhaut, das Herz, die Gelenke und die Nieren nieder.

Immunisierung – Impfung gegen Windpocken

Pro Jahr treten in Deutschland ca. 750.000 Windpocken Neuerkrankungen auf. Mehr als 95 % aller Erwachsenen in Deutschland weisen in ihrem Blut bereits eine früher vorhergehende Windpockenerkrankung auf. Mit dem Jahr 2004 hat die Impfkommission – kurz STIKO – eine Empfehlung für Kinder und Jugendlichen ausgesprochen, sich gegen Windpocken impfen zu lassen. Es handelt sich dabei um die Varizellen-Impfung.

Über eine Impfung gegen Windpocken können Sie der Infektionskrankheit aus dem Weg gehen. Sind Sie bereits als nicht geimpfte Person in Ihrer Kindheit in Kontakt mit Windpocken gekommen, so können Sie sich immer noch gegen bestimmte Windpockenerkrankungen impfen lassen. In diesem Zusammenhang ist von der Passivimpfung auszugehen. Erkranken Sie im Privathaushalt an Windpocken, ist nichts weiter zu beachten.

Lediglich im Krankenhaus werden Windpockenpatienten isoliert, um eine weitere Ausbreitung dieser Krankheit zu verhindern. Seit 2013 ist ein Ausbruch von Windpocken bei Erwachsenen und Kindern dem zuständigen Gesundheitsamt zu melden. Erst nach einer Woche einer unkomplizierten Windpockenerkrankung dürfen Patienten Gemeinschaftseinrichtungen, wie zum Beispiel Schulen, wieder betreten.

 

weiterführenden Information:

http://www.guertelrose-infektion.de/symptome.html
https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/windpocken/

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