Tollkirsche in der Homöopathie

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Naturheilkunde mit dem Tollkirschen Gift

Atropa Belladonna

Die Tollkirsche (Atropa Belladonna) ist eine Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse. Sie enthält einige stark giftige Alkaloide, die für ihre toxische Wirkung verantwortlich gemacht werden. Unter anderem wurde sie als psychoaktive Pflanze eingesetzt und soll Bestandteil der „Flugsalbe“ der Hexen gewesen sein. Das Alkaloid Atropin bewirkt eine Pupillenerweiterung, weshalb sich Frauen den Saft der Tollkirsche in früheren Zeiten in die Augen getropft haben, um attraktiver zu wirken (daher der Name Belladonna = schöne Frau). Die Tollkirsche gehört zu den großen Mitteln in der Homöopathie, das bereits von Samuel Hahnemann intensiv geprüft wurde, so dass es über einen breiten therapeutischen Bereich verfügt (= Polycrest).

 Belladonna-Pillen.
Flaschen mit homöopathischen Mitteln. Belladonna-Pillen. Urheber: milanmarkovic / 123RF

 

Welches sind die Leitsymptome der Tollkirsche als homöopathisches Mittel?

Alle Krankheitserscheinungen sind von äußerster Heftigkeit gekennzeichnet und treten plötzlich auf. Die betroffenen Körperregionen sind meistens von einer brennenden, aber trockenen Hitze erfüllt, dennoch haben die Patienten meist keinen Durst. In der Regel tritt schnell ansteigendes Fieber mit Schüttelfrost und heißem Schweiß auf, das typischerweise begleitet ist von Nervenschmerzen, die ebenso rasch wieder verschwinden, wie sie aufgekommen sind. Häufig herrscht ein starker Blutandrang zum Kopf hin, die Pupillen sind oft erweitert, wobei das Gesicht hochrot ist und oft ein deutliches Pulsieren der Halsschlagadern zu sehen ist. Gleichzeitig sind die Hände und Füße meistens kalt.

 

Welches sind die wesentlichen Einsatzgebiete der Tollkirsche in der Homöopathie?

Neben der klassischen Homöopathie, in der hohe Potenzen ab C30 verwendet werden und das Arzneimittelbild eine entscheidende Rolle spielt, ist die Tollkirsche eines der wichtigsten Akutmittel, das bei konkreten Beschwerden schnelle Hilfe versprechen soll. Vielversprechend ist Belladonna speziell im Anfangsstadium plötzlich auftretender Erkrankungen, die mit sehr heftigen Symptomen einhergehen. Dazu gehören besonders Entzündungen der Atemwege und grippale Infekte mit hohem Fieber, aber auch Schmerzen sowie Erkrankungen des Verdauungsapparates oder der Haut. Dies macht die Tollkirsche zu einem der wichtigsten Kindermittel in der Homöopathie.

 

Wie stellt sich das Arzneimittelbild bei Belladonna dar?

Die Gemütslage der Betroffenen ist geprägt von intensiver Angst und Zorn: sie fühlen sich grundsätzlich bedroht, was sich in starker Ruhelosigkeit und Erregung ausdrückt. Alle Sinne sind extrem empfindlich, so dass jeder Reiz überfordert, auch Halluzinationen kommen vor. An sich friedliche Menschen werden in diesen Zuständen unausstehlich: ein Engel, wenn gesund, aber ein Teufel, wenn krank.

Erkrankungen der Atemwege und grippale Infekte sind ein wesentlicher therapeutischer Bereich, in dem die Tollkirsche eingesetzt werden kann: häufig kommen akute Halsschmerzen mit starker Heiserkeit und tonloser Stimme sowie Schluckbeschwerden wegen geschwollener Mandeln und trockener Schleimhäute vor. Meistens tritt ein trockener, krampfartiger und bellender Husten auf, der oft von hohem Fieber begleitet ist. Kopfschmerzen treten typischerweise im Stirnbereich auf und strahlen bis zum Hinterkopf aus. Jede Bewegung oder Erschütterung kann starken Schwindel auslösen. Hilfreich ist der Einsatz auch bei Erkrankungen der Sinnesorgane: Entzündungen der Nasennebenhöhlen können mit Belladonna behandelt werden, bei der Mittelohrentzündung gilt die Tollkirsche sogar als homöopathisches Hauptmittel. Bindehautentzündungen sind oft gekennzeichnet von roten, trockenen Augen, die bei Bewegung schmerzen und sehr lichtempfindlich sind. Als Auslöser der Beschwerden kommen häufig Kälte, Zugluft oder auch Überhitzung bzw. Überanstrengung in Frage.

Hauterkrankungen sind eine weitere wichtige Indikation für die Tollkirsche, wenn die charakteristische Rötung und Erhitzung vorkommen: von akuter Akne über berührungsempfindliche Abszesse und Furunkel (eitrige Geschwüre) bis hin zu feuerrotem Sonnenbrand können mit Belladonna behandelt werden.

Ein weiteres Anwendungsgebiet stellen Schmerzen dar: klassischerweise können Kopfschmerzen bis zur Migräne mit starker Reizempfindlichkeit der Kopfhaut und der Sinnesorgane auf Belladonna hinweisen, besonders wenn eine Erweiterung der Pupillen zu sehen ist. Daneben reagieren Patienten mit Gelenkentzündungen, Rückenschmerzen oder Gicht häufig gut auf die homöopathische Behandlung mit der Tollkirsche, v.a. wenn die Schmerzen schnell kommen und gehen sowie durch Wärme verbessert werden. Aber auch plötzlich auftretende, pochende Zahnschmerzen können von einer solchen Behandlung positiv beeinflusst werden.

Das vierte große Gebiet von Belladonna sind die Unterleibsbeschwerden: dies reicht von kolikartigen Bauchschmerzen bei Kindern bis zu schmerzhaften Blasenentzündungen mit teilweise hohem Fieber. Auch krampfartige Schmerzen vor und während der Menstruation oder in den Wechseljahren lassen an die Tollkirsche denken, besonders wenn Sie von starken, hellroten Blutungen sowie einem heißen Kopf und kalten Händen begleitet werden.

 

Welche Modalitäten herrschen vor?

Jedes homöopathische Mittel ist durch bestimmte Einflüsse oder Bedingungen (Modalitäten) gekennzeichnet. Verbessert wird der Zustand der Betroffenen häufig durch Wärme und Ruhe, bei Bauchschmerzen bringt Krümmen nach vorne, bei Kopfschmerzen das Biegen nach hinten Erleichterung. Eine Verschlechterung der Symptome erfahren Belladonna Patienten oft durch starke Sonneneinwirkung oder Zugluft. Jegliche Berührungen des Kopfes wie beim Waschen oder Haareschneiden sowie die geringste Bewegung können den Zustand verschlimmern.

In welcher Potenz wird die Tollkirsche verabreicht?

Aufgrund der ausgeprägten Giftwirkung ist Belladonna erst ab der Potenz D4 (einer Verdünnung von 1:10000) frei erhältlich. Für den Hausgebrauch empfiehlt sich die Potenz D6 oder D12, von dieser werden 5 mal täglich 5 Globuli (Streukügelchen) im Abstand von mindestens 15 Minuten zu den Mahlzeiten eingenommen, bis eine Besserung eintritt.

Zusammenfassung

Die Tollkirsche (Atropa Belladonna) ist in der Homöopathie ein wichtiges Mittel bei plötzlich (ohne Vorwarnung) auftretenden, heftigen Beschwerden: häufig können Schmerzen, Entzündungen, Krämpfe oder fieberhafte Erkrankungen gut damit behandelt werden. Charakteristisch sind die hitzige Qualität der Krankheitszustände sowie eine starke Überreizung des Nervensystems, was sich in einer rastlosen, aggressiven Grundstimmung, Ängsten und Wahnvorstellungen ausdrücken kann. Aufgrund des umfassenden Behandlungsspektrums und der akuten (vorübergehenden) Natur der Beschwerden ist Belladonna auch für die Eigenbehandlung relativ gut geeignet. Bei tieferliegenden psychischen oder organischen Erkrankungen sollte jedoch auf jeden Fall professionelle Hilfe bei einem fähigen Arzt oder Heilpraktiker gesucht werden.

weiterführende Quellen:

https://books.google.de/books?id=Azt7T3-humcC&pg=PA130&dq=belladonna+boericke&hl=de&sa=X&ved=0CC4Q6AEwAGoVChMI-oXt7LqOyQIVxIksCh1V_A49#v=onepage&q=belladonna%20boericke&f=false

http://www.zeno.org/Kulturgeschichte/M/Hahnemann,+Samuel/Reine+Arzneimittellehre/Erster+Theil/Belladonne,+Atropa+Belladonna

Redaktion: Zwiesele, Heilpraktiker

 

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