Stechen im Unterleib Ursachen bei Frauen und Männern

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Andauerndes Stechen im Unterleib rechts oder links richtig zuordnen und reagieren

Schmerzen dienen immer als Warnsignal des Organismus, das die Aufmerksamkeit auf einen Bereich des Körpers lenken soll. Ein Stechen im Unterleib ist dabei entgegen der häufig gehörten Äußerung nicht nur ein Problem, mit dem Frauen sich konfrontiert sehen. Für beide Geschlechter gibt es verschiedene Ursachen, auf die das Stechen im Unterbauch hindeutet und auf die Sie reagieren müssen.

Stechen im Unterleib
Plötzliches Stechen im Unterleib Copyright: PRImageFactory bigstockphoto

Mögliche Ursachen von Stechen im Unterleib

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen befinden sich im unteren Bauchbereich die Geschlechtsorgane, die Harnblase samt Harnröhre und die unteren Darmabschnitte inklusive Blinddarm und Wurmfortsatz. Ist einer dieser Bereiche von Verletzungen oder Entzündungen betroffen, kann es zu einem Stechen im Unterleib kommen.

Damit Sie eine schnelle Übersicht zur Hand haben, hier die häufigsten Ursachen für beide Geschlechter im Überblick:

  •  akute oder chronische Verdauungsstörungen
  •  Blinddarmentzündung
  •  Infektion der Harnblase oder der Harnwege
  •  Verletzung oder Verschluss eines Blutgefäßes (Ruptur und Thrombose)
  •  psychosomatische Ursachen

 

Stechen im Unterleib beim Gehen und Laufen

Der Darm als Ursache

Darmerkrankungen können sehr vielfältig ausfallen und reichen von leichten Verstopfungen über Entzündungen bis hin zu Tumoren. Entsteht ein Problem im Darm, äußert sich dies häufig durch Stechen im Unterleib. Mögliche Ursachen sind:

  1.  eine akute Entzündung des Wurmfortsatzes („Blinddarmentzündung“) mit meist starken, punktuellen Schmerzen
  2.  eine Verletzung der Darmwand, bei größeren Rupturen samt Einblutungen in den Bauchraum
  3.  eine akute Infektion, die zumeist mit Durchfall und Fieber einher geht
  4.  chronische Infektionen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
  5.  ein Leistenbruch, durch den die inneren Organe nicht mehr durch die innere Bauchdecke in Position gehalten werden
  6.  Krebs in unterschiedlichen Ausprägungen
Stechen im Unterleib
Plötzliches Stechen im Unterleib Copyright: PRImageFactory bigstockphoto

Schmerzen im Unterleib durch Probleme im Harnsystem

Bei Männern und Frauen kann ein Stechen im Unterleib nicht nur Probleme mit der Verdauung fester Nahrung anzeigen, sondern auch die Verdauung von Flüssigkeiten betreffen. Im Detail kann das bedeuten, dass es sich um eine der folgenden Erkrankungen handelt:

  •  eine Blasenentzündungen, meist samt Schmerzen beim Urinieren
  •  Blasen- oder Harnleitersteine, oft samt leichter Blutungen und Krämpfen
  •  eine Nierenbeckenentzündung mit Fieber sowie Schüttelfrost
  •  eine Reizblase, bei der Stechen im Unterleib mit starken Harndrang einher geht

 

Ein Blick auf das Gefäßsystem

Wie im gesamten Körper befindet sich auch im Unterbauch ein komplexes Geflecht an Blutgefäßen. Stechen im Unterleib kann daher auch auf ein Problem innerhalb der Gefäße hindeuten. Denkbar ist:

  •  eine Thrombose, wobei der Verschluss des Gefäßes zunächst ein Schweregefühl und eventuelle Schwellungen sowie bläuliche Verfärbungen auslöst
  •  eine Krampfader, die durch den Druck zu einem Stechen im Unterleib führt
  •  eine Ruptur, bei der es zu inneren Blutungen und daher auch einem Kreislaufschock kommen kann

 

Stechen im Unterleib – Die Bedeutung der Psyche

Ein Stechen im Unterleib muss nicht in jedem Fall bedeuten, dass ein unmittelbares, organisches Problem vorliegt. Da der Körper und die Psyche eine feste Verbindung besitzen, können anhaltender Stress und andere, seelische Probleme ebenfalls zu spürbaren Schmerzen führen. Diese sind nicht eingebildet, sondern psychosomatisch! Zugrunde liegen kann:

  •  Erschöpfung durch akuten Schlafmangel
  •  ein Burn-out
  •  Depressionen
  •  sexuelle Unausgeglichenheit
  •  eine Angststörung
  •  ein Trauma

Häufig sind die Beschwerden in diesem Fall sprunghaft und es können sich komplett schmerzfreie Phasen mit heftigen Schmerzen abwechseln. Beobachten Sie Ihre mentale Verfassung und notieren Sie sich am besten, an welchen Tagen Sie sich seelisch besonders gut oder auch schlecht fühlen. Fallen eher negative Tage mit dem Stechen im Unterleib zusammen, ist das ein Indiz für psychosomatische Gründe.

 

Frauenspezifische Unterleibsschmerzen

Aufgrund der innen liegenden Geschlechtsorgane kann ein Stechen im Unterleib bei Frauen auch unmittelbar mit Problemen der Eierstöcke, Gebärmutter oder Scheide zusammenhängen.

Treten die Beschwerden kurz vor oder während der monatlichen Blutung auf, kann es sich beim Stechen im Unterleib um die typischen Krämpfe des Uterus handeln. Die Gebärmutter zieht sich immer wieder zusammen, um die aufgebaute Schleimhautschicht zu lösen und bei der Menstruation aus dem Körper zu befördern. Die Menstruationsbeschwerden werden auch unter dem Namen Dysmenorrhö zusammengefasst. Einige Frauen spüren ein kurzzeitiges Stechen im Unterleib in der Zeit zwischen zwei Regelblutungen. Dabei handelt es sich um den gerade stattfindenden Einsprung. Die Beschwerden sind jedoch nur minimal und kurzzeitig.

Tritt ein Stechen im Unterleib beständig oder besonders stark auf, besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass die Geschlechtsorgane erkrankt sind.

 

Stechen im Unterleib, Mögliche Krankheiten, die abgeklärt werden sollten, sind:

  •  eine Endometriose, also Schleimhaut außerhalb der Gebärmutter. Sie verursacht oft Stechen im Unterleib und gilt daher als Erstverdacht.
  •  eine Eileiterschwangerschaft, die aufgrund der befruchteten Eizelle mit einer ausbleibenden Blutung einher geht.
  •  eine Fehlgeburt mit starken Blutungen.
  •  verdrehte Eierstockzysten, die durch ihre Bewegung Blutgefäße stören können.
  •  Entzündungen wie sie beispielsweise Chlamydien auslösen. Meist kommt es auch zu einem permanenten Ausfluss, da der Körper versucht, sich selbst zu reinigen.
  •  Eierstock- oder Gebärmutterhals- sowie Gebärmutterkrebs meist samt unregelmäßiger Blutungen.
  •  Myome, sprich Polypen in der Gebärmutter samt Blutungsstörungen.

 

Männerspezifische Unterleibsschmerzen

Passend zu den Geschlechtsorganen des Mannes gibt es auch eine Reihe von Gründen für das Stechen im Unterleib, die nur bei Männern auftreten:

  •  Eine Hodentorsion, bei der die Schmerzen auch in den Unterbauch strahlen. Häufig lässt sich jedoch das Zentrum der Schmerzquelle in den Hoden ausmachen und es kommt darüber hinaus zu einer Verfärbung des Hodensackes. Da es sich um eine gefährliche Verdrehung des Organs handelt, muss sofort der Notarzt gerufen werden! Bleibt Hilfe aus, kann es zu einem Absterben des Hodens kommen.
  •  Eine Entzündung der Vorsteherdrüse, die nicht nur zu einem Stechen im Unterleib führt, sondern meist auch Probleme beim Wasserlassen verursacht. Eine solche Prostataentzündung kommt entgegen der allgemeinen Meinung auch bei jungen Männern bereits vor. Die meisten Betroffenen verspüren ein Stechen im Unterleib auch beim Ejakulieren.
  •  Eine Entzündung in den Hoden und/oder Nebenhoden, die meist die Folge einer bislang unentdeckten und unbehandelten Harnwegsinfektion ist.
  •  Eine Samenblasenentzündung, die ebenfalls neben Schmerzen das Urinieren erschwert.
  •  Prostatakrebs im fortgeschrittenem Stadium. Zuvor ist er meist schmerzfrei und daher schwer zu entdecken.

 

Der Besuch beim Arzt ist bei anhaltenden Stechen im Unterleib angeraten

Folgende Verläufe fordern ein sofortiges Vorstellen beim Arzt:

  1. sich über Stunden steigernde Schmerzen
  2. Wenn zum Stechen im Unterleib heftige Übelkeit und Erbrechen kommen
  3. plötzliches Fieber, häufig mit Schüttelfrost
  4. sichtbares Blut im Urin oder Kot
  5. niedriger Blutdruck und gleichzeitig hoher Pulsschlag (möglicher Zeichen eines inneren Blutverlustes)

Ein sofortiger Termin beim Hausarzt oder ein Besuch in der Notaufnahme ist bei diesen Verläufen notwendig!

Halten sich die Schmerzen im Unterleib in Grenzen, treten jedoch immer wieder auf, sollten Sie ebenfalls zur Abklärung einen Termin beim Hausarzt vereinbaren. Dieser kann nach Anamnese und einer allgemeinen Untersuchung bestimmen, bei welchen Fachärzten eine weiterführende Untersuchung sinnvoll ist.

Infrage kommen Besuche beim Gynäkologen oder Urologen, beim Gastroenterologen und eventuell bei einem Neurologen.

 

Die Mediziner haben verschiedene Möglichkeiten, dem Stechen im Unterleib auf den Grund zu gehen. Die meisten Untersuchungen, die stattfinden können, erfordern keine stationäre Einweisung.

1. Zunächst erfolgt eine eingehende Anamnese, bei der Sie zum Stechen im Unterleib und weiteren Symptomen befragt werden. Antworten Sie auch auf Fragen, die Ihnen peinlich erscheinen, etwa beim Thema Geschlechtsverkehr. Nur so kann der Arzt ein umfassenden Bild von den Beschwerden erhalten.

2. Es schließt sich eine Untersuchung an, bei der zunächst Ihr Unterbauch betrachtet und vorsichtig abgetastet wird. Auffällige Veränderungen der Hautfarbe, Schwellungen und auch Druckbeschwerden sowie Verhärtungen lassen sich auf diese Weise schnell überprüfen.

3. Bei beiden Geschlechtern wird bei unklarem Befund ein Ultraschall durch die Bauchdecke durchgeführt. Bei Frauen kann sich noch eine gynäkologische Betrachtung anschließen, bei der beispielsweise ein Scheidenabstrich gemacht wird.

4. Sinnvoll ist die Entnahme einer Blutprobe, die zeitnah im Labor analysiert wird. Entzündungsmarker sowie Antikörper werden auf diese Weise erkannt und lassen Rückschlüsse auf die Erkrankung zu.

5. Gegebenenfalls muss eine Darmspiegelung angesetzt werden, wenn eine Verletzung im Verdauungstrakt befürchtet wird. Liegt die Ursache noch weiter oben, ist auch eine Bauchspiegelung notwendig.

 

Die Behandlung richtet sich nach der Diagnose und kann je nach Krankheit sehr unterschiedlich ausfallen. Häufig verschreiben Ärzte zunächst Schmerzmittel, um die akuten Symptome zu bekämpfen. Liegen Krämpfe zugrunde, können auch krampflösende Wirkstoffe verabreicht werden. Lebensgefährliche Verletzungen im Darmtrakt, der Blase oder den Geschlechtsorganen müssen meist im Krankenhaus versorgt werden. Eine Operation ist beispielsweise bei einem Blinddarmdurchbruch oder einer Eileiterschwangerschaft nicht zu vermeiden. Langwierigen Leiden wie Krebsformen oder auch Morbus Crohn muss mit einer dauerhaften, konsequenten Therapie begegnet werden.

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