Schwache Blase in der Nacht

Nachts oft auf Toilette?  .. so kann man den Harndrang nachts reduzieren:

Am Tag ist Ihr Harndrang völlig normal, doch dann treibt Sie eine schwache Blase nachts regelmäßig aus dem Bett? Der Fachbegriff dafür lautet Nykturie. Von ihr spricht man, wenn der nächtliche Gang zum WC öfter als zwei Mal erfolgt. Der übermäßige Harndrang kann sowohl bei Frauen als auch Männern in jedem Alter auftreten und ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Diesem gilt es auf die Spur zu gehen, um nach dem Erkennen der Ursache eine wirksame Therapie zu beginnen.

schwache Blase in der Nacht
Eine schwache Blase in der Nacht unterbricht den Schlaf, Copyright: monkeybusinessimages bigstockphoto

Schwache Blase nachts: die häufigsten Ursachen

Viele Menschen bemerken im fortgeschrittenem Alter einen häufigeren Harndrang in der Nacht. In Kombination mit dem Alter kann eine schwache Blase nachts darauf hindeuten, dass die Nieren weniger effektiv als früher arbeiten. Das führt zu einer insgesamt schwächeren Konzentration des Harns und damit zu einem gesteigertem Harnabgang.

Bei Männern gesellt sich mit dem Alter zudem eine allmähliche Vergrößerung der Prostata zu den Zeichen der Körperalterung hinzu. Da die Drüse sich vergrößert, drückt sie mehr und mehr auf die Harnblase und fördert damit den Harndrang.

Beide Ursachen einer Nykturie gelten als vergleichsweise unbedenklich. Männer sollten jedoch in jedem Fall abklären lassen, ob bei ihnen wirklich eine gutartige Prostatavergrößerung vorliegt.

Blasenentzündung erkennen
Röntgenbild der Blase, Anzeigen Zystitis oder unteren Harnwegsinfektion – Urheber: sutthaburawonk / 123RF.com

Weitere Symptome neben nächtlichem Harndrang

Auch wenn eine schwache Blase sich nachts vor allem durch das dringende Gefühl äußert, zur Toilette gehen zu müssen, gibt es eine Reihe weiterer Begleitsymptome. Treten sie auf, sollt in jedem Fall ein Arzt konsultiert werden:

  •  spürbare Ödeme (Wassereinlagerungen), meist in den Füßen
  •  vermehrter Durst am Tag
  •  Kopfschmerzen
  •  anhaltende Müdigkeit
  •  eine allgemeine, schlechte Kondition

Der Arzt kann aus den begleitenden Symptomen oft Rückschlüsse auf die Grunderkrankung ziehen. Sprechen Sie daher offen über alle Beschwerden.

Nächtlicher Harndrang als Zeichen beginnender Herzschwäche

Eine schwache Blase nachts kann unter Umständen auf eine bislang unentdeckte Herzinsuffizienz hindeuten. Meist gesellen sich zum nächtlichen WC-Besuch auch Konditionsprobleme hinzu. Fällt Ihnen beispielsweise das Treppensteigen immer schwerer, Sie erleben Kurzatmigkeit und Herzklopfen am Tag und eine schwache Blase nachts, könnte der Herzmuskel dauerhaft geschwächt sein.

Ein weiteres Symptom in diesem Zusammenhang sind angeschwollene Füße am Abend, denn die Lymphflüssigkeit staut sich in den unteren Extremitäten. Kommt der Körper in der Nacht zur Ruhe, wird überflüssige Flüssigkeit in die Blase geleitet und es kommt trotz normalen Trinken am Abend zu mehr Harn und damit auch Harndrang.

Blase trainieren durch Anhalten
Blasenschwäche in den Griff bekommen – Blase trainieren durch Anhalten Copyright: Panom Bounak, Bigstockphoto

Eine weitere, mögliche Grunderkrankung: Diabetes

Die häufige Stoffwechselerkrankung Diabetes kann ebenfalls dazu führen, dass sich eine schwache Blase nachts bemerkbar macht. In diesem Fall sind die Nieren vom Zuckerüberschuss stark gefordert. Der Organismus versucht den Zucker über den Harn auszuspülen, was mit einem gesteigertem Durstgefühl als Begleitsymptom einhergeht.

Vorsicht: Da von den Nieren beständig Höchstleistungen gefordert werden, kann über die Jahre zusätzlich eine Niereninsuffizienz auftreten.

Mit den Jahren kann Diabetes auch zu einem systemweiten Absterben von Nervenzellen führen. Das bringt nicht nur Probleme wie einen Diabetischen Fuß mit sich, sondern kann auch die Blase als Organ betreffen. Langfristig kann das die Blasenfunktion zusätzlich einschränken und eine häufigere Entleerung notwendig machen.

Wie erkennt der Arzt eine nächtliche Blasenschwäche schwache Blase?

Bemerken Sie bei sich eine schwache Blase nachts, gehen Sie zeitnah zum Arzt. Er wird er in mehreren Schritten auf eine Diagnose hinarbeiten:

1. An erster Stelle steht das Patientengespräch. Für die Anamnese wird er Sie über die Häufigkeit des Harndrangs und mögliche Begleitsymptome sowie andere Erkrankungen und Medikamente befragen.

2. In einer allgemeinen Untersuchung wird der Blutdruck, der Puls sowie das Körpergewicht und der Zustand des Herzens und der Lunge überprüft.

3. Ein Blutbild gibt Aufschluss über Stoffwechselstörungen wie Diabetes.

4. Ein Urintest (als Schnelltest oder als 24-Stunden-Urin) zeigt an, welche Stoffe ausgeschieden werden.

5. Bei Männern kann sich eine Abtastung der Prostata anschließen, bei Frauen gegebenenfalls gynäkologische Untersuchungen.

Hilfreiche Sofortmaßnahmen bei Nykturie

1. Verzichten Sie auf größere Mengen Koffein und Alkohol, da beides harntreibend wirkt. Unabhängig davon sollten Sie circa eine Stunde vor dem Schlafen auch auf Wasser oder andere Getränke verzichten. Die geringere Flüssigkeitszufuhr sollte bewirken, dass auch eine schwache Blase nachts nicht geleert werden muss.

2. Steigern Sie die Chance auf Durchschlafen, indem Sie ausreichend Bewegung am Tag haben. Intensiver Sport sollte allerdings nicht auf die Abendstunden gelegt werden, da er den Kreislauf anregt und damit gesundem Tiefschlaf im Wege steht.

3. Neigen Sie zu geschwollenen Füßen, legen Sie diese abends hoch. Der Rückfluss der Körperflüssigkeit erfolgt dann vor dem Schlafen und überschüssige Flüssigkeit gelangt frühzeitig in die Blase. Somit meldet sie sich nicht erst durch nächtlichen Harndrang.

Die Nykturie langfristig therapieren

Hat der Arzt feststellen können, welches Grundproblem sprichwörtlich auf die Blase drückt, setzt die Therapie an dieser Wurzel an. Da plötzlicher, nächtlicher Harndrang auch durch eine akute Blasenentzündung verursacht werden kann, ist sie in diesem Fall durch eine sofortige Therapie komplett heilbar. Komplizierter wird es, wenn kein Infekt, sondern eine gut- oder bösartige Veränderung der Blase oder der Harnröhre vorliegt. Hier muss gegebenenfalls operativ eingegriffen werden.

Liegt beispielsweise ein geschwächter Flüssigkeitskreislauf zugrunde, kann ein sportmedizinisches Ausdauertraining helfen, den Kreislauf zu stärken. Sie müssen in diesem Fall weder ins Krankenhaus noch Medikamente einnehmen, sondern den regelmäßigen Koronarsport in den Alltag integrieren. Sinnvoll ist eine gleichzeitige Beckenbodengymnastik, um die Muskulatur vor Ort gezielt zu stärken.

Zeigt sich bei der Anamnese, dass Medikamente genommen werden, die als Nebenwirkung gesteigerten Harndrang mit sich bringen, kann über eine neue Dosierung oder die Umstellung auf einen anderen Wirkstoff nachgedacht werden. Zu den entwässernden Medikamenten zählen neben einigen Antidepressiva auch Antibiotika und Diuretika gegen Bluthochdruck.

Wichtig: Jede Nykturie-Therapie wird individuell auf die Grunderkrankung und die sonstigen Umstände eines Patienten angepasst. Sprechen Sie mit dem Arzt daher offen über alle Probleme, auch wenn eine schwache Blase nachts zu ungewolltem Urinabgang führt.

Letzte Aktualisierung am

Literatur:

  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag
  • Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2009
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte
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