Wie wirken Phytoserms und Phytoestrogen?

Phytoestrogen in der Nahrung, Wirkung gegen Erkrankungen und Vorteile in den Wechseljahren:

Phytoestrogene sind in Pflanzen enthalten und mit einer ganz besonderen Wirkung verbunden. Insbesondere auf dem immer größer werdenden Markt der Nahrungsergänzungsmittel werden besondere Kräuter eingesetzt. In diesem Zusammenhang hat sich Phytopharmakon etabliert. Die zunehmende Anzahl der unterschiedlichen Nahrungsergänzungsmittel machen die Auswahl immer schwerer, sodass wir uns in diesem Beitrag eingehend mit Phytoserms und Phytoestrogen beschäftigen.

Phytoserms und Phytoestrogene
Urheber: sritangphoto / 123RF

Die Vorteile hormonähnlicher Pflanzenstoffe

Phytoestrogene sind so genannte hormonähnliche Pflanzenstoffe, denen ANSI Östrogene und Östrogenwirkungen nachgesagt werden. Aus diesem Grund werden Phytoestrogene vielmehr als Phyto-SERM bezeichnet. Hinter dieser Abkürzung verbergen sich selektive Rezeptor Moderatoren. Zu den bekanntesten SERMS gehören Tamoxifen und Raloxifen.

In den folgenden Lebensmitteln kommen die Phytoestrogene vor:

  • türkischer Rhabarber
  • Schlangenkraut,
  • Hülsenfrüchte,
  • Vollkornprodukte,
  • Rotklee,
  • Sojabohnen und
  • Verschiedene Obst und Gemüsesorten.

 

Was sind Phytoserms und Phytoestrogene?

Es handelt sich bei Phytoserms und Phytoestrogenen um aktive Pflanzenbestandteile. Schätzungsweise kommen sie auf eine maximale Zahl von 50.000. Davon kommen allein 10.000 Nahrungsmitteln vor. Eine geringere Anzahl der verschiedenen Phytoestrogene ist bis zum heutigen Tage nicht erforscht worden. Dennoch ist es gelungen, Phytoestrogene in drei verschiedene Systematiken bzw. Gruppen einzuteilen:

  1. Isoflavone: diese kommen vor allen Dingen in Obst, Gemüse und Soja sowie Bohnen vor.
  2. Lignane: sind vor allen Dingen in Vollkorngetreide, Leinsamen und Beeren enthalten.
  3. Coumestane sind in Rotklee und Alphasprossen enthalten.

Wann wurden Phytoserms und Phytoestrogene entdeckt?

Im Prinzip stellte man fest, dass Frauen in asiatischen Ländern viel seltener unter den klimakterischen Beschwerden leiden, als womöglich Frauen in europäischen Ländern. Verschiedene Migrationsstudien haben gezeigt, dass es sich hierbei nicht um genetische Effekte handelt. Dies wurde vor allen Dingen dadurch deutlich, dass Asiaten in die westlichen Staaten emigrierten und im Hinblick auf die Erkrankungen einen deutlichen Anstieg hinnehmen mussten. Folglich schlussfolgerten die Wissenschaftler, dass eine der Hauptursachen auf die Ernährung zurückgeht. Tatsächlich gehört in Asien Soja zu einer der Grundnahrungsmittel. So kommt eine Person aus den asiatischen Ländern auf eine Isoflavon-Menge von 20-80 mg pro Tag. Im Gegensatz dazu kommen Bewohner der westlichen Länder auf gerade einmal ein bis 3 mg pro Tag.

Im Prinzip wirken sich Phytoestrogene positiv auf das Gefäßsystem, das Skelettsystem und auf klimakterische Beschwerden. Gerade Hitzewallungen in den Wechseljahren kommen im asiatischen Raum bei nur bei 20 Prozent aller Frauen vor. Dies macht nur ansatzweise den Einfluss der Phytoserms und Phytoestrogene deutlich. Bedenken Sie in diesem Zusammenhang, dass Phytoestrogene vermutlich das Wachstum anderer Zellen fördern. Weitreichende Studien existieren bis zum heutigen Tage noch nicht, da diese Pflanzenstoffe bisher nicht gründlich genug erforscht wurden.

 

Was bewirken Phytoserms und Phytoestrogene in unserem Körper?

Insbesondere während der Wechseljahre leiden Frauen zumeist unter erheblichem Östrogenmangel. Zu diesem Mangel kann es immer dann kommen, wenn die Eierstöcke in ihrer Funktion eingeschränkt sind. In diesem Zusammenhang benötigt eine Frau wortwörtlich einen Ersatz, um die fehlenden Hormone zu ersetzen. An diesem Punkt kommen die Phytoestrogene ins Spiel.

Unser Körper besitzt so genannte Rezeptoren, diese sind in der Lage, durch die Hormone aktiviert zu werden. So sind es nicht die Hormone an sich, die wirken, sondern erst die eigentlich aktivierten Rezeptoren. Folglich gibt es bestimmte Hormone, die zum Beispiel für den Knochenabbau in der Schwangerschaft und für Probleme in den Wechseljahren verantwortlich sind.

 

Was sind Isoflavone und was bewirken sie?

Isoflavone gehören zur Gruppe der Isoflavonoide und verweisen auf meist gelblich gefärbte Pflanzenfarbstoffe. Sie sind der Gruppe der sekundären Pflanzenstoffen und in ihrer Funktion der Abwehr von Pathogenen zuzuordnen. In besonders hohen Dosierungen können Sie eine mäßige, geschlechtshormonelle Wirkung auf den Menschen ausüben. So empfiehlt man gerade in der Alternativmedizin und in der Homöopathie den Verzehr von Sojaprodukten und Soja Präparaten, um zum Beispiel den Wechseljahren, Hitzewallungen oder Schweißausbrüchen entgegenzuwirken.

Darüber hinaus empfehlen Therapeuten diese Präparate zur hormonell vorbeugenden Wirkung gegen hormonabhängige Krebserkrankungen im Bereich der Prostata und in der Brust. Mittlerweile sind es insgesamt 35 Studien, die im Zuge ihrer Metaanalyse nachgewiesen haben, dass Soja-Flavonoide merklich das Risiko von Brustkrebs reduzieren. Da ist es kein Wunder, dass sich auf dem allgemeinen Markt eine reichhaltige Auswahl an Nahrungsergänzungsmitteln mit diesen Wirkstoffen bietet.

Derzeit gibt es noch kein zugelassenes Medikament, da die Wirksamkeit noch nicht vollständig erforscht wurde. Tatsächlich sind einige Ärzte gegen die Verwendung von Isoflavonen. Der Grund dafür ist ihr Verdacht, Isoflavone könnten die Schilddrüsenhormonproduktion herbasetzen und einen Kropf auslösen. Die aktuellen Metaanalysen sprechen jedoch gegen diese Gefahr.

 

Wie wirken Phytoserms und Phytoestrogene?

Möchten wir dem eigentlichen Nutzen der Phytoestrogene auf die Schliche kommen, sollten wir einen genauen Blick auf deren Wirkung werfen. Es handelt sich hierbei um die pflanzlichen Vorstufen der eigentlich menschlichen Östrogene. Dies dürfte bereits über die Bezeichnung und den Namen deutlich geworden sein.

 

So integrieren Sie Phytoserms und Phytoestrogene in den Speiseplan

Nehmen Sie also Phytoestrogene über die Nahrung auf, erfolgt eine Umwandlung in wirksame Hormone direkt im Darm. Als Voraussetzung für diese wirksame Umwandlung in die Hormone gilt die intakte Darmflora. Insbesondere wenn diese durch die Einnahme von Medikamenten, wie Antibiotika geschädigt ist, können die Phytoestrogene ihre Wirkung nicht vollständig entfalten. Folgende Beschwerden lassen sich über die Einnahme von Phytoestrogenen merklich herabsetzen:

  • Hitzewallungen,
  • Kreislauferkrankungen,
  • Osteoporose,
  • zu trockene Haut und Schleimhäute,
  • nächtliche Hitzewallungen und Schwitzen.

Auch einheimischen Pflanzen sagt man eine positive Wirkung mit Blick auf den Östrogenhaushalt nach. Es ist demnach vollkommen ausreichend, Linsen und Bohnen sowie Leinsamen in den täglichen Speiseplan zu integrieren, um dem Körper etwas Gutes zu tun. Leinsamen hat sich schon als ein wirksames Magen-Darm-Mittel durchsetzen könne, da es einen großen Anteil Lignanen besitut, die ebenfalls eine östrogenähnliche Wirkung entfalten. Streuen Sie sich etwas Leinsamen auf ein Butterbrot, geben es in den Joghurt hinein oder in das Müsli. So wird aus einem Becher einfacher Natur-Joghurt gemeinsam mit ein bis zwei Esslöffeln Leinsamen schnell ein stabilisierender Snack für Ihren Hormonhaushalt.

 

Tipp für Ihr Leinsamenöl!

Möchten Sie Leinsamen schroten bzw. zermahlen, um Leinsamenöl herzustellen, sollten Sie dies innerhalb von sieben Tagen aufbrauchen. Es neigt dazu, schnell ranzig zu werden.

 

Salbei gegen Beschwerden in den Wechseljahren

Salbei kann ebenfalls bei Hitzewallungen angewendet werden, denn es hat zunehmend schweißhemmende Wirkung. Salbei wirkt direkt auf das Temperaturzentrum, das sich im Gehirn befindet. Darüber hinaus sagt man dieser Pflanze eine beruhigende und ausgleichende Wirkung nach. Es balanciert den weiblichen Hormonhaushalt aus und verschafft Ihnen eine Auszeit im Alltag.

 

Fazit

Phytoestrogene gehören zu den pflanzlichen Vorstufen der Östrogene. Insbesondere bei Frauen in den Wechseljahren kommt es zu einem Abstieg dieses Hormon, das wiederum mit unterschiedlichen Beschwerden einhergeht. Über die zusätzliche Einnahme dieser Phytoestrogene haben Sie die Möglichkeit, die mit dem Alter einhergehenden Beschwerden in den Griff zu bekommen. In diesem Zusammenhang sind zum Beispiel Isoflavone in Leinsamen und Soja enthalten.

 

Letzte Aktualisierung am

weitere Quellen und Literatur:

  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. Onlineversion abgerufen
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag
  • Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2009
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte

Medizinischer Hinweis:

Unsere Informationen dürfen nicht als Ersatz für eine ärztliche Diagnose oder zur Eigenbehandlung genutzt werden. Bei Beschwerden und Fragen konsultieren Sie bitte immer Ihren Arzt.
Ilona Klavon, Medizinische Fachangestellte (MFA)
Ilona Klavon ist Medizinredakteurin und begleitete als Elternberaterin junge Familien. Für unsere Webseite schreibt sie Fachtexte rund um Gesundheit, Familienalltag, Ernährung, Schwangerschaft und Geburt. Durch ihre Erfahrung in den Themen kann Sie für unsere Leser Gesundheitsnachrichten und viele verschiedene Gesundheitsthemen verständlich näherbringen.
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne ( Sie dürfen als erster diesen Artikel bewerten.