Ständiges Nasenbluten und Kopfschmerzen – Ursachen der Blutungen

1999

Aktualisierung am

Nasenbluten und Kopfschmerzen: Was steckt dahinter?

Sie haben ständig Kopfschmerzen und die Nase blutet? Das sollten Sie als Warnsignal auffassen. Denn in den allermeisten Fällen steht ein erhöhter Blutdruck dahinter. Kopfschmerzen und Nasenbluten sind lästig, aber noch die harmlosesten ersten Anzeichen dieser Erkrankung. Unbehandelt führt Bluthochdruck zu einer ganzen Reihe von höchst bedenklichen Folgeerkrankungen. Am häufigsten sind Schlaganfälle und Herzinfarkte tödliche Langzeitkomplikationen eines nicht therapierten Bluthochdruckes.

 

Ständiges Nasenbluten
Ständiges Nasenbluten und Kopfschmerzen Copyright: Kasia Bialasiewicz bigstockphoto

Ursachen von Nasenbluten

Nasenbluten und Kopfschmerzen können jeweils für sich betrachtet recht viele unterschiedliche Ursachen haben.

Nasenbluten (Epistaxis) kann die Folge einer verminderten Blutgerinnung sein. In der Regel ist das bei der Einnahme blutverdünnender Medikamente (Antikoagulantien) der Fall. Dazu gehören Heparin, Warfarin und Phenprocoumon, aber auch das gängige Aspirin (Acetylsalicylsäure). Heparin bekommt man beispielsweise zur Verhinderung von Thrombosen, etwa nach Operationen im Krankenhaus oder Bettlägerigkeit. Ein Zuviel an Aspirin führt unter Umständen dazu, dass man den Teufel Kopfschmerzen mit dem Beelzebub Nasenbluten austreibt. Nur in sehr seltenen Fällen ist das Nasenbluten die Folge von Tumoren in den Nebenhöhlen oder der Nase.

Kopfschmerzen (Cephalgie), die isoliert auftreten, werden durch Vieles verursacht. Auch hier stehen glücklicherweise Tumoren als Ursache weit hinten. Am häufigsten sind Migräne, Verspannungen der Nackenmuskulatur infolge langen Sitzens vor dem Computer, Flüssigkeitsmangel, Alkohol (der bekannte Kater) oder Schlafmangel die Ursache. Ähnlich wie beim Nasenbluten sollten Sie auch die Kopfschmerzen vor allem dann ernst nehmen, wenn sie in Verbindung mit anderen Symptomen auftreten. Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen und Bewusstseinseintrübungen können beispielsweise erste Anzeichen eines Schlaganfalles sein.

 

Nasenbluten und Kopfschmerzen: Eine schlechte Kombination

Was als isoliertes Symptom in aller Regel harmlos ist, ist in der Kombination oft deutlicher Hinweis auf ernstzunehmende Erkrankungen. Kommen Nasenbluten und Kopfschmerzen zusammen mit einer Erkältung vor, müssen Sie sich keine Sorgen machen: das ist relativ häufig und geht mit der Erkältung zu Ende. Häufiges Nase putzen oder einige zu großzügig eingesetzte Nasensprays können zu Blutungen führen und wie bei Grippe & Co. häufig von Kopfschmerzen begleitet sein.

Keine Erkältung, aber Nasenbluten und Kopfschmerzen plagen Sie ständig? Dann ist meistens Bluthochdruck der Auslöser.

Ständiges Nasenbluten
Ständiges Nasenbluten und Kopfschmerzen Copyright: Kasia Bialasiewicz bigstockphoto

 

Symptome von Bluthochdruck: Nasenbluten und Kopfschmerzen und sonst noch etwas?

Meistens kommen bei Bluthochdruck (Hypertonus) noch etliche andere Symptome hinzu, die stark auf diese häufige Herz-Kreislauf-Erkrankung hindeuten. Erste Anzeichen eines Hypertonus sind besagtes Nasenbluten und Kopfschmerzen, die vor allem nachts und morgens unmittelbar nach dem Aufstehen auftreten. Weitere Anfangssymptome sind

  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Schwindelgefühl (Vertigo)

Steigt der Blutdruck weiter an, kommen zusätzliche Krankheitszeichen hinzu:

  • beschleunigter Puls bei geringer körperlicher Anstrengung
  • Herzrasen (Tachykardie)
  • Herzstolpern (Palpitationen)
  • Kurzatmigkeit unter Belastung (Belastungsdyspnoe)
  • Zittern (Tremor)
  • Schweißausbrüche (Diaphorese)
  • Engegefühl in der Brust (Angina pectoris)
  • Übelkeit, schlimmstenfalls Erbrechen
  • Sehstörungen
  • Ohrensausen
  • Nervosität
  • bei Männern Erektionsstörungen.

 

Nasenbluten und Kopfschmerzen: Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Spätestens dann, wenn beides regelmäßig auftritt und vor allem dann, wenn die oben genannten Symptome hinzukommen. Denn wenn es sich wirklich um Bluthochdruck handelt, müssen Sie rechtzeitig mit einer Therapie beginnen. Ansonsten drohen früher oder später ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen bis hin zum Herzinfarkt oder Schlaganfall. Der Arzt wird Sie eingehend untersuchen und Ihnen Medikamente gegen die Hypertonie verschreiben.

 

Welche Formen von Bluthochdruck gibt es? Mögliche Ursachen für Nasenbluten und Kopfschmerzen

Nasenbluten und Kopfschmerzen treten bei allen Formen des Bluthochdruckes auf. Dieser wird medizinisch nach seiner Ursache eingeteilt.

  • Primäre Hypertonie. Die primäre oder essenzielle Hypertonie ist mit rund 85 % die häufigste Form des Bluthochdruckes. Essenziell ist eine medizinische Umschreibung für die Tatsache, dass der Arzt nicht feststellen kann, wo die Krankheitsursache liegt. Nasenbluten und Kopfschmerzen deuten dementsprechend am häufigsten auf einen solchen essenziellen Hypertonus hin.
  • Sekundäre Hypertonie. Hier kennt man die Ursache. Sekundär bedeutet, dass eine andere Grunderkrankung den Bluthochdruck verursacht. In den meisten Fällen sind Hormondrüsen oder Gefäßerkrankungen daran schuld.
    • Endokrin bedingte Hypertonie ist die Folge von Erkrankungen des endokrinen Systems der Hormondrüsen.
      • Schilddrüse. Häufigste primäre Krankheitsursache ist eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Die kleine schmetterlingsförmige Drüse steuert den gesamten Energiestoffwechsel. Schüttet sie zu viele ihrer Hormone aus, kurbelt das den Kreislauf an. Das Herz schlägt schneller und kräftiger und steigert so den Druck des Blutes in den Gefäßen.
      • Nebennieren. Andere zentrale Steuerungselemente des Energiestoffwechsels sind die beiden Nebennieren, die klein und unauffällig auf der Oberseite der wesentlich größeren Nieren sitzen.
        • Die Nebennierenrinde produziert wichtige Hormone wie Aldosteron, das den Wasser- und Mineralstoffhaushalt steuert. Leidet sie an einem Tumor (Conn-Syndrom) oder sitzt ein solcher in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse: Cushing-Syndrom), die wiederum die Tätigkeit der Nebenniere steuert, führt das zu einer Volumenzunahme des Blutes. Mehr Blut im Gefäßsystem ist gleichbedeutend mit höherem Gefäßdruck.
        • Aber auch das Nebennierenmark kann von einem Tumor befallen sein. Ein Phäochromozytom führt zu einer Überproduktion der im Nebennierenmark gebildeten Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Beide bringen das Herz mitunter plötzlich in Fahrt und verursachen eine hypertensive Krise.
    • Hypertonie durch Gefäßerkrankungen tritt bei Gefäßverengungen, durch Medikamente und Nahrungsmittel oder durch eine Schlafapnoe auf.
      • Gefäßverengungen (Stenosen) vor allem in den zuführenden Gefäßen der Niere (renale Hypertonie) oder der Hauptschlagader (Hypertonie infolge Aortenisthmusstenose) erhöhen den Widerstand, gegen den das Herz anpumpen muss und beeinträchtigen die Funktion der Niere, die ein wesentliches Steuerelement des Blutdruckes darstellt.
      • Medikamente wie künstliche Steroidhormone (Anabolika), Verhütungsmittel (Antikonzeptiva) und nicht-steroidale Antirheumatika wie Aspirin erhöhen den Blutdruck.
      • Nahrungsmittel haben in seltenen Fällen den gleichen Effekt. Dazu gehört vor allem Lakritz.

 

Anhaltende Nasenbluten – Die Diagnose beim Arzt

Um herauszufinden, ob Nasenbluten und Kopfschmerzen letztendlich auf zu hohen Blutdruck zurückzuführen sind, wird Ihnen Ihr Hausarzt zunächst eine Reihe von Fragen zu Erkrankungen bei Ihnen selbst und in der Familie stellen. Denn oftmals treten Herz-Kreislauf-Erkrankungen familiär gehäuft auf.

Zur Eigenanamnese gehört beispielsweise, ob Sie rauchen, regelmäßig Alkohol trinken oder viel Kaffee konsumieren. Denn Coffein-Junkies und Raucher tun ihrem Kreislauf nicht unbedingt einen Gefallen. Weitere Punkte wären, ob Sie an Diabetes leiden, Ihre Niere gut funktioniert oder Sie an einer bekannten Schilddrüsenunterfunktion leiden.

Familienanamnese erfasst Schlaganfälle, Herzinfarkte, Schilddrüsenerkrankungen oder Erkrankungen anderer Hormondrüsen in Ihrer Verwandtschaft.

Eine Reihe von Blutwerten gibt Auskunft über Grunderkrankungen, die zu Bluthochdruck und damit Nasenbluten und Kopfschmerzen führen. Dazu gehören Natrium- und Kaliumspiegel, Kreatinin und Harnsäure. Der Langzeitzuckerwert HBA1c ist ein weiterer Blutwert, der einen dahinter steckenden Diabetes verrät. Weitere Blutwerte fordert der Arzt an, wenn der Verdacht auf eine endokrin bedingt Hypertonie besteht.

Die Elektrokardiografie (EKG) dient der Abklärung möglicher Fehlfunktionen des Herzens oder eines vorangegangenen Herzinfarktes. Solche Herzinfarkte müssen nicht notwendigerweise symptomatisch verlaufen, sondern bleiben in Form eines stummen Herzinfarktes oftmals unbemerkt.

Weitere organische Ursachen einer sekundären Hypertonie muss man mit bildgebenden Verfahren abklären, wie Sonografie, Computertomografie oder Kernspintomografie. Damit lassen sich beispielsweise Tumoren oder Stenosen erkennen.

 

Nasenbluten und Kopfschmerzen: Was kann ich dagegen tun?

Nasenbluten und Kopfschmerzen sind nur Symptome eines hohen Blutdruckes, keine eigenständigen Krankheiten. Will man beide loswerden, hilft der sprichwörtliche nasse Waschlappen im Genick oder eine Aspirin nur vorübergehend. Viel Aspirin kann als Blutverdünner das Nasenbluten auf Dauer sogar schlimmer machen. Daher bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als die Ursachen des hohen Blutdruckes zu bekämpfen.

Das müssen nicht immer nur die Pillen sein, die Ihnen Ihr Arzt verschreibt. Wenn nicht gerade eine tief greifende organische Ursache wie ein Tumor hinter dem Bluthochdruck steckt, können Sie eine ganze Menge gegen die meisten Herz- und Gefäßerkrankungen tun. Damit beugen Sie nicht nur hohem Blutdruck vor, sondern auch der Arteriosklerose und einer ganzen Reihe von Komplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und vaskulärer Demenz. Wichtig ist gerade bei familiärer Disposition eine Umstellung der Lebensweise:

  • Abbau von Übergewicht
  • leichte sportliche Betätigung
  • Verzicht auf Rauchen, Alkohol und zu viel Coffein
  • kochsalzarme Ernährung
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr

 

Nasenbluten und Kopfschmerzen: Medikamente gegen Bluthochdruck

Reichen die genannten vorbeugenden Maßnahmen nicht mehr aus, um den hohen Blutdruck in den Griff zu bekommen, muss Ihnen Ihr Arzt Medikamente verschreiben, sogenannte Antihypertensiva. Je nach Höhe und Grunderkrankungen wählt Ihr Arzt dazu eines oder mehrere Präparate aus, die sie allmorgendlich einnehmen müssen.

ACE-Hemmer hemmen, wie der Name bereits verrät, das ACE oder Angiotensin Converting Enzyme, welches für die Herstellung von Angiotensin II verantwortlich ist. Angiotensin II ist ein wichtiges Hormon, das den Wasserhaushalt und damit Blutvolumen und letztlich Blutdruck reguliert.

Betablocker blockieren die ß-Rezeptoren an Herz und Gefäßen. Dadurch können die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin nicht mehr andocken. Die Signale des sympathischen Nervensystem, das die Herztätigkeit stimuliert, kommen nicht mehr an.

Diuretika senken das Blutvolumen und dadurch den Blutdruck, indem sie die Ausscheidung von Wasser über die Nieren verstärken.

Calciumantagonisten verhindern, dass Calciumionen in den Gefäßwänden in die Muskelzellen gelangen und dort für Kontraktion sorgen. Dadurch bleiben die Gefäßlumina weit gestellt und der Blutdruck sinkt ab.

 

Was passiert, wenn ich meinen Bluthochdruck nicht behandeln lasse?

Das sollten Sie sich sehr gut überlegen. Denn dann müssen Sie nicht nur fortan mit Nasenbluten und Kopfschmerzen leben, die zudem immer schlimmer werden. Mit der Zeit kommen viele organische Folgen hinzu, die letztentlich zum Tod führen können:

Herz. Ständig muss das Herz gegen den hohen Blutdruck in den Gefäßen anpumpen. Das führt zu einer Überlastung in Form einer Ausweitung (Dialatation) und unzureichender Pumpleistung (Herzinsuffizienz). Außerdem bekommt das Herz selbst nicht mehr genug Blut, was sich in der koronaren Herzkrankheit (KHK) äußert.

Gehirn. Das Gehirn hat besonders empfindliche Gefäße. Bei ständig hohem Blutdruck platzen immer wieder einige davon und führen zu Blutungen (Hämorrhagien) und Gefäßverschlüssen (Ischämien). Die Folgen sind vaskuläre Demenz, transitorische ischämische Attacken (TIA) und Schlaganfälle (Apoplex).

Nieren. In ähnlicher Weise werden die feinen Nierenkapillaren in Mitleidenschaft gezogen. Diese werden bevorzugt arteriosklerotisch, verengen sich und funktionieren nicht mehr richtig. Daraus resultiert eine Niereninsuffizienz.

 

Literatur

  1. Erland Erdmann (Hrsg.) Klinische Kardiologie: Krankheiten des Herzens, des Kreislaufs und der herznahen Gefäße. Stuttgart 2011: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642164803.
  2. Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063
  3. Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  4. Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL, Deutsche Hypertonie Gesellschaft. Leitlinien zur Behandlung der Arteriellen Hypertonie.
  5. Deutsche Gesellschaft für Rehabilitation und Prävention. Umsetzungsempfehlung der Leitlinie Arterielle Hypertonie für die kardiologische Rehabilitation.
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