Lambliasis – Übertragung, Diagnose, Ablauf, Dauer

Lambliasis Giardia lamblia verursacht Giardiose ( Lambliose oder Lamblienruhr)

In Deutschland ist die Lambliasis wenig bekannt. Es ist eine parasitäre Erkrankung, die durch viele Säugetiere übertragen wird und eine Darminfektion verursacht. Manchmal zieht sich die Erkrankung über mehrere Wochen bis Monate hin. Durch die Seltenheit der Erkrankung in unseren Breiten kommt man manchmal gar nicht so leicht darauf, sie in die Differenzialdiagnostik miteinzubeziehen.

Die Lambliasis, die man auch als Giardiose, Lambliose oder Lamblienruhr bezeichnet, wird durch den Dünndarmparasiten Giardia lamblia ausgelöst. Dieser Parasit ist weltweit verbreitet. In industrialisierten Ländern wie Deutschland kommt die Lambliasis nur relativ selten vor, während sie in Ländern mit schlechten hygienischen Verhältnissen sehr häufig anzutreffen ist. In Deutschland werden jährlich ungefähr fünf neue Erkrankungen pro 100.000 Einwohner erfasst. Betroffen sind vor allem Kinder und junge Erwachsene. Meist haben sie sich die Infektion im Ausland zugezogen, vor allem in Italien und Spanien sowie Indien und der Türkei.

Lambliasis
Lambliasis Giardia lamblia verursacht Giardiose ( Lambliose oder Lamblienruhr) Copyright: Eraxion, – bigstockphoto.com

 

Wie wird die Lambliasis übertragen?

Der Entwicklungszyklus des Parasiten durchläuft mehrere Stadien. Es gibt lebende, vermehrungsfähige Trophozoiten und die infektiösen Zysten. Die Trophozoiten setzen sich an der Schleimhaut des Dünndarms fest. Sie können sich durch Zweiteilung vermehren. Die Erreger werden dann als infektiöse Zysten mit dem Stuhl ausgeschieden. Sie können von Mensch zu Mensch, aber auch von einigen Säugetieren auf den Menschen übertragen werden. Die Übertragung der Infektion erfolgt durch die ausgeschiedenen Zysten. Diese sind ziemlich widerstandsfähig: In feuchter Umgebung bei Zimmertemperatur können sie bis zu drei Wochen überleben, in kühlem Wasser sogar etwa drei Monate. Die Ansteckung erfolgt fäkal-oral. Sie kann direkt von Person zu Person verlaufen, aber auch über verunreinigtes Trinkwasser oder durch verschmutzte Nahrungsmittel.

In Entwicklungsländern können bis zu 80 Prozent der Kinder mit dem Erreger Giardia lamblia infiziert sein. Eine Infektion ist nicht immer gleichbedeutend mit einer Erkrankung. Viele Fälle verlaufen klinisch inapparent ohne wirkliche Beschwerden. Die Betroffenen scheiden die Erreger jedoch mit dem Stuhl aus und können somit potenziell die Infektion übertragen.

Lambliasis: Dauer von Ansteckung bis zur Erkrankung und Krankheitsdauer selbst

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten von Beschwerden, liegt meist zwischen sieben und zehn Tagen, kann aber auch bis zu 25 Tage lang sein. In der Regel dauert die akute Krankheitsphase ungefähr ein bis zwei Wochen. Es kommen aber auch chronische Verläufe vor, bei denen die Durchfälle über viele Wochen bis Monate anhalten oder immer wiederkehren.

 

Lambliasis: Ablauf der Erkrankung

Die Lambliasis verursacht eine Entzündung und Resorptionsstörung der Darmschleimhaut. Nicht selten verläuft die Erkrankung ohne Beschwerden und die Betroffenen bemerken nichts von der Infektion. Symptomatische Verläufe äußern sich typischerweise durch chronisch-rezidivierende Durchfälle, die oft schaumig, gelblich und übelriechend sind und explosionsartig auftreten. Hinzu kommen Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, teils auch Fieber und Gewichtsabnahme. Durch den ausgeprägten Flüssigkeits- und Salzverlust im Rahmen der Durchfälle können insbesondere bei vorerkrankten Personen die Nieren und das Herz-Kreislauf-System belastet werden.

 

Diagnostik und Therapie der Lambliasis

Bei passendem klinischem Verlauf, insbesondere wenn die Durchfallerkrankung in zeitlicher Nähe zu einem Auslandsaufenthalt auftritt, sollte man an das Vorliegen einer Lambliasis denken. Die Methode der Wahl zum Nachweis der Erkrankung ist die Stuhluntersuchung, in der man die Zysten von Giardia lamblia nachweisen kann. Weil die Zysten aber nicht kontinuierlich ausgeschieden werden, sollte bei einer unauffälligen Stuhluntersuchung, aber großem klinischem Verdacht, ein bis zwei erneute Stuhluntersuchungen angeschlossen werden. Auch möglich, aber eher selten durchgeführt, ist ein Antikörpernachweis im Blut.

Normalerweise heilt die Erkrankung von selbst wieder aus, bei schweren Verläufen sollte man jedoch eine gegen Parasiten wirksame antibiotische Therapie mit Metronidazol, Ornidazol, Tinidazol oder Albendazol einsetzen. Es gibt auch ein neues, gut wirksames Medikament gegen Giardia lamblia, das Nitazoxanid heißt, bisher aber nur in den USA zugelassen ist. Häufig müssen zur adäquaten Therapie zwei verschiedene Medikamente miteinander kombiniert werden. Insbesondere bei Patienten in Deutschland, die die Erkrankung von einer Reise mitgebracht haben, sollte immer eine antibiotische Therapie erfolgen, um die Erreger abzutöten und eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Ohne Therapie können die Erreger noch wochen- bis monatelang mit dem Stuhl ausgeschieden werden. In Deutschland gilt die Lambliasis als eine gemäß Infektionsschutzgesetz meldepflichtige Erkrankung.

 

Tipps für Patienten – wie kann ich eine Lambliasis vermeiden?

Eine Impfung gegen Lambliasis ist nicht möglich. Die einzig wirksame Prophylaxe zum Schutz gegen die Erkrankung ist daher eine ausreichende Hygiene. Bei Reisen in Länder mit einer hohen Erkrankungswahrscheinlichkeit gilt der bekannte Spruch: cook it, peel it, or forget it. Ungekochtes Gemüse oder ungeschältes Obst sollte vermieden werden. Auch das Leitungswasser ist dort nicht einfach zum Trinken geeignet, sondern sollte vorher abgekocht werden. Außerdem sollte man auf Eiswürfel verzichten.

Literatur:
Fritz H. Kayser et al.: Medizinische Mikrobiologie

Letzte Aktualisierung am

Literatur:

  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag
  • Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2009
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte
  • Deutsches Ärzteblatt, Studien und aktuelle Nachrichten
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