Krank zur Arbeit: in Deutschland keine Seltenheit

Viele Deutsche gehen trotz Krankheit arbeiten

Krank zur Arbeit – für deutsche Arbeitnehmer ist das normal. Was sie nicht bedenken: Dieser Umstand bringt für den Arbeitgeber finanzielle und für die Erwerbstätigen gesundheitliche Probleme mit sich. Kranke Mitarbeiter gesunden langsamer, leisten weniger und infizieren Kollegen.

kranke Frau
Arbeiten trotz Krankheit? Urheber: cunaplus / 123RF.com

Nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK im Rahmen des „DAK-Gesundheitsreports 2014“ (http://www.dak.de/dak/bundes-themen/Gesundheitsreport_2014-1374224.html) zur Mehrfachbelastung bei 25- bis 39-Jährigen betrifft dies fast zwei Drittel der Arbeitnehmer zwischen 25 und 40 Jahren. Die Studie nennt die sogenannte „Rushhour-Generation“ der 30- bis 40-Jährigen als Risikogruppe. Mitarbeiter des Instituts Forsa befragten deutschlandweit etwa 3.200 Männer und Frauen.

Die Studie zeigte differenziert, dass aus genannter Bevölkerungs-Gruppe mehr als ein Drittel der Befragten an drei bis zehn Tagen krank zur Arbeit ging. Bei jedem Sechsten traf das auf elf bis zwanzig Tage zu. Laut des DAK-Gesundheitsreports bilden Beschäftigte mit drei oder mehr Kindern eine weitere Risikogruppe. Bis zu 60 Prozent der Betroffenen gaben zu, an drei bis zwanzig Tagen pro Jahr krank zu arbeiten.

Angst vor Arbeitsplatz-Verlust Grund für Präsentismus

Nach Meinung der Experten stellt das Phänomen des Präsentismus, der die Anwesenheit am Arbeitsplatz trotz Krankheit bezeichnet, eine Gefahr dar. Viele der Befragten fürchten, bei zu häufiger Abwesenheit ihr Beschäftigungs-Verhältnis zu verlieren. Weiterhin verzichten viele Arbeitnehmer mit Kindern auf eine Krankschreibung und damit auf einen Arztbesuch. Grund ist das Gefühl, wegen häufiger Krankheit des Nachwuchses bereits oft im Job zu fehlen. Persönliche finanzielle Schwierigkeiten, Umstrukturierungen am Arbeitsplatz und Druck durch die Arbeitgeber tragen zum Präsentismus bei.

Gefahren für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Krankheit am Arbeitsplatz bringt für Mitarbeiter erhebliche Probleme mit sich: Die Produktivität sinkt, die Ansteckungsgefahr ist hoch, die Genesung verzögert sich. Für den Arbeitgeber bedeutet das finanzielle Einbußen, begründet durch die Tatsache, dass die Beschäftigten trotz Anwesenheit ihre volle Leistungsfähigkeit nicht erreichen.

Arbeitnehmer fürchten bei zu häufigen Fehlzeiten um ihr Beschäftigungs-Verhältnis. Darum gehen viele Deutsche krank zur Arbeit. Lohnenswert für den Arbeitgeber zeigen sich präventive Maßnahmen gegen zu hohe Beanspruchung sowie Präsentismus und ein offenes Arbeitsklima.

 

weiterführend:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/60267/Viele-Deutsche-gehen-krank-zur-Arbeit

http://www.gesuendernet.de/news/gesundheitstrends-a-statistiken/item/1034-viele-deutsche-gehen-krank-zur-arbeit.html

http://www.zeit.de/karriere/beruf/2015-03/dauerstress-krank-arbeiten-gruende-interview

Letzte Aktualisierung am

Literatur:

  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag
  • Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2009
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte
  • Deutsches Ärzteblatt, Studien und aktuelle Nachrichten
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