Unfallversicherung und Invaliditätsversicherung – Wie man Kinder gegen Unfälle absichert

Unfallversicherung? Invaliditätsversicherung? Wie man Kinder gegen Unfälle absichert

Unfälle bei Kindern – Was braucht Ihr Kind?

Viele Deutsche nehmen es mit dem Thema Versicherungen recht genau und sichern sich in so vielen Lebensbereichen wie möglich ab. Wächst die Familie, stellt sich für junge Eltern die Frage, ob sie eine zusätzliche Versicherung für ihr Kind benötigen. Und wenn ja, welcher Schutz dann am sinnvollsten ist.

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Gut zu wissen: jedes Kind wird von der gesetzlichen Unfallversicherung geschützt

Haben Sie (noch) keine private Unfall- oder Invaliditätsversicherung für Ihr Kind abgeschlossen, steht es dennoch unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Das bedeutet, unter folgenden Voraussetzungen sind Sohn und Tochter versichert:

1. Der Unfall ereignet sich auf dem Hin- oder Rückweg zum Kindergarten, zur Schule, Universität oder Ausbildungsstätte.
2. Der Unfall findet während der Betreuungszeit innerhalb der Einrichtung statt.
3. Der Unfall geschieht während eines offiziellen Ausfluges der Einrichtung (z.B. Wandertag der Schulklasse)

Greift die gesetzliche Unfallversicherung, werden sowohl die Kosten der Sofortversorgung bezahlt als auch spätere Kosten für Reha oder Folgebehandlungen. Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Leistung ist eine lückenlose Dokumentation des Unfalls und seiner Folgen. Daher ist der Besuch beim Durchgangsarzt (D-Arzt) wichtig und das Erstellen einer Unfallmeldung durch Kita/Schule/Ausbildungsstätte.

Wie man Kinder privat gegen Unfälle absichert

Da viele Erwachsene zu meist sehr günstigen Konditionen eine Unfallversicherung für sich selbst abgeschlossen haben, denken sie auch über eine vergleichbare Versicherung für ihr Kind nach. Zwar gibt es private Unfallversicherungen auch für Kinder, sie sollten jedoch gut bedacht werden.

Die private Unfallversicherung zahlt auch dann, wenn ein Unfall in der Freizeit geschieht und folglich die gesetzliche Unfallversicherung nicht in Anspruch genommen werden kann. Rein statistisch ereignen sich folgenschwere Unfälle im Kindesalter und fernab der Betreuungsstätte aber extrem selten.

Das Gute: Die private Unfallversicherung zahlt nicht nur bei Freizeitunfällen, sondern auch bei Hin- und Rückweg sowie Aufenthalt in Kita/Schule/Ausbildungsstätte. Tritt also der Notfall ein, erhält Ihr Kind in diesem Fall sowohl private als auch gesetzliche Leistungen.

Recherche ist wichtig: Private Unfallversicherungen unterscheiden sich teils deutlich in den Dingen, die wirklich abgedeckt werden. Oft wird nach Schwere der Verletzung gestaffelt. Zudem kann es schnell ein Streitthema werden, welcher Vorgang genau als Unfall anerkannt wird.

Ein häufiges Missverständnis: Eine private Unfallversicherung zahlt nur, wenn nach dem Unfall bleibende Schäden dokumentiert werden. Bricht Ihr Kind sich beispielsweise einen Finger beim Ballspielen und der Bruch verheilt schnell und ohne Komplikationen, wird die private Unfallversicherung nicht zahlen. Gerade dieser Punkt mindert die Wahrscheinlichkeit, dass Sie die Versicherung je in Anspruch nehmen werden.

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Die Alternative: Invaliditätsversicherung für Kinder

Möchten Sie Ihr Kind gegen Invalidität absichern, ist eine Kinderunfallversicherung rein statistisch nicht lohnenswert. Bei einem Drittel aller schwerbehinderten Kindern liegt eine genetische Ursache vor und bei nahezu 50 Prozent resultiert die Behinderung aus einer schwerwiegenden Krankheit. In all diesen Fällen würde keine Unfallversicherung helfen.

Die Invaliditätsversicherung greift immer dann, wenn eine Schwerbehinderung eingetreten ist. Der Grund dafür ist unwichtig, sodass nicht nur Unfälle als Ursache anerkannt werden. Wird die Invaliditätsversicherung in Anspruch genommen, erhält das Kind (beziehungsweise die Eltern als Verwalter) eine monatliche Rente oder eine Sofortzahlung. Schließen Sie für Ihr Kind eine Kinderinvaliditätsversicherung ab, springt der Versicherungsträger ein, sobald das Versorgungsamt eine Behinderung von 50 Prozent oder mehr bestätigt.

Achtung: Viele Invaliditätsversicherung bestehen darauf, dass die ersten zwölf Lebensmonate eines Kindes nicht versichert sind. Hingegen sind angeborene Behinderungen dank des Bundesgerichtshofs kein Ausschlussgrund mehr. Sie verzichten im Ernstfall also nur für das erste Lebensjahr auf Leistungen. Ebenfalls wichtig sind Regelungen zu psychischen Leiden. Diese werde von vielen Versicherungen nicht getragen.

Auch eine Frage der Kosten

Die private Unfallversicherung für Kinder wird rein statistisch zwar seltener in Anspruch genommen, sie fällt jedoch mit rund 60 bis 100 Euro Beitrag im Jahr auch weniger ins Gewicht der elterlichen Finanzen. Eine Invaliditätsversicherung ist hingegen deutlich kostenintensiver und selten unter 300 Euro abschließbar. Bedenken Sie nun, wie gering insgesamt die Gefahr auf eine Schwerbehinderung ist, wird für einkommensschwache Haushalte die Absicherung insgesamt eher unattraktiv.

Allerdings muss auch deutlich gesagt werden, dass Statistiken auf der einen Seite der emotionalen Bindung an das eigene Kind auf der anderen Seite gegenüberstehen. Selbst wenn die Chance auf eine schwere Behinderung unwahrscheinlich ist, sichern sich viele Eltern dennoch ab. Zählen Sie sich zur zweiten Gruppe, sollten Sie auf jeden Fall Beratungsstellen aufsuchen, bevor Sie eine Entscheidung für Ihr Kind treffen.

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Der beste Umgang mit der Versicherungssumme

Ist der Fall eingetreten und Ihr Kind erhält aufgrund von Behinderungen einen Anspruch auf Zahlung, ist die Wahl einer monatlichen Auszahlung meist die bessere Variante. Zwar kann das Geld weder Ihnen noch dem Kind die psychische Belastung abnehmen, doch die lebenslange Zahlung erleichtert das Leben im Alltag stark. Das Geld kann für Güter des täglichen Bedarfs, Kosten der Betreuung und Ausflüge genutzt werden.

Eine Sofortzahlung kann erwogen werden, wenn aufgrund der Behinderung große Umbaumaßnahmen am Haus und in der Wohnung geplant sind und zeitnah erfolgen müssen. Eine Rampe zur Wohnungstür oder ein rollstuhlgeeignetes Badezimmer zählen zu den häufigen Investitionen.

 

Quelle:

Kombiversicherungen bsp.: www.basler.de/privatkunden/vorsorge/unfallschutz/kinderinvaliditaetsversicherung.html

weiterführende Infos:

Unfälle im Haushalt: Das Bett als unterschätzte Gefahr

Letzte Aktualisierung am

weitere Quellen und Literatur:

  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. Onlineversion abgerufen
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag
  • Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2009
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte

Medizinischer Hinweis:

Unsere Informationen dürfen nicht als Ersatz für eine ärztliche Diagnose oder zur Eigenbehandlung genutzt werden. Bei Beschwerden und Fragen konsultieren Sie bitte immer Ihren Arzt.
Ilona Klavon, Medizinische Fachangestellte (MFA)
Ilona Klavon ist Medizinredakteurin und begleitete als Elternberaterin junge Familien. Für unsere Webseite schreibt sie Fachtexte rund um Gesundheit, Familienalltag, Ernährung, Schwangerschaft und Geburt. Durch ihre Erfahrung in den Themen kann Sie für unsere Leser Gesundheitsnachrichten und viele verschiedene Gesundheitsthemen verständlich näherbringen.
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