Infektionskrankheiten bei Diabetikern

Als Diabetes mellitus werden chronische Stoffwechselerkrankungen bezeichnet, die genauer den Zuckerstoffwechsel des Blutes betreffen. Insulinmangel oder –resistenz führt hierbei zur Überzuckerung des Blutes (Hyperglykämie), was neben schweren Schädigungen der Organe, Blutgefäße und Zellen, ein geschwächtes Immunsystem zur Folge hat. Dadurch können sich auch Infektionen zum Teil viel schneller ausbreiten.

diabetis mellitus erkennen
diabetis mellitus erkennen und behandeln – Urheber: dolgachov / 123RF.com

Warum sind Diabetiker anfälliger für Infekte?

Das Immunsystem eines Diabetikers kann durch zwei Umstände stark beeinträchtigt werden: Zum einen können die weißen Blutkörperchen bei erhöhtem Blutzuckerspiegel an Aktivität einbüßen und eingedrungene Infektionserreger, wie Bakterien, Viren oder Pilze, nicht mehr ausreichend bekämpfen. Das Immunsystem verliert also deutlich an Leistungsfähigkeit.

Zum anderen gelangt bei geringerer Durchblutung weniger Sauerstoff und Nährstoffe in die Zellen. Zuckergehalt die Durchblutung kleiner Blutgefäße vermindert, weswegen weniger Sauerstoff und Nährstoffe in die Zellen geraten und sie ebenfalls anfälliger macht.

Diese Gefahren betreffen jedoch hauptsächlich die unbehandelte Diabeteserkrankung. Wer seinen Blutzuckerspiegel gut einstellt und regelmäßige Kontrollbesuche beim Arzt einhält, erkrankt in der Regel auch nicht häufiger an einer Infektion als ein Nichtdiabetiker.

Was geschieht im Körper bei einer Infektion?

Erkennt das Immunsystem im Körper einen Erreger, werden körpereigene Stresshormone freigesetzt. Hormone sind Botenstoffe, die bestimmte Signale und Informationen an sämtliche Körperzellen übermitteln. Dadurch stellt der Körper sicher, dass die komplexen Stoffwechselvorgänge im menschlichen Körper koordiniert ablaufen.

Dringen Keime oder Mikroorganismen in den Körper ein, werden Stresshormone wie Kortison und Adrenalin ausgeschüttet.

Diese vermindern jedoch auch die Insulinwirkung, mit der Folge, dass der Blutzuckerwert ansteigt. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Diabetiker bei einer Infektionserkrankung häufig ihren Blutzucker kontrollieren und gegebenenfalls die Dosierung der Medikamente bzw. des Insulins anpassen. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Blutzuckerwert auf einem unschädlichen Niveau bleibt.

Welche Infektionen werden durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel begünstigt?

Ist der Blutzuckerwert schlecht oder gar nicht eingestellt, sind Diabetiker für bestimmte Krankheiten und deren Folgeschäden besonders anfällig:

Die häufigste entzündliche Erkrankung bei einem Zuckerkranken ist die Harnwegsinfektion. Die typischen Beschwerden, wie Brennen oder Schmerz beim Wasserlassen, fehlen bei Diabetikern jedoch oft.

Vor allem Frauen sind oft von einer Entzündung des Nierenbeckens (Pyelonephritis) betroffen. Die Krankheitserreger steigen über den Harnweg in die Nieren, wo sie für Entzündungen sorgen, die zu Beginn oft unbemerkt verlaufen.

Bei männlichen Diabetikern können dagegen Entzündungen an Eichel oder Vorhaut auftreten.

Pilzinfektionen treten häufiger auf, auch weil Pilze den Zucker im Körper gut verstoffwechseln und sich so sehr gut vermehren können.

Auch Furunkel können durch den erhöhten Blutzucker begünstigt auftreten. Dabei handelt es sich um entzündete Talgdrüsen, die schmerzhafte Eiterherde verursachen. Der Nacken, die Achselhöhlen, das Gesäß und die äußeren Gehörgänge sind häufig davon betroffen.

Zu einem sogenannten diabetischen Fuß kommt es, wenn aufgrund einer Nervenschädigung Verletzungen an den Füßen nicht mehr wahrgenommen werden. Wunden infizieren sich und heilen schlecht ab, besonders wenn zusätzlich Durchblutungsstörungen vorliegen. Es bilden sich Geschwüre, die sich ausdehnen und im schlimmsten Fall eine Amputation erforderlich machen.

Welche Vorkehrungen kann man als Diabetiker treffen?

Ein Diabetiker sollte regelmäßig seine Blutzuckerwerte kontrollieren. Moderne Blutzuckermessgeräte funktionieren zu diesem Zweck mittlerweile sogar ganz ohne Teststreifen.

Wichtig ist natürlich, dass die Therapie nicht vernachlässigt wird – aber auch eine gesunde Ernährung kann hilfreich sein. Es sollte darauf geachtet werden, dass dem Körper alle erforderlichen Mineralien und Vitamine zugeführt werden, damit das Immunsystem optimal arbeiten kann. Sorgfältige Hygiene kann dazu beitragen, dass weniger Krankheitserreger in den Körper gelangen. Zudem kann bei Diabetikern eine regelmäßige Impfung gegen Grippe oder Lungenentzündung sinnvoll sein.

Was müssen Diabetiker bei einer Infektion beachten?

Da Infektionen bei Diabetikern schwerwiegender verlaufen können, müssen sie konsequent und schnell behandelt werden. Auch muss bei einer akuten Infektion die Medikamentengabe bzw. die Insulindosis  angepasst werden:

Ein Typ-2-Diabetiker, der mit blutzuckersenkenden Tabletten behandelt wird, sollte diese unter Umständen, zum Beispiel bei geringer Nahrungszufuhr aufgrund eines Magen-Darm-Infekts, weglassen, um eine Unterzuckerung zu vermeiden. Bei Tabletten mit dem Wirkstoff Metformin kann bei schwereren Erkrankungen sogar eine lebensbedrohliche Übersäuerung des Blutes auftreten. Auch kann es, zum Beispiel bei einem schwerwiegenden Infekt wie einer Lungenentzündung, notwendig sein, vorübergehend Insulin zu spritzen, da die Medikamente nicht mehr ausreichen um den Blutzucker genügend zu senken. Betroffene sollten also unbedingt mit ihrem Arzt Rücksprache halten.

Ein Typ-1-Diabetiker, der ausschließlich Insulin spritzt, benötigt im Krankheitsfall oft eine höhere Dosis. Vor allem Infekte mit Fieber können den Insulinbedarf um 10 – 20 Prozent erhöhen. Das Vorgehen sollte unbedingt mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Grundsätzlich ist eine häufige Kontrolle des Blutzuckerwertes ist nötig, damit zu hohe Werte rechtzeitig erkannt werden. Andernfalls können schwerwiegende Folgen resultieren. Vor allem bei Typ-1-Diabetes droht die Gefahr einer lebensbedrohlichen Ketoazidose.

Empfehlenswert ist bei Typ-1-Diabetes eine Kontrolle des Blutzuckers alle drei bis vier Stunden. Um eine Entgleisung auch wirklich rechtzeitig zu erkennen, sollte dies bei einer Erkrankung nicht an alternativen Körperstellen (zum Beispiel am Unterarm) vorgenommen werden, da hier die Werte mit einer etwa halbstündigen Verzögerung angezeigt werden.

Auch, wer als Typ-2-Diabetiker seine Werte sonst nur selten kontrolliert, sollte im Krankheitsfall mindestens einmal morgens und einmal abends den Blutzucker messen.

Quellen:

Letzte Aktualisierung am

Quellen und Literatur:

  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. Onlineversion abgerufen
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag
  • Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2009
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte

Medizinischer Hinweis:

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