Geschwollene Lymphknoten unter den Achseln – Ursachen, Behandlung

Lymphknotenschwellungen

Sind die Lymphknoten unter der Achsel des Armes dick geschwollen, denken viele gleich an Krebs. Das ist durchaus möglich, aber eher eine sehr seltene Ausnahme.

Zu solchen Lymphknotenschwellungen kommt es auch im Verlaufe anderer Erkrankungen, ohne dass gleich ein Tumor dahinter stecken muss. Nur wenn die Lymphknoten stetig größer werden oder sogar zu schmerzen beginnen, sollte man das als Warnsignal auffassen und die Ursache von einem Arzt abklären lassen.

Lymphknoten unter dem Arm
2018-12-13 Geschwollene Lymphknoten unter Achsel Copyright: michaelheim bigstockphoto

Inhalt

Geschwollene Lymphknoten unter der Achsel – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Lymphknoten sind die Filterelemente des lymphatischen Systems. Sie sortieren Bakterien, Viren und Fremdsubstanzen aus der Lymphe und vermitteln gegebenenfalls eine Immunreaktion.
  2. Vermehren sich im Laufe einer solchen Immunantwort die Leukozyten stark, schwellen die Lymphknoten an. Das ist vor allem am Hals, unter den Achseln und in der Leistengegend leicht tastbar.
  3. Zu angeschwollenen Lymphknoten kommt es ebenso bei einer Lymphknotenentzündung infolge bakterieller oder viraler Infektionen.
  4. Auch Krebs führt zum Anschwellen der Lymphknoten unter den Achseln, allen voran Lymphome, Leukämien und Brustkrebs.
  5. In allen Fällen steht bei der Behandlung von geschwollenen Lymphknoten unter der Achsel die Therapie der verursachenden Krankheit im Vordergrund.

Geschwollene Lymphknoten unter der Achsel – Was hat das zu bedeuten?

Ein Lymphknoten (Nodus lympaticus), umgangssprachlich oft auch als Lymphdrüse bezeichnet, ist ein unregelmäßig geformtes, linsen- bis bohnengroßes Gebilde von bis zu zwei Zentimetern Durchmesser.

Man findet sie mit Ausnahme des Zentralnervensystems an allen Stellen des Körpers, vor allem an den inneren Organen wie dem Darm. Die wenigsten liegen davon an der Körperoberfläche, sodass man sie von außen tasten kann, beispielsweise am Hals, in der Leiste oder unter den Armachseln.

Lympknoten bestehen vorwiegend aus weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Außen sind sie von einer Kapsel umgeben, von der aus kleine Bindegewebszüge (Trabekel) ins Innere reichen. Dieses lässt sich mikroskopisch in Rinde (Cortex) und Mark (Medulla) unterteilen.

Die Lymphknoten gehören zum lymphatischen System, welches das Gewebswasser (Lymphe) transportiert, ein Mittelding aus Blutplasma und der Flüssigkeit im Inneren der Zellen. Dabei handelt es sich um das wichtigste Transportsystem gleich nach dem Blutkreislauf. Da die Lymphgefäße nur sehr dünne Wände aufweisen, fallen sie gegenüber den wesentlich stabileren Blutgefäßen kaum auf.

Lymphknoten
lymphatisches System – Lymphknoten System beim Mensch Copyright: Anatomy Insider bigstockphoto

Trotzdem sind Lymphgefäße und Lymphknoten nicht weniger wichtig als Arterien und Venen. Sie dienen dem Transport von Nähr- und Abfallstoffen und sind die „Autobahnen“ des Immunsystems, das mit ihnen weiße Blutkörperchen, Bakterien und Viren transportiert. Die Lymphknoten fangen Krankheitserreger und Fremdkörper ab und machen sie mit ihren zahlreichen Lymphozyten und Fresszellen unschädlich.

Die Lymphknoten erhalten die Lymphflüssigkeit aus ihrem jeweiligen Einzugsgebiet. Finden sich dort Krankheitserreger oder Fremdsubstanzen, leitet das Immunsystem im Lymphknoten die Immunreaktion ein.

Spezifische Lymphozyten beginnen sich stark zu vermehren und führen zum Anschwellen des betroffenen Lymphknotens. Die Immunzellen verteilen sich im ganzen Körper und bekämpfen eingedrungene Keime, um so ein Fortschreiten der Infektion zu verhindern.

In jedem Falle bedeuten geschwollene Lymphknoten, dass das Immunsystem an dieser Stelle gerade besonders beschäftigt ist.

Ursachen geschwollener Lymphknoten unter der Achsel:

Fremdkörper

Ebenso wie Bakterien filtert das Immunsystem alles aus Blut und Lymphbahnen, was es nicht als körpereigen erkennt. Daher können Partikel aus großen oberflächlichen Wunden über die Lymphbahnen in die Lymphknoten unter den Achseln gelangen. In der Regel machen diese Substanzen weniger Probleme als die gleichzeitig mit eingebrachten Bakterien. Diese müssen gegebenenfalls mit einer Antibiose bekämpft werden.

Eine Ausnahme machen die Farbstoffe bei Tätowierungen. In der Regel sollten dabei keine Bakterien in die Haut eingebracht werden, zumindest nicht in Mengen, die zu einer Infektion führen. Auch wenn die Farbstoffe mit dem Tätowierungswerkzeug in eher oberflächliche Schichten gelangen, transportieren die in der Haut umherwandernden Makrophagen Teile der Pigmente zu den nächstgelegenen Lymphknoten.

Daher kann es nach einer größeren Tätowierungsaktion am Arm zu einer Lymphknotenschwellung unter der Achsel kommen. Viele Tatoo-Freunde würden sich wundern, könnten sie sich ihre Lymphknoten unter dem Mikroskop anschauen: bunte Tatoos machen meistens auch die Lymphknoten bunt. Eine Behandlung ist hier in der Regel nicht notwendig, da die Schwellung nach einigen Tagen wieder verschwindet.

Lymphadenitis

Im Extremfall können eingedrungene Bakterien oder Viren zu einer Entzündung in den Lymphknoten führen. Man bezeichnet diese Entzündungsreaktion als Lymphadenitis oder reaktive Lymphknotenschwellung. Dabei sind die Lymphknoten schmerzhaft angeschwollen und gerötet,.

Unter den Armachseln sind in erster Linie akute virale Infekte mit Masernviren oder die Röteln für anschwellende Lymphknoten verantwortlich.

In Europa eher selten sind akute oder chronische bakterielle Infekte, etwa durch

  • Milzbrand (Anthrax) der Haut durch Bacillus anthracis,
  • Katzenkratzlymphadenitis (Katzenkratzfieber, Katzenkrankheit, KKK) infolge einer Infektion durch Kratzverletzungen und Infektion mit Bartonella henselae (sehr selten durch Katzenflöhe übertragen) – in bis zu 70 Prozent aller Katzen ist das Bakterium nachweisbar!
  • Lymphknotentuberkulose durch Mycobacterium tuberculosis – die betroffenen Lymphknoten kapseln sich ab und bilden abgeschlossene Tuberkuloseherde, in denen das Gewebe nekrotisch wird und sich die Bakterien vermehren.

In allen Fällen gilt es die Grunderkrankung, also die bakterielle Infektion zu bekämpfen. Das geschieht mit geeigneten Antibiotika.

Lymphknotenmetastasen

Nicht nur Bakterien und Fremdkörper gelangen in die Lymphknoten, sondern auch Tumorzellen, die sich von einem Primärtumor abgelöst haben und mit den Lymphbahnen in die regionären Lymphknoten gelangen. Die Bildung von Metastasen erfolgt hämatogen (über die Blutbahn) oder lymphogen (über die Lymphwege).

Lymphknotenmetastasen unter der Armachsel sind insbesondere bei Brustkrebs häufig. Oft sind verdickte Lymphknoten unter dem Arm die ersten Anzeichen für die Erkrankung. Bei der Behandlung von Lymphknotenmetastasen steht die Entfernung des betroffenen Lymphknotens und des Primärtumors an erster Stelle.

Da sich die Tumorzellen aus den Lymphknoten weiter im Körper verbreiten und vermehren können, werden bei fast allen Krebsoperationen auch die regionären Lymphknoten mit entfernt.

Meistens ist das auch dann der Fall, wenn noch keine makroskopische Veränderungen am Lymphknoten festzustellen sind. Denn in der Pathologie kann man anhand mikroskopischer Präparate feststellen, ob sich in den Lymphdrüsen Tumorzellen befinden. In einem solchen Fall muss man davon ausgehen, dass bereits eine lymphogene Streuung eingesetzt hat und man bei der weiteren Therapie entfernt sitzende Metastasen mit berücksichtigen muss.

Lymphknoten
Lymphknoten am Hals angeschwollen Copyright: VitaM bigstockphoto

Geschwollene Lymphknoten unter der Achsel: Blutkrebs (Leukämie)

Vermehren sich bei einer Leukämie unreife Vorläuferzellen der weißen Blutkörperchen ungehemmt, sammeln sich diese im gesamten lymphatischen System an. Daher schwellen Milz und Lymphknoten im Verlaufe einer Leukämie an.

Behandelt werden Leukämien mit Chemotherapie, gegebenenfalls in Kombination mit Bestrahlung und allogener Knochenmarktransplantation.

Geschwollene Lymphknoten unter der Achsel: Lymphdrüsenkrebs

In einigen Fällen ist der Lymphknoten selbst von Krebs betroffen. Lymphdrüsenkrebs bezeichnet man medizinisch als malignes Lymphom.

Dabei treten vergrößerte Lymphknoten am Hals, unter den Armachseln und in der Leistengegend auf. Diese Schwellungen sind nur selten schmerzhaft. Bei den malignen Lymphomen unterscheidet man zwischen Hodgkin– und Non-Hodgkin-Lymphomen. Die meisten davon können mit geeigneter Chemotherapie erfolgreich behandelt werden.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. ISBN-10: 3110339978.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold-Verlag. ISBN-10: 3981466063
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
Letzte Aktualisierung am

Quellen und Literatur:

  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. Onlineversion abgerufen
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag
  • Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2009
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte

Medizinischer Hinweis:

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