Chronisches Erschöpfungssyndrom mit Homöopathie behandeln

Homöopathie bei Chronic Fatigue Syndrom/ CFS

Patienten, die unter dem Chronic Fatigue Syndrom, das auch unter den Bezeichnungen chronisches Erschöpfungssyndrom, myalgische Enzephalomyelitis oder Systemic Exertion Intolerance Disease (SEID) bekannt ist, kämpfen seit Jahren für die Akzeptanz ihrer Erkrankung in der Gesellschaft. Zahlreiche Ärzte, Kranken- und Rentenkassen beurteilen CFS immer noch als psychische Erkrankung – trotz der WHO-Klassifikation von CFS als Erkrankung des Nervensystems.

Phytotherapie gegen Depressionen
Depression Urheber: racorn / 123RF

Betroffene können je nach Schweregrad der Erkrankung nur mehr einen Bruchteil ihrer Gesamtenergie über den Tag hinweg nutzen. Schwerste Fälle sind komplett bettlägrig, schwerbehindert, pflegebedürftig oder müssen parenteral ernährt werden. Zu den typischen Symptomen zählen Energielosigkeit, Zunahme der Beschwerden nach Belastung, Konzentrationsstörungen, grippale Symptome wie geschwollene Lymphknoten und Halsschmerzen, Gelenk- oder Muskelschmerzen oder auch Schlafstörungen. Von psychischen Erkrankungen ist das Chronic Fatigue Syndrom von Fachärzten mittels eines Diagnoseprotokolles (Kanadische Kriterien oder Fukuda-Kriterien) zu unterscheiden.

Wir verweisen im folgenden Beitrag unter anderem auf homöopathische Arzneien, die hilfreich bei den Erschöpfungssymptomen sein können.

Vorurteile gegen das Chronic Fatigue Syndrom

Die Bezeichnung „chronisches Erschöpfungssyndrom“ lehnen Betroffenen ab, da der Großteil aller Vorurteile genau auf diesen Begriff zurückgeht. Nach dem Motto „Nach einem anstrengenden Arbeitstag bin ich auch erschöpft. Spann dich einfach mal aus.“ werden Patienten mit ihren Leiden allein gelassen und oft missverstanden. Der Bundesverbund für Patienten mit CFS, Fatigatio e.V., hat es sich zur Aufgabe gemacht, CFS-Patienten zusammenzubringen und News & Facts zu den aktuellen Therapien zu liefern. Das Problem, das viele Patienten haben, ist, dass es bis heute neben den bereits erwähnten Diagnosekriterien keinen eindeutigen Test gibt, der die Krankheit nachweisen kann.

 

CFS versus Depression

Schätzungen aus den USA und Großbritannien haben ergeben, dass 4 von 1000 Menschen unter CFS leiden. Diese ernsthafte Erkrankung schränkt Betroffene teilweise massiv im Alltag ein. Im Gegensatz zur Depression möchten die CFS-Patienten zwar aktiv werden, doch ihnen fehlt schlichtweg die nötige Kraft und Konzentration. Im Gegensatz zum depressiven Patienten geht es einen Patienten mit CFS schlechter, wenn er aktiviert wird. Jede psychische, physische wie auch seelische Anstrengung kann zur Verschlimmerung des Krankheitsbildes führen.

Bei CFS bestehen auch mentale Symptome. Typisch sind die Konzentrations- und Wortfindungsstörungen. So kann es vorkommen, dass ein Patient am Ende eines Gesprächs schon gar nicht mehr sagen kann, worum es am Anfang ging.

 

Der Teufelskreis der falschen Diagnose

Da die bei CFS auftretenden Schmerzen keinerlei erkennbare Ursachen zeigen, diagnostizieren Ärzte oftmals eine Somatisierungsstörung. Da sich objektiv nichts finden lässt, werden zahlreiche CFS-Patienten in die psychologische Ecke abgeschoben. Dies kann jedoch zu Fehlbehandlungen und verheerenden Folgen für den Patienten führen: Gerade bei einer Kur für depressive Patienten oder einem Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik kommt es zu Dilemmas: Der Verzicht des CFS-Patienten, an anstrengenden körperlichen Übungen, Therapien oder Gruppengespräche teilzunehmen, wird als Stimulanz und schädliche Schonhaltung abgestempelt.

Dabei fehlt dem Patienten einfach die Kraft, mitzumachen, obwohl er dies meist gern tun würde. Setzen sich CFS-Patienten über ihre Erschöpfungszustände hinweg und nehmen an den geforderten Sitzungen teil, kehren sie meist noch kränker nach Hause zurück. Ärzte, die bereits Erfahrungen mit CFS gemacht haben, raten zur Pacing-Strategie – eine schonende Behandlung, deren Fokus darauf liegt, sich zu keinem Zeitpunkt vollständig auszupowern. Leiden CFS-Patienten an Depressionen, ist dies eine Folgeerscheinung von CFS und nicht deren Ursache.

 

Welche Ursachen hat das Chronic Fatigue Syndrom?

Meist geht ein viraler Infekt dem Krankheitsgeschehen voraus. Mittlerweile nimmt man eine Autoimmunreaktion als Ursache an. Viele Patienten sind enttäuscht von der Schulmedizin, da sie im Falle von CFS nur in Ansätzen eine wirkliche Linderung erfahren. Diese Krankheit stellt Mediziner vor Rätsel. Ihre Ursachen erscheinen zumeist nebulös und die Symptome äußerst vielfältig. Die Patienten leiden zum Teil unter ständigen Schwächeanfällen, unter andauernden, chronischen Schmerzen sowie Schlafstörungen.

Zudem leiden die Patienten meist unter einer Verstärkung der Symptome nach einer Belastung. Des Weiteren kann es zu grippeartigen Beschwerden und kognitiven Einbußen, wie zum Beispiel Konzentrationsstörungen, kommen. In unmittelbarer Folge verfallen zahlreiche Patienten in tiefe Depressionen, da sie sich nicht imstande sehen, ihrem Leiden mittels einer Therapie eine Ende zu setzen. Zum Teil werden Betroffene sogar als Simulanten abgestempelt. Dabei ist die Krankheit gar nicht selten: Hochschätzung gehen mittlerweile von einem CFS-Patienten von 3000 in Deutschland aus.

Welche Diagnoseverfahren bei CFS?

Carmen Scheibenbogen – Onkologin und Immunologin an der Charité in Berlin – trifft immer wieder auf Patienten, die mit dem Verdacht auf CFS nach einem andauernden Infekt zu ihr kommen. Die eigentliche Diagnose „Chronic Fatigue Syndrom“ ist nur durch ein Ausschlussverfahren möglich. Zunächst testet ein Arzt auf HIV, multiple Sklerose und andere Formen von chronischer Leberentzündung – auch alle diese Krankheiten rufen Abgeschlagenheit im Körper hervor. In der Folge geht Carmen Scheibenbogen die kanadischen Kriterien oder die Fukuda-Kriterien mit ihren Patienten durch. Es handelt sich hierbei um Diagnoseprotokolle, die speziell für CFS entwickelt wurden.

Einige Studien haben ergeben, dass alle Patienten, die an CFS leiden, weniger Sauerstoff aufnehmen und im Vergleich zu gesunden Personen, auch weniger verwerten können. Doch dieser Test hat einen Haken: Über die Beanspruchung auf dem Fahrradergometer, der dies beweisen könnte, können die Patienten einen Schaden nehmen. Scheibenbogen legt ihren Fokus auf speziellere Blutwerte, wie zum Beispiel das Epstein-Barr-Virus (EBV), das ein möglicher Auslöser dieser Krankheit sein kann.

Im Prinzip ist jeder Mensch mit diesem Erreger innerhalb der eigenen Familie infiziert worden und kann diesen über den Speichel auf andere übertragen. Meistens machen diese Viren nicht krank und bleiben ein Leben lang unbemerkt im Körper. Infiziert man sich erst im Jugend- oder Erwachsenenalter, kann das Pfeiffersche-Drüsenfieber ausbrechen. In dessen Folge kann es zu CFS kommen, so die Annahme von Professorin Carmen Scheibenbogen. Die Fachärztin folgert, dass es sich bei CFS demnach um eine Regulationsstörung des Immunsystems handelt.

Chemotherapie und deren Wirksamkeit bei CFS

Die Onkologin Oystein Flug hat bei einer Behandlung in der Haukeland-Universitätsklinik 2004 eine interessante Entdeckung gemacht. Sie behandelte einen Patienten mit einer Chemotherapie bei Drüsenkrebs. Dieser Patient erkrankte auch an CFS. Erstaunlicherweise wirkte die Chemotherapie auch gegen das chronische Erschöpfungssyndrom, sodass der Patient später sogar ohne Rollstuhl laufen und kleinere Arbeiten verrichten konnte, die vorher undenkbar waren. Fünf Monate nach der Chemotherapie schlug CFS wieder mit voller Härte zu. In der Konsequenz verabreichte Oystein Flug ihrem Patienten erneut das Chemotherapeutikum Rituximab. In der Folge kam es wieder zu einer Verbesserung der Krankheit. Eine kleine Studie mit einzelnen CFS-Patienten zeigte dann auf, dass eine Vielzahl von ihnen ebenfalls von Rituximab zu profitieren scheint. Im Moment soll eine großangelegte Studie klären, ob das Chemotherapeutikum in Zukunft als Therapie für die Erkrankung verwendet werden kann.

Zum aktuellen Stand der Forschung soll vor allen Dingen die Diagnostik verbessert werden. So schlägt Carmen Scheibenbogen vor, in der Diagnostik auf die Immunantwort zu setzen. Fällt diese zu schwach aus, ist dies als ein erster Hinweis auf CFS zu sehen.

 

Gibt es weitere erfolgversprechende Therapien?

Carmen Scheibenbogen verweist auf die aktuellen medikamentösen Therapiestudien, die widersprüchliche Ergebnisse liefern. So sollten bei Mangelerscheinungen Magnesium- und Hydro-Kortisonsubstitution eingesetzt werden, da hier eine kontrollierte Wirksamkeit bestätigt wurde. Darüber hinaus empfiehlt die Ärztin einen Ausgleich bei Phosphat- und Eisenmangel. Kommt es in der Folge zu Depressionen, können diese unter Umständen mit Verhaltenstherapie und Antidepressiva behandelt werden.

So ist es ratsam, den täglichen Tagesablauf jeweils an der Schwere der Erkrankung zu orientieren und nur leichte, dem Krankheitsstadium angepasste körperliche Belastung einzulegen. Dabei ist zwingend darauf zu achten, die körperliche Belastung nicht zu übertreiben.

Frau Scheibenbogen gibt folgende Übersicht über die Behandlungsmöglichkeiten:

  • Ein Großteil der Patienten behandelt sich selbst mit Komplementärmedizin und Nahrungsergänzungsmitteln. Hierzu gibt es noch keine belegbaren Studien.
  • Muskelschmerzen werden vor allen Dingen über die Liponsäure und N-Acetylcystein behandelt.
  • Darüber hinaus können Konzentrationsstörungen durch eine dosierte Einnahme von Methylphenidat verbessert werden.
  • Die Behandlungs- und Lösungsvorschläge sollten auf einem motivierenden, aber dennoch realistischen Level bleiben. Leidet ein Patient häufig unter Herpesvirusrezidiven, kann zum Beispiel eine Suppressionstherapie Erleichterung versprechen.

 

Was sagt die Naturheilkunde zum Chronic Fatigue Syndrom?

Auch in der Naturheilkunde ist es bis heute immer noch nicht gelungen, eine einheitliche Therapie für alle CFS-Patienten zu entwickeln. Genau wie die Schulmedizin nutzen naturheilkundliche Therapeuten in erster Linie Behandlungsansätze, die vor allem symptomatisch wirken sollen, wie zum Beispiel Schmerzmittel oder Schlafmittel. Daneben werden homöopathische Ansätze, orthomolekulare Therapien und pflanzenheilkundliche Behandlungsmethoden beim Chronic Fatigue Syndrom eingesetzt. Kennzeichnend für das Krankheitsbild ist, dass einzelne naturheilkundliche Therapien bei einer Gruppe von Patienten hilfreich sein können, bei anderen aber komplett wirkungslos.

Das zeigte sich zum Beispiel auch in einer Anwendungsbeobachtung mit einem Präparat aus Rhodiola rosea (Rosenwurz) beim Chronic Fatigue Syndrom (Download – Broschüre zum Rhodiola rosea bei Chronic Fatigue Syndrom), bei der einzelne Patienten über Besserungen bei den Konzentrationsstörungen und der reduzierten Belastbarkeit berichten, andere hingegen keine Besserungen der Beschwerden erlebten.

Folgende Heilverfahren werden beim Chronic Fatigue Syndrom häufig eingesetzt:

  •    Akupunktur,
  •    Bachblütentherapie,
  •    Ayurveda,
  •    Homöopathie,
  •    Fußreflexzonentherapie,
  •    Kräuterheilkunde oder
  • medizinische Heilhypnose.

Daneben wird meist zu folgenden weiteren Punkten geraten:

  • Ernährungsumstellung
  • Reduzierung von zuckerhaltigen Lebensmitteln
  • Weitgehender Verzicht auf Kaffee oder ähnliche Stimulantien
  • Einnahme von ungesättigten Fettsäuren

Homöopathie bei CFS

Wer eine klassische homöopathische Behandlung seiner Erkrankung wünscht, sollte sich in die Hände eines erfahrenen Homöopathen begeben. Dieser wird gemäß der individuellen Symptome ein Konstitutionsmittel bestimmen. Die Homöopathie eignet sich jedoch auch zur Selbstbehandlung. Hierfür stehen homöopathische Komplexmittel und Einzelmittel zur Verfügung, welche immer anhand der individuellen Symptome auszuwählen sind.

In der folgenden Übersicht bringen wir typische Symptome mit den passenden homöopathischen Mitteln in Verbindung:

  •    Arnica: bei Folgen von Überanstrengung und Übermüdung,
  •    Arsenicum album: Gefahr eines Kollaps, Überarbeitung, Abmagerung und schnelle Erschöpfungszustände,
  •    Calcium phosphoricum: Wetterfühligkeit, Appetitlosigkeit und Konzentrationsschwäche,
  •    Carbo vegetabilis: Gefahr eines Kollaps, Müdigkeit in der Folge von Krankheiten, zunehmende Gedächtnisschwäche,
  •    Damiana: körperliche und geistige Einschränkung bedingen einander, es treten zum Teil Schlafstörungen auf Übermüdung,
  •    Sepia: Schwächezustände gerade bei Frauen, hormonell bedingte Depressionen und nervöse Erschöpfungszustände,
  •    Gelsemium: körperliche sowie geistige Erschöpfung, Schwindelgefühle, Zunahme von Kopfschmerzen und Probleme, sich zu konzentrieren,
  •    Phosphorus: bei Gliederschwäche, Überanstrengung und Konzentrationsschwäche,

Selenium: Zunahme von Impotenz und sexueller Schwäche, Appetitlosigkeit und Nervosität sowie schnelle Ermüdung.

Empfohlene Dosierung: 3-mal täglich 1 Tablette einer D6-Potenz. So lange anwenden, bis eine Besserung eintritt. Diese Hinweise ersetzen jedoch nicht die sorgfältige Diagnose und Behandlung durch einen Arzt.

 

Fazit zum Chronic Fatigue Syndrom

Selbst unter den Experten gibt es immer noch keine Einigung, mit welcher einheitlichen Therapie CFS zu behandeln ist. So orientiert sich bis heute eine Behandlung an den belastenden Symptomen, unter denen ein Patient leidet. Neben Schmerzmitteln setzen erfahrene Ärzte auf die Pacing-Strategie. Hier liegt das Hauptaugenmerk auf dem aktuellen Zustand des Patienten und dem bewussten Umgang mit den eigenen Energiereserven. Ein CFS-Patient darf sich niemals vollständig auspowern! Homöopathische Mittel können hilfreich sein, Erschöpfungszuständen bei CFS zu mildern.

 

Links zu weiterführenden Information

http://homoeopathie-naturheilkunde.vitanet.de/homoeopathie/anwendungen-psyche-verfassung/erschoepfung

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=33607

Redaktion: Sebastian Vigl, Heilpraktiker

Letzte Aktualisierung am

Literatur:

  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag
  • Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2009
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte
  • Deutsches Ärzteblatt, Studien und aktuelle Nachrichten
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