So hilft Cannabidiol (CBD) bei Reizdarm (Tipps und Studien)

Naturheilkunde ist bei Reizdarm eine sinnvolle Option

Berlin: Beinahe jeder Fünfte leidet in Deutschland unter dem Reizdarmsyndrom. Das Krankheitsbild zeichnet sich durch unterschiedliche Beschwerden aus. Dazu zählen krampfartige Bauchschmerzen und Stuhlunregelmäßigkeiten wie Durchfall oder Verstopfung. Betroffene klagen zudem häufig über Blähungen und ein unspezifisches Unwohlsein im Bauchraum.

Cannabis of formula CBD. Structural model of cannabidiol molecule. Copyright: Aleksandr Kravtsov, bigstockphoto

Typisch für die Erkrankung ist, dass bei der ärztlichen Untersuchungen für die Beschwerden keine krankhafte körperliche Veränderung festgestellt werden kann. Untersuchungen wie Magen-Darm-Spiegelungen, Ultraschalluntersuchungen und Blutuntersuchungen liefern typischerweise keinen Befund.

Die Ursache der Erkrankung ist bis heute nicht geklärt, wahrscheinlich spielen mehrere Faktoren bei ihrer Entstehung und dem Verlauf eine Rolle. Dazu zählen Veränderungen der Darmflora, Umwelteinflüsse, psychische Belastungen wie Stress oder Medikamenteneinnahme (Antibiotika).

Von wachsendem Interesse sind die Behandlungsmöglichkeiten der Naturheilkunde bei Reizdarm (siehe S.Vigl, Heilpraktiker auf ihre-heilpraktiker.berlin/naturheilkunde/reizdarm)

So hilft Cannabidiol (CBD) bei Reizdarm (Tipps und Studien) – verschiedene Naturheilmittel können hilfreich sein. Auch Ärzte greifen immer häufiger auf solche zurück. Besonders die Heilpflanzenkunde liefert eine Reihe vielversprechender Ansätze. So konnten bisher unter anderem die positiven Effekte einer Mischung aus Myrrhe, Kamille und Kaffeekohle in Studien nachgewiesen werden. (1)(2) Auch ballaststoffreiche Heilpflanzen wie Flohsamen können hilfreich sein. (3)

Daneben scheint das natürliche Cannabidiol (CBD) vielversprechend.

Heilen mit Cannabis und Cannabidiol (CBD)

Cannabidiol (CBD) ist ein natürlicher Wirkstoff aus der Arzneipflanze Hanf (Cannabis). Cannabis wird seit mehreren tausend Jahren von Menschen genutzt – unter anderem für die Gewinnung von Fasern für die Textil- oder Papierherstellung, als Nahrungspflanze, für Rauschzwecke und für die medizinische Anwendung. Die Heilwirkungen von Cannabis wurden in den letzten Jahrzehnten wiederentdeckt.

Die Heilpflanze wird unter anderem bei Multipler Sklerose, Nervenschmerzen, Schlafstörungen und den Beschwerden von Krebspatienten eingesetzt. Für ihre vielschichtigen Wirkungen galt lange Zeit der Stoff Tetrahydrocannabinol (THC) verantwortlich. THC lindert Übelkeit und Brechreiz und wirkt euphorisierend, entzündungshemmend, schmerzstillend, appetitanregend und psychoaktiv. THC ist jedoch nicht der einzige Inhaltsstoff von Cannabis. THC zählt zu einer Reihe von bis zu 50 verschiedenen sogenannten Cannabinoiden. Die meisten davon sind bis heute noch kaum erforscht.

Ein Cannabinoid sorgt seit ein paar Jahren immer wieder für vielversprechende Forschungsergebnisse und entsprechende Schlagzeilen: das Cannabinoid Cannabidiol (CBD). Wie THC kann CBD entzündungshemmend, schmerzstillend und antidepressiv wirken. Es wirkt jedoch nicht psychoaktiv, weswegen es nicht wie THC unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. CBD ist nicht verschreibungspflichtig und CBD-haltige Nahrungsergänzungsmittel sind frei verkäuflich. CBD-haltige Arzneimittel fallen hingegen unter die Verschreibungspflicht.

In Studien und in der praktischen Anwendung konnten Patienten mit verschiedenen Erkrankungen und Beschwerden von der Einnahme von CBD profitieren. Dazu zählen auch Patienten, die am Reizdarmsyndrom leiden. Die Interaktionen von CBD mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System scheinen die Reizdarm.Beschwerden zu bessern.

Medicinal marijuana cannabis with extract oil Medicinal marijuana cannabis Copyright: trimaylova kristina, bigstockphoto

So wirken Cannabinoide wie CBD bei Reizdarm

Das Endocannabinoid-System ist ein Komplex aus Botenstoffen und entsprechenden Rezeptoren. Die Botenstoffe heißen Endocannabinoide, die Rezeptoren Endocannabinoid-Rezeptoren. Das Endocannabinoid-System erfüllt eine wichtige Funktion im Körper, es reguliert komplexe Abläufe. Es ist an der Regulation des Appetits, des Immunsystems, der psychischen Gesundheit, der Stressantwort, von Entzündungsvorgängen, von Schmerzen und des Wohlbefindens beteiligt.

Verschiedene Wissenschaftler wie der Neurologe Ethan Russo gehen davon aus, dass Fehlfunktionen des Endocannabinoid-Systems bei vielen Erkrankungen und Beschwerden eine Rolle spielen. Er vertritt die These des Endocannabinoid-Mangels. Können körpereigene Endocannabinoide nicht ausreichend gebildet werden, führe dies zu einer Reihe von Beschwerden, vor allem von Schmerzen. Ethan Russo bringt etwa Fibromyalgie, Migräne und eben auch Reizdarm mit einem Endocannabinoid-Mangel in Verbindung. (4)

Gemäß dieser Sichtweise wäre es sinnvoll, das Endocannabinoid-System bei der Therapie von Reizdarm zu berücksichtigen und seine Funktion zu stärken. Hierbei kann die Heilpflanze Cannabis hilfreich sein.

Die Cannabinoide THC und CBD unterstützen zum Beispiel die Wirkung des körpereigenen Endocannabinoids Anandamids. Anandamid spielt eine wichtige Rolle bei der Verarbeitung von Schmerzen, niedrige Anandamid-Spiegel sollen sich negativ auf die Beschwerden von Reizdarm auswirken. THC wirkt ähnlich wie Anandamid und kann daher hilfreich sein. CBD kann die Aktivität von Anandamid steigern und kann auch aufgrund seiner entzündungshemmenden, schlaffördernden und antidepressiven Eigenschaften bei Reizdarm lindernd wirken.(4)(5)

THC und CBD bei Reizdarm: bisherige Studien und praktische Erfahrungen

Die drei bisherigen Studien von Cannabinoiden bei Reizdarmpatienten wurden ausschließlich mit THC (Dronabinol) durchgeführt. THC beeinflusste die Häufigkeit und Intensität von Durchfällen, Schmerzen, Appetit und gedrückter Stimmung positiv. (6)(7)(8) Diese ersten Ergebnisse sind zwar vielversprechend, den genauen Nutzen von THC können erst weitere Studien mit einer größeren Zahl an Teilnehmern klären. Zudem ist es momentan in Deutschland wenig aussichtsreich, dass die Krankenkassen die Kostenübernahme von Cannabis oder THC für Reizdarmpatienten bewilligen. Bei schweren Symptomen, die sich auf anderen Wegen nicht bessern lassen, kann eine eventuelle Therapie mit Cannabis oder THC dennoch mit dem Arzt besprochen werden.

Aussichtsreicher ist eine Therapie mit CBD für Reizdarmpatienten. Dessen Wirkung wurde zwar noch in keiner klinischen Studie untersucht, für seinen Einsatz sprechen jedoch zahlreiche positive Patientenberichte. Demzufolge scheint CBD die häufigsten Beschwerden des Reizdarmsyndroms lindern zu können. Diese Effekte sind aufgrund der bisher bekannten Eigenschaften von CBD plausibel.

Cannabidiol (CBD) bei Reizdarm anwenden

Patienten mit Reizdarm können CBD in Form von frei verkäuflichen CBD-Ölen einnehmen. Es ist vorteilhaft, wenn diese nicht nur CBD, sondern auch weitere Inhaltsstoffe der Hanfpflanze enthalten. Dazu zählen viele Cannabinoide und Terpene, die sich positiv auf die Beschwerden auswirken können. Dazu gehört auch das Terpen Linalool, das die schmerzlindernden und entkrampfenden Effekte von CBD verstärkt. Linalool findet sich auch in anderen Heilpflanzen, deren Einnahme aus diesem Grund bei Reizdarm Sinn machen kann. Auch die Heilpflanze Basilikum ist Linalool-haltig. Wir empfehlen Reizdarmpatienten, zwei Tropfen des ätherischen Basilikumöls mit einem Teelöffel fettem Johanniskrautöl zu mischen und damit den Bauch einzureiben. Diese Anwendung ist in der Schwangerschaft nicht empfehlenswert.

Wichtiger Hinweis

Auch wenn beim Reizdarmsyndrom keine auffälligen Befunde zu erwarten sind, ist eine sorgfältige Diagnose trotzdem sehr wichtig. Nur so können andere Erkrankungen des Verdauungstraktes ausgeschlossen werden, die mit ähnlichen Beschwerden einhergehen. Eine Therapie mit Naturheilmitteln wie CBD sollte stets mit den behandelnden Ärzten abgesprochen werden. Beiträge wie dieser bieten, auch wenn sie gut recherchiert sind, keinen Ersatz für eine sorgfältige schulmedizinische Diagnose und Therapie.

Über den Autor

Sebastian Vigl arbeitet bei Heilpraktiker Wanitschek & Vigl Berlin und ist Autor diverser Ratgeber. Zusammen mit seiner Praxiskollegin Anne Wanitschek veröffentlichte er im Herbst 2018 den Ratgeber „Cannabis und Cannabidiol (CBD) richtig anwenden“. Der Ratgeber bieten einen aktuellen und faktenbasierten Überblick über die Einsatzmöglichkeiten von Cannabis und CBD. Die Autoren zeigen, wie Cannabis und CBD bei über 40 Erkrankungen oder Beschwerden angewandt werden können. Neben den Anwendungsmöglichkeiten bietet der Ratgeber auch wichtige Hilfestellungen zu Ergänzungsmöglichkeiten mit anderen Heilpflanzen und eine Übersicht über aktuelle klinische Studien zur Wirksamkeit.

Quellen und Links

(1) Vissiennon C, Goos KH, Arnhold J, Nieber K. Mechanisms on spasmolytic and anti-inflammatory effects of a herbal medicinal product consisting of myrrh, chamomile flower, and coffee charcoal. Wien Med Wochenschr. 2017 May;167(7-8):169-176 abgerufen↑

(2) Albrecht U, Müller V, Schneider B, Stange R. Efficacy and safety of a herbal medicinal product containing myrrh, chamomile and coffee charcoal for the treatment of gastrointestinal disorders: a non-interventional study. BMJ Open Gastroenterol. 2015 Feb 6;1(1):e000015  abgerufen↑

(3) Ford AC, Talley NJ, Spiegel BM, Foxx-Orenstein AE, Schiller L, Quigley EM, Moayyedi P. Effect of fibre, antispasmodics, and peppermint oil in the treatment of irritable bowel syndrome: systematic review and meta-analysis. BMJ. 2008 Nov 13;337:a2313

(4) Russo EB. Clinical Endocannabinoid Deficiency Reconsidered: Current Research Supports the Theory in Migraine, Fibromyalgia, Irritable Bowel, and Other Treatment-Resistant Syndromes. Cannabis Cannabinoid Res. 2016 Jul 1;1(1):154-165

(5) Fraguas-Sánchez AI, Torres-Suárez AI. Medical Use of Cannabinoids. Drugs. 2018 Nov;78(16):1665-1703

(6) Wong BS, Camilleri M, Eckert D, Carlson P, Ryks M, Burton D, Zinsmeister AR. Randomized pharmacodynamic and pharmacogenetic trial of dronabinol effects on colon transit in irritable bowel syndrome-diarrhea. Neurogastroenterol Motil. 2012 Apr;24(4):358-e169

(7) Wong BS, Camilleri M, Busciglio I, Carlson P, Szarka LA, Burton D, Zinsmeister AR. Pharmacogenetic trial of a cannabinoid agonist shows reduced fasting colonic motility in patients with nonconstipated irritable bowel syndrome. Gastroenterology. 2011 Nov;141(5):1638-47.e1-7

(8) Klooker TK, Leliefeld KE, Van Den Wijngaard RM, Boeckxstaens GE. The cannabinoid receptor agonist delta-9-tetrahydrocannabinol does not affect visceral sensitivity to rectal distension in healthy volunteers and IBS patients. Neurogastroenterol Motil. 2011 Jan;23(1):30-5

Letzte Aktualisierung am

weitere Quellen und Literatur:

  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. Onlineversion abgerufen
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag
  • Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2009
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte

Medizinischer Hinweis:

Unsere Informationen dürfen nicht als Ersatz für eine ärztliche Diagnose oder zur Eigenbehandlung genutzt werden. Bei Beschwerden und Fragen konsultieren Sie bitte immer Ihren Arzt.
Sebastian Vigl, Heilpraktiker
Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für angewandte Phytotherapie und des Fachverband deutscher Heilpraktiker. Mitglied der Gesellschaft für biologische Krebsabwehr. Seminarleiter und Verfasser verschiedener Fachartikel.
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