Bipolare affektive Störung rechtzeitig erkennen und handeln!

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Was ist eine bipolare Störung?

Die bipolare Störung verweist auf einen immerwährendes Auf und Ab der eigenen Empfindungen und Gefühle. Wir haben es mit einer psychischen Form der Störung zu tun, die manische und depressive Charakteristika in sich trägt. Die Betroffenen leiden unter einen stetigen Wechsel von tiefer Betroffenheit und Niedergeschlagenheit bis hin zu stark euphorischen und hellen Phasen.

Bipolare Störungen können sich auf das ganze Leben eines Betroffenen auswirken und zu einer sozialen Isolation führen. Im folgenden Beitrag diskutieren wir die Charakteristika und Symptome einer bipolaren, affektiven Störung, die jeweiligen Risikofaktoren, Ursachen und mögliche Therapieansätze, die Betroffenen helfen.

Mann mit Freude und Despression
Auf und Ab der Gefühle Urheber: stocking / 123RF

Die bipolare, affektive Störung wird in einer Kurzbezeichnung auch als bipolare Störung bezeichnet – kurz BAS. Vor einigen Jahren bezeichnete man diese Erkrankung auch als manisch depressive Erkrankung. Im Prinzip zählen die psychischen Störungen zur Gruppe der Affektstörungen. Die Betroffenen sind nicht in der Lage, die unterschiedlichen Schübe einer bipolaren Störung bewusst zu steuern und sind diesen unkontrolliert ausgesetzt. Der Begriff „bipolar“ verweist auf die zweipolige Ausbildung der entgegengesetzten Stimmungsschwankungen.

 

Einordnung der affektiven, bipolaren Störungen

Diese Stimmungen reichen weit über das normale Niveau hinaus und können sich bis in eine tiefe Depression und Manie ausweiten. Betroffene gelten in dieser Phase als lebensunfähig und benötigen die Hilfe anderer. Tatsächlich lassen sich bipolare, affektive Störungen mit Kurzbezeichnungen klassifizieren. So unterscheiden wir zum Beispiel folgende Klassifikationen voneinander:

  • F31 bipolare affektive Störung,
  • 1 bipolare affektive Störung, manische Episode ohne psychotische Krankheit Anzeichen,
  • 3 bipolare affektive Störung, mit leichten und mittelgradigen depressiven Episode oder
  • 4 bipolare affektive Störung mit schweren depressiven Episoden ohne psychotische Anzeichen.

Sie dürfen an dieser Stelle bereits erkannt haben, dass die bipolare Störung im Individualfall von Patient zu Patient stark abweicht. Doch eines haben alle Krankheitsverläufe gemeinsam, ihren wechselhaften Verlauf.

Folgende Episoden werden bei der bipolaren Störung unterschieden:

  • Depressionen: Auftreten einer stark gedrückten Stimmung in Zusammenhang mit einem fehlenden Antrieb. Gerade starke Depressionen können sich bis hin zu Suizidgedanken manifestieren.
  • Manische Episoden: vermehrte Anzeichen von Rastlosigkeit und Gereiztheit. Die Fähigkeit zur Einschätzung der Realität ist stark eingeschränkt und führt bei den Betroffenen zu erheblichen Schwierigkeiten im sozialen Umfeld.
  • Hypomanie: In diesem Zustand oder in dieser Episode ist von einer stark ausgeprägten Manie die Rede.
  • Gemischte Episoden: Diese Phasen lassen sich an dem wechselseitigen Auftreten von Depressionen und Manien erkennen.

Das tückische an diese Erkrankung: Zwischen den unterschiedlichen Episoden der bipolaren Störung verfallen Betroffene wieder in einen normalen Zustand zurück. So verlaufen die Stimmungen in diesem Zeitraum in normalen Schwankungen auf einem annehmbaren Level. Im Hinblick auf den Schweregrad lassen sich unterschiedliche Stufen dieser Störung unterscheiden. Tatsächlich erscheinen alle Kranken vor allem in der manischen Phase als eine enorm charismatische Persönlichkeit, da die stark angestiegene Euphorie auch die Kreativität beflügelt. Bipolare Störungen sind von Anfang an sehr ernst zu nehmen, da diese je nach Schweregrad und Abstufung zu Suizidgedanken führen.

 

Wann treten bipolare, affektive Störungen auf

Das eigentliche Eintrittsalter dieser Störungen ist im früheren Erwachsenenalter zu sehen. Leider leiden viele Betroffene über viele Jahre hinweg an einer bipolaren, affektiven Störung, ohne eine wirkliche Diagnose zu erhalten. Das Auftreten der Episoden und die damit verbundenen Symptome und Krankheitsanzeichen haben merkliche Auswirkungen auf das gesamte soziale Umfeld und führen unwiderruflich zu einer persönlichen Isolation der Betroffenen. Der Lebensweg der Erkrankten wird durch ihre Krankheit stark beeinflusst. Probleme im eigenen Familienleben, im Arbeitsleben und in der Ausbildung sind über die stetigen Wechsel der Episode nicht zu vermeiden.

Tatsächlich leiden viele sehr erfolgreiche Menschen unter bipolaren, affektiven Störungen. In den euphorischen Phasen lässt sich ein Betroffener auch für gewagte Projekte begeistern und zeigt unweigerlich ein hohes Engagement und Arbeitswillen. Gerade die leichten Ausprägungen einer bipolaren Störung treten vor allen Dingen in Industrienationen äußerst häufig auf. So sollen 3-4 % der Bevölkerung zu einem Zeitpunkt in ihrem Leben von dieser Form der affektiven, bipolaren Störung betroffen gewesen sein.

 

Die Gefahr der Fehldiagnosen

Nur wenige Ärzte sind in der Lage, Hypomanien und Depressionen zu diagnostizieren, da sich die eigentlichen Symptome nicht messen lassen. Auch in der Gesellschaft haben manisch depressive Krankheiten keinen wirklichen Stellenwert. Darüber hinaus sehen sich die Ärzte mit Schwierigkeiten im Hinblick auf die Anamnese und Diagnostik konfrontiert. 30 % aller affektiven Störungen treten als Mischform auf. So gehen in diesem Fall Euphorie gleichwertig mit depressiven Symptomen einher, dies führt zu unwiderruflichen Fehldiagnosen. Außerdem kann es in der Phase von Manien oftmals zu Drogenkonsum kommen, sodass diese psychosomatischen Erkrankungen oftmals mit einer Drogenabhängigkeit verwechselt werden. Diese Suchtkrankheiten verschleiern vielmehr die eigentlichen Ursachen.

Eine der häufigsten Fehldiagnosen von bipolaren Störungen sind die Depressionen. Dies ist immer dann der Grund, wenn die manischen Phasen nicht erkannt werden. Zudem ist bei allen Kindern und Jugendlichen eine wirkliche Abgrenzung von ADHS – im Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom – enorm schwierig. Auf der Höhepunkt von Manien kann es zu psychotischen Symptomen kommen und in der Folge zu einer Fehldiagnose der Schizophrenie.

 

Diagnostik und Behandlung der bipolaren, affektiven Störungen

Erfolgt eine Diagnostik der bipolaren Störung, ist die Einnahme von Medikamenten nicht mehr zu vermeiden. Die Arzneimittel können die depressiven und die manischen Phasen um ein Vielfaches herabsetzen und auch die Risiken von Suizid minimieren. Im Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten erfolgt eine psychotherapeutische Behandlung des Patienten. Über diese Behandlung kann auf lange Sicht der jeweilige Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden. Doch setzt eine solche Behandlung den Willen des Betroffenen voraus. Dies stellt gleichsam eine der größten Herausforderungen dar, da sich Menschen in manischen Phasen gut fühlen und auf diesen Zustand nicht verzichten möchten. Manisch depressive Personen müssen über ihr Leben lang behandelt und therapiert werden. Nur auf diese Weise besteht die Möglichkeit, die Zustände so stabil wie möglich zu halten. Wird eine Behandlung oder eine Medikamenteneinnahme abgebrochen, besteht ein enormes Rückfallrisiko.

 

Der Start der Behandlung und Therapie

In der Startphase der Behandlung ist anzumerken, dass es Wochen bis hin zu Monaten dauern kann, bis der Betroffene eine wirkliche Verbesserung der Symptome und Krankheitsanzeichen bemerkt. Kommt es dann zu einer merklichen Verbesserung der Episoden und einer Stabilisierung der Stimmungen, bewegen wir uns in dieser Phase der Stabilisierung. Einem Arzt ist es dann möglich, die Medikamente entsprechend anzupassen und für die jeweiligen Patienten eine optimale Dosierung zu finden. Neben der therapeutischen Behandlung der eigentlichen Episoden erhöht sich auch die Sensibilität eines Patienten für die eigentlichen Warnzeichen, um zu einem frühestmöglichen Stadium eine herannahende Depression oder Manie zu erkennen. Nur so ist es einem Patienten möglich, dagegen zu steuern.

Folgende stimmungsstabilisierende Medikamente werden bei bipolaren, affektiven Störungen verschrieben:

  • Lithium,
  • Carbamazepin,
  • Valproinsäure,
  • Trizyklische Antidepressiva,
  • Selektive Serotonin Wiederaufnahme Hemmer.

Gerade mit dem Aufkommen von depressiven Symptomen und Krankheitsanzeichen wird oftmals eine Wachtherapie eingesetzt. Im Zuge dieser Therapie verzichtet der Patient für eine Nacht auf den Schlaf und tatsächlich verbessert sich dadurch in den meisten Fällen auch der Gemütszustand. Erfolgt eine effektive Verbesserung der depressiven Symptome, kann dieser Schlafenzug nochmals wiederholt werden. Eine Wachtherapie wird nur unter der Aufsicht eines erfahrenen Arztes durchgeführt.

Bei manischen und depressiven Symptomen und Episoden eignet sich auch eine Elektrokrampftherapie. Ein Arzt legt bei einem Patienten Elektroden an. Dann wird der Patient unter Vollnarkose gesetzt. Zu diesem Zeitpunkt wird ein kurzzeitiger Krampfanfall erzeugt. Tatsächlich hat diese Form der Therapie weniger Nebenwirkungen als einige, vergleichbare Medikamente. Vor allen Dingen bei Betroffenen mit einem hohen Suizidrisiko wird oftmals diese Form der Therapie eingesetzt.

Betroffene fragen sich, ob bipolare, affektive Störungen wirklich heilbar sind. Über eine psychotherapeutische Behandlung ist es möglich, die jeweiligen Episoden und Gefühlsschwankungen dauerhaft verschwinden zu lassen. Dies gelingt mitunter bei einem Drittel aller Patienten. Der größte Teil wird über ein Leben lang unter der bipolaren Störung leiden und lernt, mit den Symptomen und den Episoden zu leben und auf diese folgerichtig zu reagieren. Aus diesem Grund stellt eine Kombination aus Medikamenten und einer wirksamen Therapie eine grundlegende Voraussetzung.

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