Azidose – Störung des Säure-Basen-Haushalts

Übersäuerung des Blutes – Azidose

Kommt es zu einer Störung des Säure-Basen-Haushalts ist in Fachkreisen die Rede von einer Azidose. Sämtliche Prozesse des Stoffwechsels im Organismus des Menschen sind von einem idealen pH-Wert im Blut abhängig. Dieser sollte sich im Bereich zwischen 7,38 und 7,42 befinden. Der pH-Wert misst die Stärke der basischen und sauren Wirkung von wässrigen Lösungen. Während der Stoffwechselprozesse, die jeden Tag im menschlichen Körper stattfinden, kommt es zum Ab-, Auf- und Umbau von verschiedenen Substanzen. Die meisten hiervon sind saurer Natur und verursachen die Störung.

Säure Basen
Übersäuerung Urheber: llebbid / 123RF

Säuren im Körper verursachen keinen Schaden

Dank der im Körper aktiven Puffersysteme erfolgt eine Neutralisation von sauren Säuren, um den pH-Wert im Blut gleichbleibend zu erhalten. Bei einer Erschöpfung der Kapazität dieser Puffersysteme kommt es zur Ablagerung der Säuren in den Gelenken, Muskeln sowie im Bindegewebe.

Die sich im menschlichen Organismus befindlichen Säuren haben keinen schädigenden Charakter. Worauf es letztlich ankommt ist die Menge der Säuren. Gebraucht wird beispielsweise die Salzsäure im Bereich des Magens für Desinfektionszwecke und die Verdauung. In den Muskeln entwickelt sich Milchsäure immer dann, wenn keine genügende Menge Sauerstoff vorhanden ist. Der natürliche Gegner von Säuren sind die Basen. Ein Säuremolekül bildet in Kombination mit einem Basenmolekül ein neutral wirkendes Wassermolekül. Zu den Basen gehören insbesondere Stoffe mineralischen Ursprungs, wie zum Beispiel

  • Magnesium
  • Eisen
  • Natrium
  • Calcium

Azidose, die Störung des Säure-Basen-Haushaltes

Unter einer Azidose wird eine Störung des Säure-Basen-Haushalts verstanden, die vergleichsweise Basen aus den Flüssigkeiten des Körpers entfernt oder Säuren denselben zuführt. Dabei liegt der pH-Wert immer unterhalb 7,37. Werden jedoch Basen hinzugefügt und Säuren entfernt, dann ist die Rede von einer Alkalose. Der pH-Wert einer Alkalose beträgt mehr als 7,43.

Unterteilung der Azidose als Störung des Säure-Basen-Haushalts

Eine Azidose wird im Allgemeinen in fünf atmungs- und stoffwechselabhängige Gruppen untergliedert. Dabei handelt es sich um die:

  • vom Stoffwechsel abhängigen latent metabolische Azidose1)
  • von der Atmung abhängigen respiratorische Azidose
  • von der Atmung abhängigen respiratorische Alkalose
  • vom Stoffwechsel bedingten metabolische Alkalose
  • vom Stoffwechsel bedingten metabolische Azidose

1) Hierbei dreht es sich um eine Sonderform der vom Stoffwechsel bedingten latent metabolischen Azidose. Die Eigensteuerung des pH-Werts ist im beschränkten Maße noch zwischen 7,38 bis 7,42 vorhanden.

Um eine auf die lange Sicht erreichbare Stabilisierung des Säure-Basen-Haushalts erzielen zu können, ist es vonnöten, die Erkrankung, welche der Azidose zugrunde liegt, rechtzeitig erkennen und therapieren zu können.

Der metabolischen Alkalose liegt – ähnlich wie der metabolischen Azidose – eine Störung der Stoffwechselvorgänge zugrunde. Kennzeichnend hierfür ist eine Erhöhung des Bicarbonats oder auch die Einbuße der Wasserstoff Ionen. Im weiteren Verlauf erhöht sich im Blut der pH-Wert auf mehr als 7,45. In diesem Fall wird in Fachkreisen von einer metabolischen Störung des Säure-Basen-Haushalts gesprochen, die auf dem Stoffwechsel basiert. Charakteristisch für eine Azidose ist ein Defizit an Säuren. Dadurch tritt ein größerer Wert an Basen auf. Üblicherweise können Sie eine Azidose nach dem Erbrechen bei sich bemerken.

Wie kann eine Azidose erfolgreich behandelt werden?

Der Körper des Menschen kann gegen die metabolische Azidose als Störung des Säure-Basen-Haushalts nur schwer einen Ausgleich schaffen. Für diesen Zweck würde es sich erforderlich machen, Einbußen bei der Atmung hinzunehmen. Dies ist jedoch nur in einem kaum merklichen Umfang machbar, da der Organismus stetig über genügend Sauerstoff verfügen muss. Nicht zuletzt deswegen zielt eine Behandlung auf medikamentöser Ebene auf die Bekämpfung der Ursachen ab. Hierfür kommt die Gabe von

  • Argininhydrochlorid
  • Salzsäure
  • Kaliumchloridlösungen

in Frage.

Als Ursache kann bei der metabolischen Azidose eine durch einen Säuren-Überschuss bedingte Störung des Stoffwechsels ausgegangen werden. Es tritt eine Senkung des pH-Werts im Blut von unter 7,36 auf.

Ferner kommt zur Behandlung der Azidose eine Mikronährstofftherapie in Frage. Hierfür eignen sich insbesondere Mineralstoffe basischen Ursprungs, wie

  • Calciumcitrat
  • Kaliumcitrat
  • Magnesiumcitrat
  • Natrium-Bicarbonat.

Ganz oben auf der Prioritätenliste bei der Behandlung einer Störung des Säure-Basen-Haushalts steht die Therapie der aktuell vorliegenden Grunderkrankung. Unter anderem nimmt auch die Umstellung der bisherigen Ernährungsweise eine maßgebliche Bedeutung ein. Diese sollte mit wesentlich mehr Vitalstoffen angereichert werden.

Azidose als Störung des Säure-Basen-Haushalts kurz zusammengefasst

Wird bei Ihnen eine Azidose diagnostiziert, befindet sich Ihr pH-Wert unter 7,35. Dafür kommen verschiedene Ursachen in Frage. Bei einer vorliegenden respiratorischen Azidose sinkt der pH-Wert wesentlich ab. Für eine metabolische Azidose hingegen zeichnet ein Überschuss saurer Stoffwechselprodukte verantwortlich.

 

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Literatur:

  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag
  • Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2009
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte
  • Deutsches Ärzteblatt, Studien und aktuelle Nachrichten
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