Zu Niedriger Puls trotzdem hoher Blutdruck? Ursachen

Was tun bei zu niedrigem Puls

Meistens werden Puls und Blutdruck vom Körper ganz automatisch so geregelt, dass sie der aktuellen Situation angepasst sind. Strengen wir uns an, steigen Blutdruck und Herzfrequenz, wenn wir uns entspannen, sinken sie wieder. Manchmal können die gemessenen Werte außerhalb der Norm liegen.

Das muss nicht immer krankhaft sein. Aufmerksam werden sollte man jedoch, wenn ein sehr niedriger Puls oder ein besonders hoher Blutdruck auftreten und Beschwerden verursachen.

Niedriger Puls - hoher Blutdruck
Niedriger Puls – hoher Blutdruck, Copyright: Kalinovskiy bigstockphoto

Regulation von Puls und Blutdruck

In der Regel merken wir weder unseren Blutdruck noch unseren Herzschlag. Der Körper reagiert auf die Stärke der körperlichen Belastung und passt die Herzfrequenz und den Blutdruck so an, dass wir eine adäquate Leistungsfähigkeit haben.

Das Wichtigste im Überblick

  •  Niedriger Puls und hoher Blutdruck sind nicht immer krankhaft.
  •  Ein extrem niedriger Puls wird durch eine Blutdruckerhöhung kompensiert.
  •  Die kompensatorische Blutdruckerhöhung sollte nicht medikamentös behoben werden.
  •  Ein sehr niedriger Puls deutet auf eine Störung im Reizleitungssystem des Herzens hin.
  •  Typische Beschwerden sind Schwindel, Synkopen und fehlende körperliche Belastbarkeit.

 

Der Puls zeigt an, wie oft pro Minute das Herz schlägt. Wenn wir uns anstrengen und mehr Sauerstoff gebraucht wird, wird der Puls schneller. Bei großer Anstrengung, aber auch zum Beispiel bei Aufregung, kann der Blutdruck ansteigen.

Bis zu gewissen Grenzen sind diese Schwankungen völlig normal. Ein normaler Puls liegt in Ruhe ungefähr bei 60 bis 80 Schlägen pro Minute, kann aber unter starker körperlicher Anstrengung, insbesondere bei jungen Menschen, durchaus auf Werte von bis zu 200 Schlägen pro Minute kommen. Ein normaler Blutdruck liegt ungefähr bei 120/80 mmHg in Ruhe.

Bei Belastung können hier Werte von etwa 220/110 mmHg gemessen werden.

Sind niedriger Puls und hoher Blutdruck gefährlich?

Meistens steigen Puls und Blutdruck in ähnlichen Situationen an und fallen in ähnlichen Situationen wieder ab. Es kann aber auch vorkommen, dass niedriger Puls und hoher Blutdruck zusammen auftreten. Das muss nicht immer krankhaft sein. Vor allem sehr sportliche Menschen haben häufig einen Ruhepuls, der niedriger ist als der „normale“ untere Grenzwert. Er kann manchmal bei nur 50 Schlägen pro Minute liegen. Umgekehrt haben Patienten mit arterieller Hypertonie häufig einen erhöhten Blutdruck, ohne dass gleichzeitig die Herzfrequenz mit ansteigt.

Wodurch kommen niedriger Puls und hoher Blutdruck zustande?

Es gibt verschiedene Ursachen, die zu einem niedrigen Puls führen können. Neben dem niedrigen Ruhepuls bei Sportlern gibt es auch krankhafte Ursachen. Oft kommt ein niedriger Puls vor, wenn bestimmte Medikamente, vor allem Betablocker, zu hoch dosiert sind. Wenn man die Dosis reduziert, kann man dadurch die Beschwerden beheben. Es gibt aber auch verschiedene Herzrhythmusstörungen, die einen niedrigen Puls verursachen können. Dazu gehören zum Beispiel Vorhofflimmern, Erkrankungen des Sinusknotens oder Überleitungsstörungen am AV-Knoten.

„Niedriger Ruhepuls nicht immer ein gutes Zeichen.“

https://www.aerztezeitung.de/panorama/sport/sportmedizin/article/385221/niedriger-ruhepuls-nicht-immer-gutes-zeichen.html

Ein hoher Blutdruck kommt, abgesehen von physiologischer Erhöhung bei körperlicher oder psychischer Belastung, meist bei Patienten mit bekannter arterieller Hypertonie vor. Insbesondere wenn die Einnahme der Blutdruckmedikamente nicht regelmäßig erfolgt, kann eine hypertensive Entgleisung auftreten.

Wann sind niedriger Puls und hoher Blutdruck behandlungsbedürftig?

Grob kann man sagen, dass niedriger Puls und hoher Blutdruck behandelt werden müssen, wenn sie deutlich außerhalb der Grenzwerte liegen und Beschwerden verursachen.

Wann können niedriger Puls und hoher Blutdruck zusammen vorkommen?

Wenn ein sehr niedriger Puls und ein hoher Blutdruck gleichzeitig auftreten, ist Vorsicht geboten. Ein niedriger Puls, der deutlich außerhalb der Norm liegt, zum Beispiel nur bei 20 bis 30 Schlägen pro Minute, ist in den meisten Fällen pathologisch.

Es deutet darauf hin, dass das Reizleitungssystem des Herzens nicht mehr richtig funktioniert. Wenn zum Beispiel der Sinusknoten beschädigt ist, kann das Signal zur Kontraktion der Herzmuskulatur nur noch schlecht ausgesendet werden. Bei manchen Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern können sowohl sehr schnelle als auch sehr langsame Herzfrequenzen vorkommen.

Eine weitere sehr häufige Ursache sind AV-Knoten-Blockierungen. Das heißt, dass die elektrische Erregung von den Vorhöfen auf die Herzkammern nur noch verzögert oder nur teilweise übergeleitet wird.

Wenn der Puls sehr niedrig ist, versucht der Körper gegenzusteuern, um weiterhin ein ausreichendes Herzzeitvolumen aufrecht zu erhalten. Das passiert, indem der Blutdruck kompensatorisch erhöht wird. Wenn der Puls nur bei 30 Schlägen pro Minute liegt, ist ein Blutdruck von 160/90 mmHg nicht zu hoch, sondern notwendig. Er sollte daher auf keinen Fall medikamentös gesenkt werden.

Welche Beschwerden machen niedriger Puls und hoher Blutdruck?

Der hohe Blutdruck in dieser Situation ist nicht krankhaft, sondern ein adäquates Gegensteuern des Körpers auf den niedrigen Puls. Beschwerden macht vor allem der niedrige Puls. Meistens kommt es zu Schwindel, Synkopen oder fehlender körperlicher Belastbarkeit. Wenn der niedrige Puls durch irreversible Ursachen zustande kommt, wird meistens ein Herzschrittmacher implantiert.

Tipps für Patienten

Wichtig ist immer, reversible Ursachen von niedrigem Puls auszuschließen. Es gibt Medikamente, die dies verursachen können und daher abgesetzt oder dosisreduziert werden sollten, bevor voreilig ein Herzschrittmacher eingebaut wird. Auch Entgleisungen der Elektrolyte wie zum Beispiel eine Hyperkaliämie können Bradykardien verursachen.