Blut am After – Ursachen und Gründe für anale Blutungen

Blut am After: mögliche Ursachen und wie Sie richtig reagieren

Jeder, der es bereits erlebt hat, ist im ersten Moment geschockt und dann verunsichert: am Toilettenpapier oder sichtbar im WC ist nach dem Stuhlgang plötzlich Blut am After zu sehen. Dieses Symptom kann verschiedene – teils harmlose – Gründe haben. Informieren Sie sich im Interesse der eigenen Gesundheit über die Ursachen und ein angemessenes Patientenverhalten.

Blut am After
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Ursachen für Blut am After im Überblick

Gelangt beim Stuhlgang sichtbar Blut aus dem Körperinneren an den After, liegt eine akute Verletzung vor. Das klingt im ersten Moment jedoch deutlich drastischer als es in den meisten Fällen ist. Zu den eher unbedenklichen Ursachen gehören:

  •  eine Hautverletzung rund um den After durch harten Stuhl
  •  eine Hautverletzung durch viel Druck auf das Toilettenpapier
  •  Hämorriden
  •  Analvenenthrombose

Neben diesen vergleichsweise harmlosen Gründen für Blut am After gibt es noch schwerwiegendere, die allerdings deutlich seltener auftreten. Dazu zählen:

  •  Analfissur
  •  akute und chronische Darmentzündungen
  •  Krebs
  •  Endometriose bei Frauen

Sehr häufig der Auslöser: die Hämorriden

Viele Menschen glauben, dass Hämorriden per se etwas Schlechtes sind, doch tatsächlich lautet die medizinische Tatsache: jeder hat sie und sie dienen der Gesundheit. Es handelt sich bei Hämorriden nämlich um dicke Gefäßpolster am After, die einen ungewollten Stuhlabgang verhindern. Erst wenn sich die Hämorriden vergrößern und dadurch leicht verletzt werden können, werden sie als Problem wahrgenommen.

Vergrößerte Hämorriden können zu Blut am After führen oder sogar kleine Bluttropfen auf den sichtbaren Stuhl im WC abgeben. Leichte Verletzungen werden meist mit Salben oder auch Zäpfchen behandelt und geben keinen Anlass zu ernsten Sorgen. Eine Vorstellung beim Arzt sollten Sie dennoch wahrnehmen, damit zum einen die Diagnose gesichert werden kann und zum anderen das Stadium der Hämorriden ermittelt wird. Werden die Polster knotig, kann eine Operation sinnvoll sein.

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Blutig aber selten gefährlich: die Analvenenthrombose

Blut am After kann auftreten, wenn sich unmittelbar am Darmausgang eine Venenthrombose gebildet hat. Durch das kleine Gerinnsel kann das Blut nicht mehr gezielt abfließen und das betroffene Areal schwillt an. Aus diesem Grund ist umgangssprachlich oft auch von „äußeren Hämorriden“ die Rede, auch wenn das medizinisch falsch ist. Sichtbar werden keine angeschwollenen Gefäßpolster, sondern die angeschwollene Vene.

Durch die Schwellung unter der Haut kann es leichter zu kleinen Rissen und damit Blutungen kommen. Das Blut am After ist in diesen Fällen selten hellrot, sondern hat aufgrund der Stauung bereits eine dunklere Farbe angenommen.

Nach der Diagnose wird der Arzt Ihnen kühlende und heilungsfördernde Sitzbäder empfehlen. Oft verschwindet das kleine Gerinnsel von selbst. Bleibt das aus, kann unter lokaler Betäubung ein minimaler Einschnitt vorgenommen und der Pfropfen entfernt werden.

Eine Analfissur muss immer behandelt werden

Der Fachbegriff Analfissur bezeichnet einen direkten Einriss der inneren Analhaut. Da diese sehr empfindlich ist, wird das Reißen als sehr schmerzhaft empfunden und lässt die meisten Betroffenen daher zeitnah zum Arzt gehen. Blut am After tritt auch nicht einmalig oder selten auf, sondern bei jedem Toilettengang.

Der Arztbesuch ist wichtig, da eine Analfissur dazu führen kann, das der Stuhl auf dem Weg durch den Darmtrakt unmittelbar an der Wunde vorbeikommt und damit Fäkalien in das Blut übergehen. Das wiederum kann zu schweren Entzündungen führen. Die Therapie setzt daher auf eine Stuhlregulierung, bei der viel Flüssigkeit getrunken und eine spezielle Ernährung eingehalten wird. Heilt der Riss durch Schonung oder das Auftragen eines Gels nicht von allein, muss er in einer OP mit Hautlappen abgedeckt werden.

Blut am After – Akute und chronische Entzündungen

Entzündungen im Magen-Darm-Trakt treten bei vielen Menschen auf und sind als lokale Infektionsherde kein Problem. Kann das Immunsystem jedoch eine Infektion nicht selbstständig beheben, kann der Herd sich ausbreiten und damit im gesamten Verdauungstrakt für Probleme sorgen. Es kommt zu Entzündungen der Magenschleimhaut und/oder Darmschleimhäute.

Da bei Entzündungen das Gewebe stark gereizt ist, können auch kleine Blutungen auftreten, die beim Stuhlgang sichtbar werden. Entstehen sie am Ende des Verdauungsapparates, kann Blut am After auftreten. Häufiger ist allerdings eine Einfärbung des Stuhls vor dem Verlassen des Körpers. Das führt nicht zu sichtbaren Bluttropfen, sondern zum sogenannten Teerstuhl; eine Schwarzfärbung des Stuhls.

Ein Besuch beim Arzt ist sehr wichtig, um der Entzündungsursache auf den Grund zu gehen. Sind beispielsweise Bakterien wie Helicobacter pylori verantwortlich, kann eine Therapie mit Antibiotika für schnelle Abhilfe sorgen.

Karzinom als Ursache

Am Rand des Analbereiches kann es durch Zellmutationen zum Auftreten eines Krebsgeschwüres kommen. Man unterscheidet in diesem Fall das Analrandkarzinom und das Analkarzinom. Ersteres betrifft die äußere Haut und fällt daher auch in den Bereich des Dermatologen als Facharzt für die menschliche Haut. Liegt der Tumor im inneren des After vor, sind Proktologen gefragt.

In beiden Fällen ist Blut am After ein Symptom für einen bereits fortgeschrittenen Verlauf der Erkrankung. Häufig treten gleichzeitig Juckreiz und Schmerzen auf. Eine eindeutige Diagnose wird zum einen mittels Ultraschall und Darmspiegelung und zum anderen durch die Laboranalyse von Gewebeproben gestellt.

Blut am After: bei Frauen ist als Ursache auch die Endometriose möglich

Befindet sich eine Frau in ihrer fruchtbaren Lebensphase, bildet sich beim natürlichen Menstruationszyklus immer wieder eine neue Schleimhaut in der Gebärmutter auf. Bei gesunden Frauen erfolgt dieser Vorgang allein im Uterus. Beim Krankheitsbild der Endometriose ist dieser Prozess jedoch gestört und es kommt zusätzlich zur Schleimhautbildung außerhalb der Gebärmutter.

Diese „fehl platzierte“ Schleimhaut ist zwar gutartig, sie kann aber starke Schmerzen verursachen. Wächst sie im Darmbereich, kommt es gleichzeitig zur normalen Regelblutung zu einem Blutaustritt aus dem After. Je nach Stärke der Schleimhautbildung kann es auch fernab der Regelblutung zu Komplikationen kommen, wenn die Schleimhaut den Stuhlgang behindert.

Eine Abklärung der Endometriose beim Gynäkologen ist extrem wichtig. Auch wenn kein Blut am After auftritt, ist ein Handeln notwendig, denn verbleibt die Gebärmutterschleimhaut im Darm, können Zysten entstehen, die ihrerseits schwere Entzündungen mit sich bringen können.

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Literatur:

  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag.
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag
  • Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2009
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte
  • Deutsches Ärzteblatt, Studien und aktuelle Nachrichten
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