Blutgeschmack im Mund
Blutgeschmack im Mund, bei Verletzungen und Blutungen Copyright: Victoria 1 bigstockphoto

Wie und warum schmeckt man Blut?

Blutgeschmack im Mund? Das kann viele Ursachen haben. In den meisten Fällen kommt dieser Blutgeschmack tatsächlich von Blut, das aus kleinen Wunden in Mundraum oder Atemwegen stammt.

Selbst intensiver Sport, Schwangerschaft, Medikamente oder Zahnprothesen sind mögliche Gründe für einen eisenhaltigen blutigen Geschmack.

Blutgeschmack im Mund: Woher kommt eigentlich der typische Geschmack von Blut?

Blut schmeckt metallisch – nicht von ungefähr. Der typische Geschmack rührt vom Eisen, das im roten Blutfarbstoff vorhanden ist. Dort sitzen zweiwerte Eisenionen (Fe2+) als Zentralatom im Porphyrinringsystem des Häms.

Das sind die gleichen Ionen, die man bei Eisen in Mund schmeckt, denn reines metallisches Eisen hat keinen Geschmack. Erst durch die Löslichkeit in Wasser können die Geschmacksknospen der Zunge überhaupt Metallionen wahrnehmen. Daraus kann man bereits ersehen, dass sehr wenige Eisenionen ausreichen, um einen entsprechenden Geschmackseindruck auszulösen.

Blutgeschmack im Mund – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Der charakteristische Blutgeschmack ist die Folge der Wahrnehmung von Eisenionen über die Geschmacksknospen der Zunge. Im Blut sind Eisenionen im roten Blutfarbstoff Hämoglobin enthalten.
  2. Demensprechend tritt Blutgeschmack im Mund auf, wenn Eisenionen selbst oder Blut auf die Zunge gelangen.
  3. Eisenionen gelangen vor allem durch Zahnprothesen in den Mund.
  4. Eine andere Möglichkeit besteht in Störungen der Geschmacksempfindung, die durch Krankheiten oder Medikamente zustande kommen.
  5. Die häufigste Ursache von Blutgeschmack im Mund sind Zahnfleischbluten, Blut aus dem Atemwegen und seltener aus Magen und Speiseröhre.

Blutgeschmack im Mund: Wie kommt Blut in den Mund?

Blut kann auf vielen Wegen in den Mundraum gelangen. Bereits kleine Blutmengen reichen bereits aus, um den charakteristischen unangenehmen Geschmack auszulösen.

Zahnfleischbluten

ist bei weitem die häufigsten Ursache für Blutgeschmack im Mund. Entzündungen des Zahnfleisches und des Zahnbettes (Gingivitis und Parodontitis) sind die Folge von bakteriellen Belägen (Plaque), der sich durch Mineralisierung mit Calciumionen aus dem Speichel zu Zahnnstein verhärtet und den Bakterien der Mundflora einen hervorragenden Untergrund bietet.

Dort können sie sich nicht nur ungestört vermehren, sondern finden auch genügend Nahrungsreste für ihr Wachstum. Die von ihnen ausgeschiedenen Säuren greifen den Zahnschmelz an und verursachen Karies. Dadurch löst sich letztlich das Zahnfleisch von den Zähnen, sodass sich Zahnstein und Bakterien noch weiter in die sich bildenden Taschen einnisten und das Auftreten von Entzündungen begünstigen.

Zahnfleischbluten tritt auch bei Vitamin C-Mangel (Skorbut) und im Verlaufe von HIV-Infektionen auf.

Geschwüre der Mundschleimhaut,

sogenannte Aphthen, treten bei der rezidivierenden Stomatitis aphthosa auf. Dabei handelt es sich um kleine wunde Stellen im Mund, die zumeist zu mehreren auftreten, recht klein sind, aber für ihre geringe Größe außerordentlich schmerzhaft.

Sie verheilen meistens innerhalb von zwei Wochen, kommen aber nach einiger Zeit wieder und treten immer wieder auf. Man findet sie auf der Innenseite der Wangen, am weichen Gaumen bis in den Rachen hinein und an der Zunge oder darunter. Größere Geschwüre brauchen oftmals Wochen zum Verheilen und können Narben hinterlassen. Sie alle bluten in ihrer Mitte und führen zu Blutgeschmack im Mund.

Infektionen im Mundbereich

durch Viren, Bakterien und Pilze führen zu Entzündungen, die Blutungen der Schleimhäute verursachen. Am häufigsten sind hier Erkältungskrankheiten Grund für Blutgeschmack im Mund, die Rachen und Rachenmandeln (Tonsillen) schmerzhaft röten. Blut und Eiter verursachen dann einen unangenehmen Geschmack.

Blutungen sind auch Folge von Infektionen mit Herpesviren (Lippenherpes, Herpes labialis) oder mit Pilzen, allen voran Candida-Arten, die zu Mund-Soor mit Rötungen, Pusteln und Belägen führen.

Infektionen der Luftwege

führen zu kleineren Blutungen der Schleimhäute von Bronchien und Lunge, die durch Husten zutage gefördert werden. Im Mund angelangt sind diese leicht schmeckbar. Das gilt für alle Infektionen der oberen und unteren Luftwege von der Bronchitis bis zur Lungenentzündung (Pneumonie).

Hochleistungssport

führt zu einer gesteigerten Durchblutung der Lunge, um den Körper mit hinreichenden Mengen Sauerstoff zu versorgen. Dabei steigt allerdings aufgrund der erhöhten Atemtätigkeit auch die Ventilation der Lunge – mit der Folge, dass bei Extremsportarten die Drüsen der Atemwege nicht mehr für eine ausreichende Schleim- und Feuchtigkeitsversorgung der Schleimhäute sorgen können.

Als Folge davon trocknen die Schleimhäute regelrecht aus – wodurch sie kleine Mengen Blut abgeben. Dieses Blut gelangt bei der forcierten Atmung in den Mund und verursacht Blutgeschmack. Marathonläufer, Triatlethen und ähnliche Hochleistungssportler kennen diesen Effekt.

Kein Blut, aber… Woher kann der Blutgeschmack im Mund sonst noch stammen?

Nicht immer ist Blut die Ursache für scheinbaren Blutgeschmack im Mund. Im Prinzip reichen bereits Eisenionen ohne Häm drumherum für eine sensorische Wahrnehmung aus, die uns an Blut erinnert.

Zahnprothesen, Zahnbrücken und Zahnimplantate

bringen Metall in den Mundraum. Eigentlich sind die heute verwendeten Edelstahlvarianten kaum von Korrosion getroffen, die Eisenionen freisetzen und den Geschmackseindruck hervorrufen können. Bisweilen geschieht das durch die Einwirkung von Säuren, etwa in Fruchtsäften oder Obst. Mehrere Metalle in der Mundhöhle können diesen Effekt durch eine geringfügige Elektrolyse begünstigen, etwa Kombinationen aus verschiedenen Edelstahlsorten, Goldfüllungen und/oder Amalgam.

Fehlgeleitete Geschmacksempfindungen

können zahlreiche Ursachen haben. Man spricht medizinisch von Dysgeusien, sobald der Geschmackssinn verändert ist. Qualitative Störungen, bei denen man etwas völlig anderes wahrnimmt, nennt man Parageusien.

Ursache solcher Parageusien sind oft hormonelle Umstellungen, etwa im Laufe der weiblichen Periode, während der Schwangerschaft, bei Hormonbehandlungen bei unerfülltem Kinderwunsch. Bisweilen treten sie auch als Begleiterscheinungen des Klimakteriums auf. Auch bei der verbreitetsten Hormonstörung, dem Diabetes, kann sich ein Blutgeschmack im Mund einstellen.

Andere Gründe sind Medikamente, die das Geschmacksempfinden beeinflussen. Insbesondere Zytostatika, wie man sie zur Chemotherapie verwendet, verändern die Geschmacksempfindung, sodass Krebspatienten Blutgeschmack wahrnehmen. Ähnlich wirken Schlafmedikamente wie Zopiclon, Antihistaminika gegen Allergien, aber auch Calciumkanal-Blocker wie Amlodipin und der ACE-Hemmer Captopril. Ebenso verändern Antibiotika aus der Gruppe der Tetrazykline den Geschmackseindruck.

Zinkmangel

beeinflusst das Geschmacksempfinden, denn Zink ist ein wichtiger Kofaktor der alkalischen Phosphatase in den Geschmacksknospen. Ebenso interagiert Zink auf noch nicht völlig geklärte Weise mit der Carboanhydrase, die für die Bildung von Gustin mitverantwortlich ist. Dieses ist wichtig für die Entstehung neuer Geschmacksknospen.

Ernsthafte Erkrankungen als Ursache von Blutgeschmack im Mund

Die meisten Ursachen sind eher harmloser Natur. Allerdings gibt es eine Reihe von dringend behandlungsbedürftigen Erkrankungen, die Blut in die Mundhöhle bringen. Spätestens wenn man Blut spuckt und beim Husten der Auswurf blutige Beimengungen aufweist, sollte man medizinischen Rat einholen.

Gründe hierfür sind gravierende Lungenentzündungen, die im weiteren Verlauf lebensbedrohliche Ausmaße annehmen können, Tuberkulose oder Lungenkrebs (Bronchialkarzinom), der in bereits fortgeschritteneren Stadien blutige Auswürfe verursacht.

Wichtig! Blutgeschmack im Mund zusammen mit blutigem Auswurf beim Husten ist immer ein Warnsignal, das von einem Arzt abgeklärt werden muss!

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063.
  • Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
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