Berührungsschmerzen am ganzen Körper

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Wenn jede Berührung Schmerzen auslöst

Berührungsschmerzen am ganzen Körper sind oft hartnäckig. Manchmal sind sie stärker, mal schwächer. Manche Patienten empfinden die Schmerzen weniger stark als andere. Und doch sind sie meistens dauerhaft vorhanden.

Berührungsschmerzen am ganzen Körper sind meistens durch rheumatische Erkrankungen bedingt oder stellen sich als neuropathische Schmerzen dar wie bei einer Polyneuropathie oder einer Fibromyalgie. Der Alltag der betroffenen Patienten ist meistens stark eingeschränkt und sie wünschen sich nur eines: Hilfe.

Berührungsschmerzen am Körper
Berührungsschmerzen am ganzen Körper Copyright: psodaz bigstockphoto

Berührungsschmerzen – Das Wichtigste im Überblick:

  • Berührungsschmerzen am ganzen Körper sind ein begleitendes Symptom vieler Erkrankungen
  • Ursächlich sind meistens rheumatische Erkrankungen, Polyneuropathien oder Fibromyalgie
  • Die Patienten haben meistens einen sehr hohen Leidensdruck und sind im Alltag stark eingeschränkt
  • Eine Behandlung ist meistens nur symptomatisch möglich
  • Eine Heilung von Berührungsschmerzen am ganzen Körper ist häufig nicht möglich, nur eine gute Symptomkontrolle

Für Berührungsschmerzen am ganzen Körper gibt es verschiedene Ursachen. Die Schmerzen können von Gelenken, Muskeln oder Nerven ausgehen und entstehen meistens durch bestimmte Grunderkrankungen.

Wenn Schmerzen an Brustkorb, Hals, Armen oder Beinen durch Berührung schlimmer werden, spricht das in der Regel dafür, dass sie muskuloskelettal oder durch Nerven bedingt sind. Brustschmerzen, die durch innere Organe verursacht werden, zum Beispiel durch einen Herzinfarkt, lassen sich nicht durch Druck provozieren.

Es gibt auch Erkrankungen, die mit Schmerzen am ganzen Körper einhergehen, ohne dass diese auf Berührung schlimmer werden. Dazu zählen zum Beispiel die Gliederschmerzen im Rahmen eines schweren grippalen Infekts, bei generalisierter Osteoporose oder bei Multipler Sklerose.

Zu den häufigsten Erkrankungen, die Berührungsschmerzen am ganzen Körper verursachen, zählen Rheuma, Polyneuropathien und Fibromyalgie.

Rheuma: wenn die Gelenke nicht mehr wollen

Es gibt etwa 450 verschiedene Formen von rheumatischen Erkrankungen. Rheuma ist eine Autoimmunerkrankung, bei der es durch überschießende Reaktionen gegen körpereigene Strukturen zu entzündlichen Veränderungen in verschiedenen Teilen des Körpers kommt. Die bekannteste Form ist die rheumatoide Arthritis.

Sie befällt vor allem die Gelenke und verursacht dort starke Schmerzen. Häufig sind insbesondere die kleinen Gelenke wie Finger- und Zehengelenke betroffen. Durch die Schmerzen und die Entzündung bedingt kommt es oft auch zu Bewegungseinschränkungen der betroffenen Gelenke.

Findet keine adäquate Behandlung statt, verformen sich die Gelenke im Laufe der Zeit meist stark, woran man eine rheumatoide Arthritis schon auf den ersten Blick erkennen kann.

„Die Hände sind die Visitenkarte eines Rheumatikers.“
Gerd Herold, Innere Medizin 2017, S. 658

Durch Berühren oder Beklopfen der betroffenen Gelenke bekommen die Patienten meistens starke Schmerzen. Im akuten Schub ist es einem Rheumatiker oft kaum möglich, vor Schmerzen anderen Leuten die Hand zu schütteln.

Fibromyalgie – Schmerzen an Muskeln und Sehnen

Die Fibromyalgie ist mit einer Prävalenz von etwa drei Prozent eine sehr häufige Erkrankung, von der vor allem Frauen betroffen sind. Sie verursacht Berührungsschmerzen am ganzen Körper, die insbesondere an bestimmten Stellen, den sogenannten „Tender points“, ausgelöst werden können.

Die schmerzhaften Punkte liegen meistens in der Muskulatur und in den Ansätzen der Sehnen. Die Ursache der Fibromyalgie ist noch unklar, es konnten jedoch small-fiber-Neuropathien, also Erkrankungen von kleinsten Nervenfasern, gefunden werden. Es gibt keine typischen Laborwerte und auch keine fassbaren organischen Auffälligkeiten, die eine Fibromyalgie beweisen können. Es ist deshalb eine Ausschlussdiagnose.

Patienten haben meistens Berührungsschmerzen am ganzen Körper, vor allem an Rücken, Armen und Beinen. Durch Druck auf die Tender points können die Schmerzen verstärkt werden, oft auch durch körperliche Aktivität oder härtere Berührungen.

Zur Diagnose müssen die Beschwerden seit mindestens drei Monaten bestehen. Zusätzlich können allgemeine Symptome vorkommen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schlaflosigkeit, Ängste oder Depressionen.

Zur Diagnostik der Fibromyalgie gibt es 18 festgelegte Tender points, die überprüft werden. Dazu gehören zum Beispiel der Ansatz des Musculus trapezius am Hinterkopf, die Knorpel-Knochen-Grenze an der zweiten Rippe und der Epicondylus lateralis humeri, der Knochenvorsprung am äußeren Ellenbogen.

Zusätzlich gibt es zur Absicherung der Diagnose Kontrollpunkte, die bei einer Fibromyalgie nicht schmerzhaft sein sollten wie die Mitte des Schlüsselbeins, der Daumennagel oder die Mitte der Stirn.

Die Berührungsschmerzen am ganzen Körper bei Fibromyalgie werden durch ein multimodales Konzept behandelt. Klassische Schmerzmittel helfen eher wenig. Eingesetzt werden Patientenschulungen, Verhaltenstherapie, ein angepasstes Herz-Kreislauf-Training und manchmal Antidepressiva. Eine Heilung der Erkrankung gibt es nicht, die Patienten können aber lernen, besser damit umzugehen und im Alltag klar zu kommen.

Polyneuropathie: Quälende Nervenschmerzen

Eine besonders unangenehme Form von Berührungsschmerzen am ganzen Körper ist die Polyneuropathie. Bei dieser Erkrankung sind periphere Nerven geschädigt, zum Beispiel an den Extremitäten, aber auch an inneren Organen.

Für Berührungsschmerzen am ganzen Körper sorgt eine Schädigung der sensiblen Nerven. Dadurch können Berührungen sehr schmerzhaft sein, aber auch die Wahrnehmung von Temperaturen oder Vibration sind gestört.

Die sensible Polyneuropathie betrifft meistens vor allem Arme und Beine und ist in der Regel symmetrisch, also auf beiden Körperseiten vorhanden. Es können sowohl Missempfindungen auftreten als auch Kribbeln, häufig jedoch brennende und stechende Schmerzen.

Die Schädigung der Nerven führt einerseits dazu, dass mechanisch bedingte Schmerzen, zum Beispiel durch Wunden, von den Patienten kaum noch wahrgenommen werden. Andererseits sind die Nervenschmerzen so stark, dass die Patienten Berührungsschmerzen am ganzen Körper verspüren. Manchmal können sie kaum noch das Gewicht der Bettdecke auf den Beinen ertragen.

Die häufigsten Ursachen für eine Polyneuropathie sind Diabetes mellitus und Alkoholkonsum. Insbesondere ein schlecht eingestellter Diabetes kann zu einer schweren und früh beginnenden Form der Erkrankung führen. Im Laufe der Zeit ist jeder zweite Diabetiker davon betroffen.

Die Mechanismen, die zu einer alkoholbedingten Polyneuropathie führen, sind nicht ganz geklärt. Zusätzlich liegt bei Alkoholikern aber häufig auch ein Vitamin-B12-Mangel vor, der ebenfalls Nervenschäden verursacht und die Beschwerden der Polyneuropathie weiter verstärken kann.

Neben den klassischen Schmerzmitteln werden zur Behandlung der Polyneuropathien auch Antiepileptika wie Gabapentin oder Pregabalin eingesetzt, die die Erregbarkeit der Nerven verringern und so die Schmerzen lindern können.

Manchmal ganz harmlos: Verspannungen

Manchmal gibt es auch völlig harmlose Erklärungen für Berührungsschmerzen am ganzen Körper. Ein ganzer Tag steif vor dem Computer kann manchmal zu ausgeprägten Muskelverspannungen führen. Wenn man die entsprechenden Muskeln berührt, kann dies stark schmerzhaft sein und deshalb zu Verunsicherung führen. Hilfreich sind Lockerungsübungen, die auch vorbeugend und während der Arbeit durchgeführt werden können.

Tipps für Patienten

Wenn Sie Berührungsschmerzen am ganzen Körper verspüren, insbesondere wenn eine der oben genannten Grunderkrankungen wie Rheuma, Fibromyalgie oder Diabetes vorliegt, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Eine möglichst frühe Behandlung der Schmerzen ist erfolgsversprechender als wenn diese bereits über einen langen Zeitraum chronifiziert sind. Neben der Behandlung der Grunderkrankung, physiotherapeutischen Maßnahmen und der Gabe von Schmerzmitteln sind häufig auch entspannungs- oder verhaltenstherapeutische Ansätze vielversprechend. Sie können zu einem besseren Umgang mit den Schmerzen verhelfen.

Studien haben gezeigt, dass Meditation manchmal besser wirkt als ein starkes Schmerzmittel.

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